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Vorbild Österreich? DSL ohne Zwangs-Festnetz

Die österreichische Telekom soll bald DSL auch ohne Telefonanschluss anbieten. Ist die komplette Entbündelung auch der Weg für Deutschland?

18.11.2005, 15:45 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Bei unseren südlichen Nachbarn in Österreich ist der DSL-Anschluss voraussichtlich ab 2006 auch ohne Zwangs-Telefonanschluss zu haben. Dies sieht ein Entwufspapier des österreichischen Pendants zur Bundesnetzagentur, der Telekom Kontrollkommission (TKK), vor. Nach dem 14. Dezember soll endgültig entschieden werden, ob eine Entbündelung angeordnet wird.
Monopolstellung verhindern
In den Augen der TKK verfügt die Telekom Austria (TA) "über beträchtliche Marktmacht". So genannte "Markteintrittsbarrieren" hielten die Konkurrenten der Telekom Austria davon ab, preisgünstige DSL-Pakete zu schnüren. Um eine Monopolstellung der TA abzuwenden, reagiert der Regulierer jetzt mit einem Bescheidentwurf. Dabei wird ein anderer Weg gegangen als hierzulande.
Entgegen der Forderung der Bundesnetzagentur in Deutschland, Mitbewerbern der Deutschen Telekom Bitstromzugang zum Breitbandnetz zu gewähren, verfolgt der österreichische Regulierer das Ziel, den DSL-Anschluss der TA verpflichtend auch unabhängig vom Telefonanschluss anzubieten.
Bis zum 14. Dezember haben Marktteilnehmer, interessierte Personen sowie die Europäische Kommission die Möglichkeit, das Vorgehen der TKK zu kommentieren. Im Januar soll dann eine endgültige Entscheidung fallen. Anschließend hat die Telekom Austria zwei Monate Zeit, ein "nichtdiskriminierendes Angebot" auf die Beine zu stellen.
Kommentar: Pro und Contra
Im Grunde sind die österreichischen Regulierungsmaßnahmen ein Schritt in die richtige Richtung. Die Vorteile liegen auf der Hand: wer nur einen DSL-Anschluss benötigt, muss keinen Telefonanschluss mehr mitbezahlen - optional kann über VoIP telefoniert werden. Zudem haben Mitbewerber der Telekom Austria die Möglichkeit, attraktive Kombi-Tarife (VoIP und IP) für den "nackten" DSL-Anschluss zu starten.
Doch auch der deutsche Weg ist ein guter. Durch interessante Einkaufskonditionen für den Bitstromzugang erhielten Internet Service Provider die Möglichkeit, ein eigenständiges DSL-Produkt auf die Beine zu stellen. Sowohl Anschluss- als auch Zugangspreise könnten individuell gestaltet werden, was zu mehr Wettbewerb führte. Nun liegt es an der Bundesnetzagentur, den Weg durch eine Regulierungsverfügung zu ebnen.

(Michael Müller)

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