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Vodafone: VDSL-Monopol der Telekom muss fallen

Der Telekommunikationskonzern will in ein eigenes Glasfasernetz investieren, sieht sich aber durch die Monopolstellung der Telekom daran gehindert. In Heilbronn starten beide jetzt ein Pilotprojekt.

10.07.2009, 13:36 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Der Mobilfunk- und DSL-Anbieter Vodafone möchte nicht nur mit seiner neuen Marken-Kampagne "Es ist Deine Zeit" in Deutschland durchstarten, sondern auch mit dem Aufbau eines eigenen VDSL-Netzes. Darin sieht der Konzern sich allerdings durch die aktuelle Monopolstellung der Deutschen Telekom massiv gehindert und fordert eine Regulierung auch dieses Marktes.
Heilbronn als Pilotprojekt
Mit einem umfangreichen Investitionsprogramm will Vodafone ins Highspeed-Internet einsteigen und ein eigenes Glasfasernetz aufbauen. In Heilbronn wird der Düsseldorfer Konzern in einem Pilotprojekt erstmals ein eigenes VDSL-Netz bauen und betreiben. Der Bau erfolgt in Kooperation mit der Telekom, ähnlich wie bereits in Würzburg, wo allerdings die Bonner für die Bauausführung zuständig sind. Vodafone testet in Heilbronn im Livebetrieb VDSL mit eigener Infrastruktur. Die Technik ermöglicht schnelles Internet mit Geschwindigkeiten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde (DSL 50000), wovon ab Herbst rund 50.000 Heilbronner profitieren sollen.
Ziel des Pilotprojektes in Heilbronn sei es, Lösungen für einen Ressourcen schonenden Aufbau der VDSL-Technologie zu realisieren und Erfahrungen beim Ausbau einer Stadt zu sammeln. Eine Fortsetzung oder Ausweitung der Zusammenarbeit mit der Telekom auf andere Städte bleibt zunächst jedoch aus.
Grund sei laut Vodafone die bislang fehlende aber notwendige Einigung mit dem Rosa Riesen über die flächendeckende Nutzung von Leerrohren, Zuleitungen für Glasfaserkabel und Zugang zu Verteilerkästen. Das Zugangsmonopol der Telekom müsse endlich fallen. "17 Jahre Mobilfunk in Deutschland haben gezeigt: Wo ein Wettbewerb der Anbieter besteht, entstehen Angebote, Produkte und Preise im Wettbewerb. Davon profitieren die Verbraucher und der Standort Deutschland", sagt Fritz Joussen, Deutschland-Chef von Vodafone.
Weiterverkauf von Telekom-Produkten nur Anfang
Der kürzlich geschlossene Vertrag über den Wiederverkauf von VDSL-Produkten der Telekom wird bei Vodafone nur als erster Schritt gewertet. Dieser ermögliche Wettbewerbern und deren Kunden zwar kurzfristigen Zugang in den Markt, langfristig stärke das jedoch das Monopol der Telekom. "Wettbewerb ist investitions- und innovationsfördernd", so Joussen. "Monopolstrukturen, wie wir sie jetzt im VDSL-Bereich erleben, bremsen Fortschritt und Investitionen".
Der VDSL-Ausbau verkürzt die letzte Meile – das Leitungsstück zwischen Hausanschluss und Vermittlungsstelle – auf wenige hundert Meter. In Heilbronn errichtet Vodafone dazu so genannte Multifunktionsgehäuse (MFG). Sowohl Vodafone als auch die Telekom installieren darin ihre Vermittlungstechnik. Die MFG werden per Glasfasern an die jeweiligen Transportnetze angebunden.

(Michael Posdziech)

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