Hohe Lizenzkosten

Vodafone: Weniger neue Funkmasten wegen teurer Mobilfunklizenzen?

Vodafone Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter kritisiert im Interview mit der "Welt am Sonntag" die hohen Kosten für die 5G-Mobilfunklizenzen. Das Geld fehle später für den Bau von Mobilfunkmasten. Der Staat solle zudem selbst Leerrohre verlegen.

Hannes Ametsreiter© Vodafone GmbH

Berlin – Noch läuft die 5G-Auktion der Bundesnetzagentur in Mainz und die Gesamtzahl der Gebote für die 41 zu vergebenden Frequenzkanäle liegt bereits bei über 5,6 Milliarden Euro. In einem Interview der "Welt am Sonntag" kritisiert Vodafone Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter, dass das Geld, das die Mobilfunknetzbetreiber für die 5G-Funklizenzen zahlen müssen, später für den weiteren Aufbau von Mobilfunkmasten fehlen werde.

Teure UMTS-Lizenzen als Altlasten

Ametsreiter nennt als einen der Gründe für die heute noch bestehenden Funklöcher in Deutschland die teure Versteigerung der UMTS-Lizenzen, die dem Staat vor über einem Jahrzehnt Einnahmen von 55 Milliarden Euro einbrachte. "Jeder Euro, der in die Lizenzen floss, fehlte anschießend beim Bau neuer Mobilfunkstationen. Diese Altlasten schleppt Deutschland bis heute mit sich herum", so Ametsreiter. Und auch die 5G-Lizenzen wird es nicht zum Schnäppchenpreis geben. "Schon jetzt stehen wir als Vodafone bei weit mehr als 1,5 Milliarden Euro", so Ametsreiter.

Lieber Investitionen in neue Mobilfunkmasten statt in Lizenzen

Vodafone würde das Geld lieber in neue Mobilfunkmasten statt in Lizenzen stecken. Eine Mobilfunkstation koste zwischen 100.000 und 200.000 Euro. "Von 1,5 Milliarden Euro könnte man extrem viele zusätzliche Stationen bauen. Das Netz wäre dann deutlich besser. Wenn der Staat das Geld hingegen einsammelt, fehlt es beim Netzausbau", erläutert der Vodafone Deutschland-Chef. In diesem Jahr stehen bei Vodafone 4.000 LTE-Bauprojekte an, die schnelles mobiles Internet auf eine zusätzliche Fläche von rund 22.000 Quadratkilometer bringen sollen. Ärgerlich für Vodafone: Teils müssten manche provisorisch eingerichteten Mobilfunkstationen wieder abgebaut werden, weil die Kommunen Genehmigungen dann doch nicht erteilen.

Ametsreiter: "Deutschland braucht das Gigabit"

Für Ametsreiter ist zudem Gigabit-Geschwindigkeit in Deutschland unbedingt erforderlich. "Für die hoch vernetzte Volkswirtschaft der Zukunft geht es nicht ohne Gigabit-Netz. Wir sollten sogar schon zehn Gigabit ins Visier nehmen. Anders können wir an vielen Branchen der Zukunft nicht mehr teilhaben", erklärt der Vodafone-Manager. Glasfaser sieht er als die "Zukunft für die nächsten Jahrzehnte und vielleicht sogar Jahrhunderte". In den nächsten zwölf Monaten steige die Zahl der Gigabit-Anschlüsse von Vodafone auf bundesweit elf Millionen. Erhält Vodafone grünes Licht für die Übernahme von Unitymedia, so sollen bis 2022 insgesamt 25 Millionen Gigabit-Anschlüsse für 50 Millionen Menschen realisiert werden.

Staat soll selbst in Infrastruktur investieren und Leerrohre verlegen

Ametsreiter hat vorgeschlagen, dass der Staat Leerrohre und Schächte auf eigene Kosten verlegt. Die Anbieter sollen dann ihre Kabel durchziehen dürfen. Die letzte Meile bis zum Haus sei enorm teuer. Daher sei es besser, wenn der Staat Leerrohre verlege, so wie er Autobahnen baue. Eine Reaktion aus der Politik auf seinen Vorschlag habe der Vodafone Deutschland-Chef allerdings noch nicht erhalten.

Jörg Schamberg

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