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VoIP-Goldrausch: Abenteuer Firmengründung

Sie schießen allerorts wie Pilze aus dem Boden: kleine VoIP-Anbieter drängen in den Markt und versuchen, mit attraktiven Preisen den Big Playern das Leben schwer zu machen.

16.09.2005, 18:30 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Der Bastelspaß für Technikfreunde wird zum Boom. Beinahe täglich sprießen neue VoIP-Anbieter wie Pilze aus dem Boden. Eine verlockende Zukunft scheint auf Unternehmen zu warten, die sich der neuen Herausforderung stellen. Aber worin besteht das Besondere dieser neuen Technik und lässt sich wirklich damit Geld verdienen? Mit welchen Abenteuern muss eine Firma rechnen, wenn sie in das viel versprechende Geschäft einsteigt? Wir haben mit einem der Newbies gesprochen.
simplyConnect in den Startlöchern
Die R&M Technologies GbR wurde von den Brüdern Ruben und Matthias Mühlhans bereits 2001 gegründet. Als Webdesigner gestalteten sie Internetpräsenzen regionaler Unternehmen. Anfang 2004 erweiterten sie ihr Angebot dann um Webhosting und Mobile Messaging. Derweil entwickelte der BA-Student Ruben Mühlhans mit einigen seiner Kommilitonen bereits das nächste Produkt.
Dieses Jahr starteten die beiden dann ihr neues Projekt "simplyConnect". Das neue VoIP-Angebot soll den Funktionsumfang anderer Anbieter vereinen und volle Kontrolle über den eigenen Account und die darüber geschalteten Rufnummern bieten. simplyConnect startet am 26. September.
onlinekosten.de: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein eigenes VoIP-Angebot auf den Markt zu bringen?
Ruben Mühlhans: Wir beobachteten mit großem Interesse die Entwicklungen auf dem VoIP Markt. Da in kürzester Zeit viele Voice over IP Anbieter auf den Markt drängten, überlegten wir uns, wie man die unterschiedlichen Angebote und vor allem deren Funktionsumfang auf einen einzigen Anbieter vereinen kann. Daraus entstand die Idee einer "virtuellen Telefonanlage" zum einpflegen vorhandener VoIP Zugänge und Nutzung mit nur einem einzigen SIP Account.
Die Idee war nicht schlecht, dennoch mussten wir mehr bieten als nur diese "virtuelle Telefonanlage", daher überlegten wir uns ein eigenes VoIP Angebot auf den Markt zu bringen.
Ihre Firma kommt ursprünglich aus dem Webdesign- und Hosting-Geschäft. Würden Sie sagen, dass Ihnen diese Vorkenntnisse geholfen haben? Handelt es sich Ihrer Meinung nach um den klassischen Werdegang eines VoIP-Providers?
Die Vorkenntnisse die wir bereits aus dem Webdesign- und Hosting-Geschäft gesammelt hatten, räumten natürlich schon einmal die größten Steine, die uns in den Weg gelegt wurden, beiseite. Gerade durch den Hostingbereich hatten wir gute Vorkenntnisse was die gesamte Technik betraf und nötige Ressourcen waren ebenfalls schon vorhanden. Es scheint wohl gerade ein Trend zu sein, dass viele Anbieter aus dem Hosting-Bereich in den VoIP Markt drängen, jedoch würde ich dies nicht als klassischen Werdegang eines VoIP Providers bezeichnen.
Was waren für Sie die ersten Schritte hin zu simplyConnect?
Angefangen hat es zuerst mit der Implementierung der VoIP Technik in unser Unternehmen, schnell erkannten wir das enorme Potential der eingesetzten Serversoftware. Somit wurde mit der Planung begonnen das vorhandene System für die breite Masse verfügbar zu machen. Schon war das Projekt "simplyConnect" geboren und die Entwicklung ging rasant voran.
Welche besonderen Schwierigkeiten sind Ihnen bei der Planung untergekommen?
Da bereits die notwendige Hardware vorhanden war, bestand das Hauptproblem in der softwaretechnischen Realisierung des Systems. Mit ein bisschen Bastelarbeit und Erfindungsreichtum, war dies allerdings kein großes Problem. Natürlich mussten wir uns auch Gedanken um die Anbindung des Systems ans Festnetz machen.
Wie ging die technische Implementierung vonstatten und ist VoIP eine "pflegeleichte" Technik?
