Bundesweiter Kabelnetzbetreiber

Vodafone sieht kein Kabelmonopol nach Unitymedia-Übernahme

Vodafone übernimmt Unitymedia: Es gibt zahlreiche Vorwürfe von Mitbewerbern und Befürchtungen von Verbrauchern, die ein bundesweiter Kabelnetzbetreiber mit sich bringen könnte. Doch Vodafone versuchte diese am Mittwoch zu entkräften. Bis 2022 sei zudem Gigabit-Speed für 25 Millionen Haushalte geplant.

Jörg Schamberg, 09.05.2018, 14:17 Uhr
Vodafone© Vodafone GmbH

Düsseldorf – Die Übernahme von Unitymedia (www.unitymedia.de Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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) durch Vodafone ist beschlossene Sache. Der Mobilfunknetzbetreiber hat sich darauf mit der Unitymedia-Mutter Liberty Global geeinigt. Doch was bedeutet dieser Schritt für die Kunden und den deutschen Telekommunikationsmarkt?

Gigabit-Anschlüsse für 25 Millionen Haushalte bis 2022

Vodafone Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter verspricht: "Für den Verbraucher bedeutet der Zusammenschluss erstmalig großflächig schnelle und bezahlbare Gigabit-Anschlüsse. Im Wettbewerb schaffen wir eine echte bundesweite Alternative." Durch die Übernahme von Unitymedia komme das fusionierte Unternehmen über eigene Infrastruktur dann auf 31 Millionen Mobiltelefonkunden, 7 Millionen Breitbandanschlüsse sowie rund 14 Millionen TV-Haushalte.

Bis 2022 will Vodafone (www.vodafone.de/kabel Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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) über sein Gigabit-Netz 25 Millionen Haushalte versorgen. Davon würden bundesweit 50 Millionen Menschen profitieren. In den nächsten vier Jahren seien Investitionen von rund 12 Milliarden Euro in Deutschland vorgesehen. "Damit beschleunigen wir nicht nur unser eigenes Netz, sondern bringen auch die anderen Anbieter dazu, in den Ausbau von Gigabit-Netzen zu investieren und den Infrastruktur-Ausbau voranzutreiben. Wir sorgen für mehr Auswahl, mehr Innovation und besseren Service. Davon profitieren Verbraucher und Unternehmen", so Ametsreiter.

Vodafone: Telekom immer noch dominierend bei Endkundenanschlüssen

Die Deutsche Telekom beherrsche immer noch 75 Prozent aller Endkundenanschlüsse im Zugangsmarkt. Erstmals seit der Aufteilung des Kabelnetzes durch die Telekom Anfang der 200er Jahre könne nun eine ernsthafte Konkurrenz entstehen. Die Telekom hatte ein Zusammengehen von Vodafone und Unitymedia bereits als inakzeptabel bezeichnet.

Vodafone: Es gibt kein Kabel- und TV-Monopol

Christoph Clément, Mitglied der Vodafone-Geschäftsführung, versuchte am Mittwoch die zahlreichen Vorwürfe und Befürchtungen, die es von Mitbewerbern und Verbrauchern gibt, zu entkräften. Von einem Kabelmonopol könne keine Rede sein, da es keinen Kabelmarkt, sondern nur einen Breitbandmarkt in Deutschland gebe. Selbst gemeinsam kämen Vodafone und Unitymedia lediglich auf 21 Prozent der Kundenanschlüsse, die Telekom sei damit immer noch fast viermal größer. Eine Reduzierung des Wettbewerbs durch die geplante Übernahme sieht Vodafone nicht. Die Kabelnetze von Vodafone und Unitymedia würden sich nirgendwo überlappen. Unitymedia ist lediglich in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg aktiv. Vodafone verfügt in den übrigen 13 Bundesländern über eigene Kabelnetze – im Verbreitungsgebiet von Unitymedia bietet Vodafone lediglich DSL- und VDSL-Anschlüsse an.

Auch ein TV-Monopol gebe es nicht. Der Satellit sei mit 46 Prozent die meist verbreitete Infrastruktur für den TV-Empfang. Zusammen kämen Vodafone und Unitymedia jedoch nur auf einen Marktanteil von 37 Prozent. Außerdem gebe es mit Netflix, Amazon sowie IPTV-Angeboten wie EntertainTV der Telekom andere starke Wettbewerber. Mit ARD und ZDF seien zudem erst vor kurzem langfristige Vereinbarungen unterzeichnet worden.

Da Vodafone Inhalte nicht selber produziere, sondern diese lediglich verbreite, gebe es auch kein Content- und Rechte-Monopol. "Wir verbreiten jede Art von Content über alle verfügbaren Kanäle. Und wir verbreiten auch gerne alle verfügbaren Anbieter über unsere Plattformen. Wie wir es zum Beispiel mit Netflix tun. Das war immer schon unsere Strategie. Und so wird es auch im kombinierten Unternehmen bleiben", so Clément.

Bundesweiter Kabelnetzbetreiber keine Bremse für den Glasfaserausbau

Der Glasfaserausbau würde durch das Entstehen eines bundesweiten Kabelnetzbetreibers nicht gehemmt, wie von Branchenverbänden befürchtet. Das Gegenteil sei der Fall. "Zum einen können wir Deutschland mit aufgerüsteten Kabelglasfasernetzen großflächig schneller in die Gigabit-Gesellschaft bringen als es jedes andere Unternehmen kann. Und zugleich bauen wir derzeit Glasfaser selbst dorthin, wo sie am Nötigsten ist: auf dem Land und in Gewerbegebieten", betont der Vodafone-Manager.

Die schnellen Kabelnetze würden den Ausbau der anderen Netze vorantreiben. Die Telekom setzte wegen der beschleunigten Kabelnetze zunächst auf Vectoring und werde künftig Glasfaser Vorrang geben, um mit den Gigabit-Kabelnetzen mithalten zu können. Wird es Gigabit-Kabelnetze vor allem in Städten geben? Sicher werde es in zahlreichen Städten und Ballungsgebieten bald Gigabit-Anschlüsse geben. Doch auch auf dem Land sollen solche Zugänge verfügbar sein. Im Vodafone-Kabelnetz sei man bereits heute zu 46 Prozent im ländlichen Raum vertreten. Im Rahmen der Gigabit-Offensive will Vodafone den Glasfaserausbau in den nächsten Jahren auch gezielt in ländliche Regionen bringen.

Das geschah nach der Übernahme von Kabel Deutschland

Was die Fusion, so sie denn von Wettbewerbshütern genehmigt wird, für die Kunden konkret bedeutet, wird sich erst noch zeigen müssen. Wie es verlaufen könnte, zeigt das Beispiel der Übernahme von Kabel Deutschland durch Vodafone. Im Sommer 2013 hatte Vodafone ein Übernahmeangebot gemacht, neun Monate später, im April 2014, war die Übernahme abgeschlossen. Im Mai 2014 startete die gemeinsame Vermarktung von Vodafone und Kabel Deutschland. Im Jahr 2015 verschwand dann die Marke Kabel Deutschland vom Markt.

Laut Unitymedia ändere sich für Mitarbeiter, Kunden und Partner des Kabelnetzbetreibers zunächst nichts. Bis zum Ende der "Closing-Phase" agiere Unitymedia weiter als eigenständiger Wettbewerber im deutschen Markt. "Während des gesamten Prozesses haben die Bedürfnisse unserer Kunden und unserer Mitarbeiter für uns weiterhin höchste Priorität", so Unitymedia-Chef Lutz Schüler.

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