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Vorsicht Falle? Medienprofi warnt vor Facebook

"Kein Problembewusstsein": Junge Leute spielen zu sorglos mit Facebook, so ein Medienrechtler. Sie "stellen sich gern selbst dar" und öffnen dabei ihr Privatleben - mit noch ungeahnten Folgen.

23.06.2011, 17:16 Uhr (Quelle: DPA)
Facebook © Facebook

Soziale Netzwerke wie Facebook ermöglichen Gemeinschaftserlebnisse wie sonst nur der Besuch eines Kinos oder Public Viewings. Diese These vertrat Kevin Slavin, Gründer der "sozialen TV-Plattform" Starling.tv in New York, am Mittwoch beim Medienforum NRW in Köln. "60 Jahre haben wir dem Publikum etwas vorgemacht", sagte er und verwies dabei auf das Gelächter, das bei Comedy-Serien häufig eingespielt wird.

Jugendliche "verquatschen ihre Lebenszeit"

"Wir haben uns dieses verrückten Behelfsmittels bedient, um uns eine Menge ums uns herum denken zu können. Aber jetzt - und ich freue mich, das sagen zu können - ist das vorbei."

Das neue - und nach Slavins Meinung durchaus authentische - Gemeinschaftserlebnis werde durch soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook geschaffen, mit denen man auch beim Fernsehen in Kontakt mit seinen Freunden stehe und die Reaktionen zahlloser anderer Menschen verfolgen könne. Dieser Austausch werde letztlich wichtiger als das eigentliche Programm, denn vor allem das gemeinsame Erleben mache den Spaßfaktor aus.

So positiv wurden die sozialen Netzwerke nicht von jedem Referenten eingeschätzt. Der Medienrechtler Bernd Holznagel bedauerte, dass es keinen generationsübergreifenden Konsens über die Wichtigkeit des Datenschutzes mehr gebe.

Unklar: Was wird aus den Daten?

Junge Leute legten kaum noch Wert auf einen Schutz der Privatsphäre: Unbekümmert besprächen sie auf Facebook privateste Dinge und stellten dort kompromittierende Fotos ein. "Ich sehe das bei meinen Studenten", sagte er. "Sie begreifen das alles als rein privates Medium. Die haben gar kein Problembewusstsein dafür."

Dahinter stehe ein ausgeprägtes Selbstdarstellungsbedürfnis. "Das ist eine Generation, die sich gerne selbst darstellt - und die auch gerne quatscht. Die verquatschen einfach unheimlich viel ihrer Lebenszeit", sagte Holznagel der Nachrichtenagentur dpa. Der Direktor des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht in Münster kritisierte, dass Facebook das in der deutschen Gesetzgebung festgeschriebene Recht auf informationelle Selbstbestimmung ignoriere.

Schaar und Facebook wiegeln ab

Heute sei noch gar nicht abzusehen, für welche gewerblichen Zwecke die sozialen Netzwerke die Daten ihrer Nutzer in Zukunft noch verwenden würden. Holznagel empfahl, sich deshalb zumindest in der anfänglichen Phase der Unerfahrenheit nur unter falschem Namen und mit falschen Bildern bei Facebook anzumelden.

Der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Peter Schaar, bezeichnete Holznagels Warnung dagegen als "Ruf in der Wüste". Er habe festgestellt, dass die Annahme, "mit welchen Gefahren das Ganze verbunden ist, weiter verbreitet ist als befürchtet", sagte Schaar.

Auch eine Facebook-Sprecherin widersprach der These von Holznagel: "Facebook ist es wichtig, dass jeder Nutzer selbst bestimmen kann, welche Informationen er mit wem teilen möchte. Dafür bieten wir umfangreiche Privatsphäre-Einstellungen." Gerade die "jungen Leute" nutzten sehr gezielt die Möglichkeiten der Privatsphäre-Einstellungen, erklärte die Sprecherin.

(Dorothee Monreal)

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