Bei der technischen Implementierung griffen wir, wie die meisten VoIP Provider, auf vorhandene Open Source Lösungen zurück. Diese lassen sich ohne allzu großen Aufwand sehr gut in Systeme integrieren. Allerdings muss man stark darauf achten, sich nicht selbst Steine in den Weg zu legen, wie wir selbst bei unserem ersten Entwurf festellen mussten. Der hielt leider einem ersten Belastungstest nicht stand. Grund hierfür war ein grundlegender Fehler in der Konzeption und Konfiguration des Systems. Gut geplant und umgesetzt ist diese VoIP Technik, zumindest aus unserer Sicht, recht pflegeleicht und ohne Probleme erweiterbar.
Warum haben Sie sich für ein outbox-Produkt entschieden, statt einer eigenen Lösung?
Sie können sich vorstellen, dass es als Newbie einige Mühen kostet, das System an das öffentliche Telefonnetze anzubinden, zumal es sich in der Entwicklungsphase schwierig gestaltet, mit den großen Carriern in Verhandlung zu treten. Daher schien uns das Angebot der outbox AG für den Anfang am besten geeignet zu sein.
Wie groß ist Ihr Einfluss auf die Leistungen und den Service mit diesem Reseller-Angebot?
Da wir die outbox AG lediglich zur Zuführung der Gespräche in und aus dem Telefonnetz benutzen und eigene SIP Server betreiben, können wir unsere Leistungen und den Service frei gestalten. Insofern verstehen wir uns nicht als Reseller. Diese Struktur macht es vor allem einfach bei evtl. Leistungsverlusten, Seitens unseres Carriers, kurzfristig auf andere Anbieter umzusteigen.
Zur Unterscheidung von der Konkurrenz ist ja besonders auch der Kundenservice und technische Support wichtig. Wie werden Sie diesen Bereich organisieren?
Da wir unser Angebot für Privatpersonen ohne Grundgebühr geplant haben, wird es nur begrenzt telefonischen Support geben. Uns bekannte Störungen werden auf den Webseiten einsehbar sein, des weiteren wird es ein Supportformular sowie kostenlosen E-Mail Support geben. Eine Anfrage per E-Mail ist in der Regel, je nach Tageszeit, innerhalb von ein bis zwei Stunden bearbeitet, ggf. wird sich, bei einem größeren Problem, ein Techniker mit dem Kunden, innerhalb weniger Minuten, in Verbindung setzen.
Waren Ihre Investitionen hoch, um das System zu realisieren? Welches Teilstück war am finanzintensivsten?
Durch bereits vorhandene Hardware, waren die Investitionskosten in diesem Bereich recht gering.Am finanzintensivsten waren die Verträge mit den jeweiligen Netzbetreibern.
In welchem Bereich erwarten Sie die höchsten Gewinnspannen? Macht der Tarifpreiskampf es nicht schwierig, in die schwarzen Zahlen zu kommen?
Die größten Gewinnspannen erwarten wir im Bereich Geschäftskunden, da speziell für kleine und mittelständische Unternehmen ein Portal für Voice over IP geplant ist.Im Vergleich zu vielen "dumping Price" Anbietern kann man nur mit Zusatzfunktionen, Besonderheiten und einem stabilen System glänzen und dadurch auf sich aufmerksam machen. Wie wir allerdings den Tarifpreiskämpfen standhalten können, wird sich erst im Produktivbetrieb zeigen.
Viele sagen, wirklich erfolgreich seien nur die Komplett-Anbieter, die ihre Kunden auch direkt mit Breitband versorgen können. Was halten Sie als selbstständiger Anbieter von dieser Aussage?
Wir haben selbst schon darüber nachgedacht, unsere Kunden direkt mit Breitbandanschlüssen zu versorgen. Jedoch lohnt sich das aus unserer Sicht nicht, da ein Großteil unserer Kunden bereits über einen Breitbandanschluss verfügt. Bei den derzeitigen Marktpreisen für Breitbandanschlüsse, würden wir auf Dauer kein günstiges Angebot anbieten können.
Welche Zukunftspläne haben Sie für Ihren VoIP-Service? Verraten Sie unseren Lesern, wo Sie und Ihr Unternehmen sich in fünf bis zehn Jahren sehen.
Zunächst einmal haben wir noch einiges am Funktionsumfang geplant. Des weiteren gab es schon Gespräche über eine eventuelle Telefonflatrate (Information mit Vorsicht zu genießen ;)). Ein Blick fünf oder gar zehn Jahre in die Zukunft ist derzeit schwierig, da man sich als Neuling auf diesem harten Markt erst einmal bewähren muss und den harten Preiskämpfen irgendwie standhalten muss. Jedoch setzen wir als Unternehmen darauf, dass unsere Kunden gern ein paar Cent mehr bezahlen, um die Kontrolle Ihrer Rufnummern und Funktionen zu behalten. Wie bereits erwähnt haben wir für die Zukunft ein Portal, speziell zugeschnitten auf kleine und mittelständische Unternehmen, geplant. Hierzu kann ich leider noch nichts Näheres sagen.

(Aleksandra Leon)

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