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VoIP-Jahr 2006: Ein Hoch auf den Komfort

Nicht mehr nur der Preis zählt: Möglichst viel Service, zu möglichst geringen Kosten bei möglichst einfacher Handhabung – das waren die Trends des VoIP-Markts in diesem Jahr.

29.12.2006, 09:01 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Vergangenes Jahr noch in den Kinderschuhen, dieses Jahr schon fast erwachsen: Wie immer in der IT-Branche, so entwickelt sich auch die Internet-Telefonie (VoIP) rasant - schnell weg von der kleinen Spielerei für Technik-Freaks, hin zur professionellen Massen-Anwendung. Bei vielen neuen Technologien folgt nach der Einführungsphase meist das Spiel an der Preisschraube. Hier verfolgen viele VoIP-Anbieter andere Ansätze: Während es nur geringfügige Änderungen bei den Minutenentgelten gab, war besonders in Sachen Service in 2006 einiges los auf dem VoIP-Markt.
Preis immer noch heiß
Natürlich waren auch im vergangenen Jahr die günstigen Verbindungskosten bei VoIP ein wichtiges Thema: So waren kostenlose Telefonate ins deutsche Festnetz bei einigen Anbietern der Kunden-Lockstoff Nummer Eins, angefangen mit der immer weiter wachsenden Betamax-Familie mit den Ablegern SparVoip und Co. bis hin zu Angeboten wie Peterzahlt.de oder auch Jajah und zeitlich begrenzten Aktionen wie zur Weihnachtszeit von dus.net oder Carpo.
Auch Flatrates für Telefonate ins deutsche Festnetz waren 2006 beliebt: Zuletzt ging congster mit einem der günstigsten Angebote in diesem Bereich auf den Markt. Andere erweitern ihre Monatspauschalen um weitere Ziele, wie freenet oder auch bellshare mit zusätzlichen Inklusivminuten für 30 weitere Länder. Andere "Preisbrecher" verschwanden auch schnell wieder vom Markt, ganz im Stillen wie die Strato PhoneFlat Mobile oder auch mit viel Wirbel wie das getacom-Angebot.
Komfort gewinnt an Bedeutung
Für viele VoIP-Anbieter scheinen mehr und mehr Service und Komfort im Vordergrund zu stehen. So hat sich beispielsweise Skype in 2006 gehörig gemausert: Die mittlerweile auf rund 136 Millionen Nutzer angewachsene Gemeinde erhielt zwar jüngst auch das Versprechen günstigerer Tarife. Aber vor allem in Sachen Skype-kompatibler Hardware gab es viel Neues zu vermelden, wie zum Beispiel die vorkonfigurierten WLAN-Handys von SMC und Netgear. Zudem gibt’s den beliebten Service mit immer mehr Extras: Ganz im Trend der Instant Messenger, bietet auch die neueste Version Skype 3.0 allerhand Zusatz-Funktionen, die über "schnödes" Telefonieren hinausgehen. Zudem versuchen viele Anbieter ihren VoIP-Service zur wirklichen Festnetz-Alternative zu machen. Die Entscheidung der Bundesnetzagentur zum Thema entbündeltem DSL wird diesem Vorhaben in Zukunft wohl auch weiter Vorschub leisten. Die Provider punkten 2006 mit zusätzlichem Komfort: So versprechen unter anderem die Services von sipcall und PBX-network Lösungen für das leidige Thema Fax over IP. Auch kostenlose Ortsnetzrufnummern oder Portierungen wie bei dus.net oder auch komfortable Rufweiterleitungen wie bei sipgate sollen die VoIP-Nutzung attraktiver machen.
Am Problem der oft fehlenden Notruf-Erreichbarkeit wird weiterhin gearbeitet und immer mehr Sonderrufnummern können über VoIP angerufen werden, wie unter anderem toplink zeigt. Zu guter Letzt bürgert sich auch die spezielle 032-Vorwahl als ortsunabhängige Rufnummer fürs Internet langsam ein. Neben der T-Com hat nun auch Arcor diese Nummerngasse erreichbar gemacht.
Zauberwort Konvergenz
Bei den Großen am Markt hieß das Zauberwort 2006 Konvergenz: Sowohl Arcor als auch T-Com sind mit so genannten Dual-Mode Telefonen gestartet. Das T-One Handy vom Rosa Riesen sowie das Twintel der Konkurrenz aus Eschborn verbinden Festnetz mit VoIP und Mobilfunk. Ist der Kunde zu Hause, kann er wahlweise per WLAN oder dem klassischen Festnetz telefonieren, unterwegs transportieren die jeweiligen Mobilfunknetze die Gespräche. Voraussetzung ist jedoch ein Festnetzanschluss sowie T-Online Tarif bei der T-Com beziehungsweise das "All Inclusive Paket" bei Arcor.
Andere Komplett-Anbieter versuchen das Zusammenwachsen der Netze ebenfalls über neue Hardware zu erreichen, wie QSC unter anderem mit dem Einsatz des Gigaset S450 IP für VoIP und Festnetz oder freenet mit dem neuen Alleskönner AVM Fritz!Fon 7150. Der große Renner war sicherlich dieses Jahr auch Triple Play: So bieten nicht nur TV-Kabelnetzbetreiber wie Kabel Deutschland Breitband-Internet, VoIP und TV zum Paketpreis an. Unter anderem will auch 1&1 3DSL nun mit der Zugabe einer so genannten Movie-Flat für die Nutzung des Film-Portals maxdome überzeugen.
Alles in Einem und bitte "flat"
Flatrates werden in Zukunft sicher, wie bei Breitband oder im Mobilfunk auch, weiterhin an Bedeutung zulegen. In Sachen Komfort gewinnen besonders unabhängige VoIP-Anbieter mit Rundum-Service, wie sipgate oder dus.net sowie die Komplettangebote an Boden, die Breitband-Internet und VoIP aus einer Hand bieten. Nutzer, die viel unterwegs und gern überall flexibel erreichbar sind, können mit Angeboten wie T-One oder Twintel ein Telefon für alles erhalten.
Das gute, alte Festnetz wird wohl weiter an Attraktivität verlieren. Denn einen weiteren Innovationsschub geben die Hardwarehersteller der Mobilfunkbranche: Nokia wie auch Samsung treiben unter anderem die Entwicklung von UMA (Unlicensed Mobile Access), dem Standard für die nahtlose Übergabe zwischen GSM und WLAN, weiter voran. GSM/WLAN-Handys wie die Nokia E-Serie sorgen bereits jetzt für neue attraktive Angebote, beispielsweise von der Münchener eteleon GmbH. Analysten zufolge soll VoIP auch die Killerapplikation für UMTS werden. Einzig die Mobilfunk-Netzbetreiber halten sich auf diesem Gebiet noch bedeckt. Marktbeobachter bescheinigen VoIP weiterhin ein gesundes Wachstum. Mit der wachsenden Nutzerzahl nehmen jedoch auch die Gefahren für VoIP zu, wie beispielsweise SPIT, unerwünschte Werbebotschaften per Internet-Telefonie oder auch Viren und Würmer. Es bleibt also weiterhin spannend im VoIP-Markt.

(Aleksandra Leon)

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