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Vodafone und Co. modernisieren Funkversorgung in Bundesligastadien

Schlechte Mobilfunkversorgung in Bundesliga-Stadien soll bald der Vergangenheit angehören. Die vier deutschen Netzbetreiber wollen die Netztechnik entsprechend modernisieren. Bei Vodafone starten zudem noch in diesem Jahr LTE-Testläufe mit Downloads von bis zu 150 Mbit/s und Sprachverbindungen.

13.06.2013, 08:21 Uhr
Vodafone© Vodafone GmbH

Es ist für Technikfreaks eines der größten Probleme in deutschen Fußballstadien: die zur Verfügung gestellte Mobilfunkversorgung. Nicht selten kommt es vor, dass weder Sprach- noch Datenverbindungen funktionieren und so für reichlich Frust bei Fans zwischen Hamburg und München sorgen. Status-Updates bei Facebook und Twitter? Unmöglich! Check-in bei Foursquare? Scheitert! Doch es soll alles besser werden, wie der für Nordrhein-Westfalen zuständige Technik-Chef von Vodafone, Rüdiger Niermann, im Gespräch mit onlinekosten.de verriet.

Zusammenspiel der vier Netzbetreiber

Bis ins kommende Jahr hinein soll die Netztechnik dahingehend modernisiert werden, dass auch in gut gefüllten Bundesligastadien die Mobilfunk-Verbindungen problemlos funktionieren. Vodafone nimmt dieses Vorhaben nicht allein in Angriff, sondern arbeitet mit der Telekom, Telefónica und der E-Plus Gruppe zusammen. "Es liegen inzwischen Welten zwischen dem Kundenanspruch und der seit der letzten Modernisierung installierten Technik", sagt Niermann.

Mit einem einfachen Update der Basisstation ist es nach Angaben von Niermann aber nicht getan. Vielmehr werde das Volumen der anfallenden Sprach- und Datenverbindungen über mehrere im Stadion verteilte Funkzellen verteilt. Da diese aber zum Teil zunächst noch installiert werden müssten, dauere es noch bis ins Jahr 2014 hinein, ehe überall eine reibungslose Kommunikation möglich sei. Zudem müsse sichergestellt werden, dass an Spieltagen auch auf den Anreisewegen die Netztechnik nicht in die Knie gehe.

Für Fußballfans, die einfach nur telefonieren oder eine SMS verschicken möchten, hat Niermann noch einen weiteren Tipp. "In jedem Smartphone ist es möglich, die genutzte Mobilfunk-Verbindung auf das flächendeckend zur Verfügung stehende GSM-Netz zu beschränken. Dann sollten Anrufe und der Versand von Kurzmitteilungen problemlos funktionieren."

GSM-Netz bleibt geschaltet

Doch nicht nur in Fußballstadien, sondern auch in der Fläche modernisiert Vodafone sein Netz munter weiter. Die Kunst sei es, GSM-, UMTS- und LTE-Verbindungen nicht nur parallel zu betreiben, sondern die Infrastruktur auch fortgehend zu modernisieren, sagt der Vodafone-Techniker. Denn auch wenn heutzutage schon viele Verbindungen über UMTS und LTE laufen, sei nicht abzusehen, dass mittelfristig auf das GSM-Netz verzichtet werde.

Lesen Sie auf Seite 2: Die Ziele von Vodafone beim LTE-Ausbau

Bei der LTE-Vermarktung liege der Fokus inzwischen darauf, den Bedarf der Kunden zu bedienen, statt kleinere weiße Flecken zu schließen, erklärte der für Westdeutschland zuständige Vertriebsleiter Christoph Preuß gegenüber unserer Redaktion. Mit der Erfüllung der von der Bundesnetzagentur erteilten Auflagen, den LTE-Aufbau zunächst für die Beseitigung von Breitband-Lücken zu nutzen, hat bei Vodafone demnach ein Umdenken stattgefunden. Vorrangiges Ziel ist es nicht allen, sondern möglichst vielen Kunden LTE anbieten zu können.

LTE-Ausbau geht weiter

Trotzdem geht der LTE-Ausbau natürlich weiter, um mittelfristig - die Rede ist von zwei bis drei Jahren - eine flächendeckende LTE Verfügbarkeit gewährleisten zu können. Wöchentlich werden dem Vernehmen nach rund 200 Sendestationen neu an das LTE-Netz von Vodafone angeschlossen. Schon heute erreicht Vodafone nach eigenen Angaben in den mit LTE ausgebauten Städten 85 Prozent der dort lebenden Bevölkerung. In Köln sind nach Angaben des Technik-Leiters Niermann Stand heute beispielsweise knapp 70 LTE-Sendestationen aktiv, bis zu 200 sollen es werden. Verbesserungspotenzial gibt es noch bei der Indoor-Versorgung, die in den LTE-Städten bei nur 50 Prozent liegt.

Parallel zum Ausbau in der Fläche wird auch die Kapazität und die Leistung des LTE-Netzes von Vodafone erweitert. Noch in diesem Jahr, voraussichtlich im Herbst, sei damit zu rechnen, dass ein Testlauf starte, bei dem die maximal mögliche Downloadgeschwindigkeit auf 150 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) erhöht wird. Aktuell sind bis zu 100 Mbit/s möglich und die Agenda sieht vor, langfristig Verbindungen mit bis zu 1 Gigabit pro Sekunde über LTE anbieten zu können. Den Kunden selbst werde in Beratungsgesprächen aber kaum noch etwas von theoretisch nutzbaren Geschwindigkeiten mitgeteilt. "Wir verweisen vielmehr auf ‘superschnelles Internetsurfen‘", sagt Vertriebler Preuß. Am Ende messe der Kunde seinen gewählten Mobilfunk-Netzbetreiber an der Netzperformance – also der ruckelfreien Nutzbarkeit von Youtube-Videos oder schnellen Uploads.

Nachteil der immer höheren Geschwindigkeiten: Das in den Tarifen zur Verfügung gestellte Highspeed-Datenvolumen wird schneller verbraucht. Ein Vodafone-Sprecher erklärte auf Anfrage, dass man die Bedürfnisse der Kunden stets im Auge behalten und die eigenen Tarife im Fall der Fälle entsprechend anpassen werde. Schon heute verbrauche ein Vertragskunde im Schnitt 1 Gigabyte mobiles Datenvolumen. Ein Wert, der sich im jährlichen Takt etwa verdoppele.

Testlauf auch für Voice over LTE

In Zukunft soll es aber nicht mur möglich sein, LTE-Netze für Datenverbindungen zu nutzen, sondern auch, um darüber per Smartphone zu telefonieren. Ebenfalls noch in diesem Jahr will Vodafone in ausgewählten Gebieten damit beginnen "Voice over LTE" zu aktivieren. Wann eine flächendeckende Verfügbarkeit gewährleistet werden kann, ist aber zumindest nach offiziellen Angaben noch offen.

(Hayo Lücke)

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