News

Vodafone: "Wir planen keine Abkehr von Flatrates"

Jens Schulte-Bockum, Chef von Vodafone Deutschland, sieht aus der Politik wachsende Unterstützung für einen möglichen bundesweiten Kabelnetzbetreiber inklusive Unitymedia. Im Interview mit der "Rheinischen Post" äußerte sich Schulte-Bockum auch zu Überholspuren im Netz und zum Festhalten an Flatrates.

06.01.2015, 17:16 Uhr
Vodafone© Vodafone GmbH

Der größte deutsche Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland wurde von Vodafone bereits übernommen. Kürzlich hatte der Mobilfunk- und Festnetzbetreiber aber auch Interesse an Unitymedia KabelBW durchblicken lassen. Im Interview mit der "Rheinischen Post" äußerte sich Vodafone Deutschland-Chef Jens Schulte-Bockum unter anderem zur Marktkonsolidierung, zu Überholspuren im Internet, zur Nachfrage nach Highspeed-Internet und einer möglichen Abkehr von Flatrates.

Zunehmende Signale aus der Politik für bundesweiten Kabelnetzbetreiber

Hinsichtlich einer eventuellen Übernahme von Unitymedia KabelBW zeigt sich Schulte-Bockum optmistisch. "Für den Breitbandmarkt wäre es gut, wenn es neben der Telekom als bundesweitem Betreiber eines DSL-Netzes auch einen bundesweiten Betreiber eines Kabel-TV-Netzes inklusive Unitymedia geben würde", so der Chef von Vodafone Deutschland. "Und da sehe ich zunehmend Signale aus der Politik, dass sie eine solche Konsolidierung des Marktes unterstützen würde", so der Vodafone-Spitzenmanager weiter.

Gegenüber der "Rheinischen Post" plädierte Schulte-Bockum zudem für Geschwindigkeitsklassen im Netz: "Wir als Vodafone und auch ich persönlich stehen dafür gerade, dass das Internet eine völlig offene Plattform bleibt. Aber für bestimmte Dienste müssen wir so etwas wie Überholspuren schalten dürfen". Denkbare Einsatzbereiche wären die Vermeidung von Autounfällen per Mobilfunk oder die Medizintechnik. Die Informationen müssten in diesen Bereichen in Echtzeit ankommen. Eine Gefahr für das offene Internet sieht Schulte-Bockum nicht.

Wettbewerb auf Mobilfunkmarkt weiter "extrem hart"

Auch eine Einschränkung des Wettbewerbs im Mobilfunkmarkt nach der Übernahme von E-Plus durch Telefónica Deutschland werde nach Ansicht von Schulte-Bockum nicht kommen. Er begründet dies damit, dass sowohl E-Plus als auch Telefónica große Netzkapazitäten zu günstigen Konditionen an Drillisch abgeben mussten. Der Wettbewerb bleibe daher "extrem hart". Mobilfunk-Schnäppchenangebote sieht der Vodafone Deutschland-Chef eher kritisch: "Es gibt auch immer wieder Angebote von Weiterverkäufern im Markt, die mit rationaler Kalkulation nichts zu tun haben. Wir selbst setzen auf gute Angebote zu realistischen Preisen".

Wegen der zunehmenden Nachfrage nach Streaming-Angeboten im Netz müssten die Kapazitäten immer weiter ausgebaut werden. Dank "bereits gelegter Glasfaserleitungen zu den meisten Basisstationen", gelinge dies aber leicht. Kunden müssten sich zudem keine Sorge machen: Zwar steige die Menge der übertragenen Daten wegen des Streaming-Booms, aber "wir planen keine Abkehr von Flatrates, also Pauschalangeboten", legt sich Schulte-Bockum fest. Zudem gebe es eine "weit überdurchschnittliche Nachfrage nach Verträgen mit 50 oder 100 Megabit/Sekunde". Im ersten Jahr ist deren Nutzung günstig möglich, danach können Kunden bei Bedarf auf Pakete mit geringeren Bandbreiten wechseln. "Aber das kommt wegen des höheren Komforts extrem selten vor. Insofern gibt es aus Marketing-Sicht keinen Grund, von Flatrates abzurücken", so der Chef von Vodafone Deutschland.

(Jörg Schamberg)

Zum Seitenanfang