News

VZ testet 100 Online-Shops: Ärgernis Versandkosten

Die Verbraucherzentrale NRW hat 100 Internetshops gecheckt und häufig nicht nachvollziehbare Versandkosten vorgefunden. Nicht alles darf den Kunden in Rechnung gestellt werden.

27.11.2009, 20:21 Uhr
Internet© arquiplay77 / Fotolia.com

Nur noch wenige Wochen bis zum diesjährigen Weihnachtsfest. Die Online-Shops haben Hochkonjunktur, immer mehr Deutsche erledigen ihre Weihnachtseinkäufe online. Doch ein angebliches Schnäppchen im Netz kann sich real dann doch durch verwirrend angegebene Versandkosten als teurer erweisen als gedacht. Die Verbraucherzentrale NRW hat aktuell 100 Online-Shops speziell hinsichtlich der Versandkosten überprüft.
Versand von vier Produkten im Test
Unter die Lupe genommen haben die Verbraucherschützer dabei von Gewicht und Größe her gänzlich unterschiedliche Produkte. Je 25 mal checkten die Tester den Versand von nur wenigen Gramm leichten Speicherkarten, von kleinen Tischrechnern, paketgroßen Schlagbohrmaschinen und von sperrigen 42-Zoll-Flachbildschirmen. Die Preisspanne für die Versandkosten war insbesondere bei den Fernsehern erstaunlich breit.
Große Preisspannen bei den Versandkosten
Während sich fünf Online-Händler mit 5,90 bis rund zehn Euro zufrieden geben wollten, berechnete der Großteil für den Versand etwa 40 bis 65 Euro. Es fanden sich sogar drei Händler, die kostenlos liefern wollten, dort waren die Versandkosten aber bereits in den Preis mit einkalkuliert. Als Durchschnittspreis ermittelten die Verbraucherexperten 28,80 Euro für die Lieferung von TVs in dieser Größe. Die Verbraucherzentrale hatte sich zum Vergleich auch bei Pakediensten nach den Kosten für den Versand solcher Fernseher erkundigt: Bei Hermes würden etwa 25,90 Euro, bei Illoxx 49,90 Euro anfallen.
Für die leichten Speicherkarten wurden in der Spitze bis zu 8,95 Euro für die Verschickung berechnet, nur drei Händler sagten einen kostenlosen Versand zu. Die fast 1000mal schwereren Schlagbohrmaschinen warteten dagegen sogar mit günstigeren Lieferkosten auf. Durchschnittlich 4,26 Euro stellten sie dafür in Rechnung, das teuerste Angebot lag hier bei 7,95 Euro für den Versand. Gleich sieben Händler hätten die Geräte auch kostenlos geliefert. Bei Versand über Hermes würde nur 3,65 Euro berechnet, DHL verlangt 6,90 Euro.
Die Tischrechner wollte kein Internet-Shop kostenlos liefern. Stattdessen setzten sie dafür zwischen 3,56 und 8,95 Euro in Rechnung. Die Versandkosten überstiegen hier teils sogar den Preis des Rechners. Nicht immer fallen allerdings Kosten für den Versand an: ab einem bestimmten Produktpreis verzichteten 28 der 100 Händler auf die Erhebung von Versandkosten. Teilweise lag die Latte für eine kostenfreie Lieferung jedoch sehr hoch: Die Tester fanden Händler, die erst ab 2.000 Euro Warenwert frei Haus liefern.
Versandkosten durch die Hintertür
Die Verbraucherzentrale rät grundsätzlich zur Wachsamkeit, wenn mit versandkostenfreier Lieferung geworben wird. Die Kosten könnten dann in manchen Fällen über die Hintertür in Form von Verpackungskosten oder Sperrgutzuschlägen wieder erhoben werden. In Rechnung stellen dürften die Händler aber nicht alles. Iwona Gromek, Juristin der Verbraucherzentrale NRW weist darauf hin, dass zu den Versandkosten die Portokosten inklusive eventueller Versandversicherungen und das Verpackungsmaterial zählen. Der Aufwand für die Verpackungsarbeit dürfe nur in angemessenem Rahmen einberechnet werden.
Vorsicht bei Berechnung der Versandkosten nach Produktpreis
Teils fanden die Verbraucherschützer die Versandkosten nur in den AGB versteckt oder nur vage angegeben. Mit erheblichen Versandkosten gerade bei hochpreisigen Waren müssten Verbraucher rechnen, wenn die Versandkosten prozentual anhand des Produktpreises berechnet werden. Nicht immer stimmte auch das angegebene Gewicht der zu versendenden Produkte. Für das gleiche Produkt gab ein Händler mehr Gewicht an und kassierte demzufolge auch statt 5,40 nun 6,90 Euro Versandkosten.
Stiftung Warentest: Zehn Online-Shops auf dem Prüfstand
Nicht nur die Verbraucherzentrale hat angesichts des diesjährigen Weihnachtsgeschäftes getestet, auch die Stiftung Warentest nahm Online-Shops unter die Lupe. Sie bewertete drei von zehn Internetshops mit gut. Die Warentester entdeckten Mängel in den AGB. Branchenriese Amazon findet sich in dem Test nur im Mittelfeld wieder. Als Sieger gingen computeruniverse, der T-Online-Shop sowie cyberport aus dem Test hervor.

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang