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Voipstation: Hobby-VoIPer mischen Branche auf

Seit einigen Tagen findet sich ein neuer VoIP-Service in unserer Anbieter-Übersicht, eine Interessengemeinschaft ohne kommerziellen Zweck – aber mit attraktiven Preisen.

20.08.2006, 12:19 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Seit kurzem findet sich in unserer Anbieter-Übersicht ein neuer Name. Voipstation ist jedoch kein Service, wie andere. Das Projekt wurde von der Interessengemeinschaft "modern-phoning" gegründet und verfolgt keinerlei kommerzielle Interessen. Vielmehr handelt es sich um einen "privaten VoIP-Dienst im Dauertestbetrieb", wie es die Betreiber schildern.
Ziel ist die Erforschung und Entwicklung neuer Vermittlungstechniken für die moderne Telefonie. Dazu haben sich ein paar Enthusiasten zusammen getan und einen Dienst auf die Beine gestellt, der den Großen am Markt das Wasser abgraben könnte. Schließlich sind die Minutenpreise die günstigsten unter den Angeboten mit beliebiger Breitband-Nutzung. Wie ein VoIP-Netzwerk erst zum Hobby und jetzt zum Kundenmagnet wurde, hat onlinekosten.de von Axel Funken erfahren.
Gleichgesinnte treffen sich
Die Interessengemeinschaft "modern-phoning" ist ganz spontan entstanden. In einem VoIP-Forum trafen sich immer dieselben Leute, die dort über alles rund um die Telefonie übers Internet diskutierten. Der "harte Kern" tat sich dann zusammen, um mehr aus dem gemeinsamen Wissen zu machen. Funken startete erste Experimente mit Asterisk auf vServern, damit die Truppe untereinander kommunizieren konnte.
So ganz reibungslos ging das jedoch nicht: eine kleine Abenteuerreise durch alle Lowcost-Varianten der Hosting-Anbieter nahm ihren Lauf. Bald stellte sich heraus, dass eine adäquate Server-Lösung nicht für kleines Geld zu haben sein würde. Ein "anständiger" Root-Server musste her – und eine Idee, wie man die relativ hohen Kosten dafür gerecht in der Gruppe aufteilen könnte. So wurde dann das Prepaid-Verfahren zwischen den VoIP-Enthusiasten vereinbart. Hobby: VoIP-Netz basteln
Um so ein Bezahlsystem in die Praxis umzusetzen, musste allerdings ein Asterisk mit Billingsystem und Realtime her. Die Diplomarbeit über VoIP von Rolf Winterscheidt lieferte die Lösung: ein Realtime-Asterisk mit grafischer Benutzeroberfläche als OpenSource. Das System wurde auf einem "anständigen" Server installiert und die Mitglieder konnten sich dank der Weboberfläche nahezu selbst verwalten.
Aber reine Internet-Gespräche sind eben nicht alles. Um nun auch noch aus dem Internet in andere Netze telefonieren zu können, fehlte den Mitgliedern von "modern-phoning" nur noch ein Carrier. Dafür fehlte es dem Projekt aber noch an einem seriösen "Äußeren". Mehr schlecht als recht wurde eine neue Weboberfläche entworfen. Im Endeffekt war es aber "Vitamin B", das Funken und Co. die Belieferung durch ein paar Provider bescherte – allerdings nicht ganz günstig.
Kurze Zeit später erhielten sie die Möglichkeit zu einem Testaccount bei einem der ganz Großen am Markt und das zu günstigen Preisen. Durch Zufall wurden die Hobby-VoIPer dann von der breiten Öffentlichkeit entdeckt und über Nacht schnellten plötzlich die Neuanmeldungen in die Höhe. Innerhalb kurzer Zeit erhielt das Projekt viele hundert neue Anmeldungen. Der Druck auf das Spaß-Projekt stieg, eine anständige Optik für den Online-Auftritt musste her. Das Glück währte jedoch nicht lange, bald wurde die Testphase vom Carrier als beendet erklärt und "modern-phoning" vor die Tür gesetzt. Fluchs wurden neue Provider für die Vermittlung der Gespräche gewonnen, die zwar teurer, dafür aber langfristig ihre Dienste zur Verfügung stellen.
Nun steht das Projekt Voipstation jedem offen, der Interesse an der Nutzung hat. Der Service kann mit jeder beliebigen Breitband-Anbindung genutzt werden, eine Vertragslaufzeit gibt es nicht. Die Bindung an das Angebot endet, sobald das vorab gezahlte Guthaben aufgebraucht wurde. Die Einrichtung des Accounts ist kostenlos. Es kann entweder – gegen Gebühr – eine neue Festnetznummer bei Voipstation beantragt oder bestehende Rufnummern portiert werden. Telefonate zwischen Voipstation-Nutzern sind ebenso kostenlos, wie Verbindungen über SIP-URI. Gespräche ins deutsche Festnetz kosten lediglich 0,89 Cent pro Minute, das inländische Mobilfunknetz ist ab 12 Cent pro Minute erreichbar. Für alle Minutenpreise gilt eine sekundengenaue Taktung. Bleibt nur zu hoffen, dass "modern-phoning" mit ihrem Projekt so erfolgreich sind, dass sie sich vielleicht doch überlegen, das Projekt zum Unternehmen zu machen.

(Aleksandra Leon)

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