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Vodafone greift mit Übernahme von Kabel Deutschland die Deutsche Telekom an

Vodafone kommt bei seinen ehrgeizigen Expansionsplänen in Deutschland voran. Die Briten haben sich mit einem Übernahmeangebot die Mehrheit an Kabel Deutschland gesichert. Wenn die Kartellbehörden noch grünes Licht geben, bekommt die Deutsche Telekom verstärkt Konkurrenz.

13.09.2013, 16:08 Uhr (Quelle: DPA)
Kabel Deutschland© Kabel Deutschland

Im deutschen Markt für Telefonieren, schnelles Internet und Kabelfernsehen werden die Karten neu gemischt. Der Mobilfunkriese Vodafone steht vor der Übernahme von Kabel Deutschland, dem größten deutschen Kabelnetzbetreiber. Der britische Konzern sicherte sich mit seinem milliardenschweren Übernahmeangebot eine komfortable Mehrheit von mindestens 75 Prozent bei dem Münchener Unternehmen. Nun fehlt nur noch grünes Licht der Wettbewerbshüter.

EU-Kommission entscheidet bis 20. September

"Das war sicher die größte Hürde, die wir zu nehmen hatten", sagte ein Sprecher von Vodafone Deutschland am Freitag in Düsseldorf. Allerdings stehe noch die kartellrechtliche Freigabe aus. Zuständig ist die Europäische Kommission in Brüssel. Bis kommenden Freitag (20.09.) muss sie entscheiden, ob sie die Kabelübernahme freigibt - gegebenenfalls auch unter Auflagen - oder ob sie in eine vertiefte Prüfung vornimmt. Das Bundeskartellamt hatte in der Vergangenheit signalisiert, dass es keine massiven Bedenken in dem Fall hat.

Sollten die europäischen Wettbewerbshüter in Brüssel die geplante Übernahme von Kabel Deutschland durch Vodafone im ersten Anlauf ohne Auflagen absegnen, könnte der Zusammenschluss innerhalb weniger Wochen über die Bühne gehen, wie in Branchenkreisen geschätzt wird.

Angriff auf den Platzhirsch Deutsche Telekom

Mit der Großinvestition greift Vodafone den Platzhirsch Deutsche Telekom frontal an. Das größte deutsche Kabelnetz bietet nicht nur für TV-Angebote ein erhebliches Potenzial. Es kann auch für den Ausbau von Festnetz-Telefonie und als Internetzugang genutzt werden. Durch die spektakuläre Übernahme von Mannesmann war Vodafone bereits vor mehr als zehn Jahren auch hierzulande Mobilfunkriese geworden. Dem künftigen Telekom-Chef Tim Höttges wird das kaum gefallen. Angesichts der neuen Herausforderung mahnt der Ex-Staatskonzern Deutsche Telekom Chancengleichheit an: "Die Kabelnetzbetreiber müssen niemanden auf ihre Netze lassen, wohingegen die Telekom voll reguliert wird", erklärte ein Sprecher der Deutschen Telekom in Bonn. Es müssten für alle gleiche Wettbewerbsbedingungen herrschen.

Gerade beim Thema Geschwindigkeit kann Vodafone den Rivalen nun ärgern. Das Kabelnetz erlaubt hohe Übertragungsraten, die nötig sind, um viele lukrative Internetangebote wie Online-Videotheken mit hochauflösenden Filmen überhaupt vernünftig nutzen zu können. Das Fernsehkabel mit seiner Breitbandtechnologie erlaubt deutlich höhere Geschwindigkeiten und deutlich mehr Durchsatz als im Kupferkabel der Telefonleitungen. Die Bonner müssen den dringend nötigen Ausbau der eigenen Infrastruktur mit schneller Glasfasertechnik beschleunigen.

Anfang September kündigte der scheidende Konzernchef René Obermann massive Investitionen in den Ausbau der Telekom-Netze an. Allein in diesem Jahr will die Telekom 3,4 Milliarden Euro ausgeben. Für die Jahre 2014 und 2015 hat der Konzern dann 4,1 und 4,3 Milliarden Euro eingeplant - 11,8 Milliarden insgesamt. "Die Datenautobahn von heute ist, wenn man nichts tut, schon morgen ein Feldweg", sagte der Manager. Kabel Deutschland könnte Vodafone letztlich fast 11 Milliarden Euro kosten, die Briten bekommen aber sofort ein Netz, dass etwa doppelt so hohe Geschwindigkeiten ermöglicht wie das VDSL-Netz der Telekom.

Die Pakete, die Unternehmen wie Kabel Deutschland aus TV, Telefon und Internet schnüren, versprechen zudem Wachstum und mehr Umsatz pro Vertrag, denn längst noch nicht jeder Kabelkunde nutzt das Angebot. Vom Wettbewerb auf dem Kabelmarkt spüren die Kunden ohnehin weniger als in anderen Branchen, denn oft haben vor allem Mieter kaum eine Wahl. Verträge etwa mit Wohnungsfirmen binden Kunden, oft sind die Gebühren bereits in den Nebenkosten enthalten, ein Wechsel zu einer anderen der regional getrennt arbeitenden Kabelfirmen ist nicht möglich. Von diesem lukrativen Kuchen will auch die Telekom wieder etwas abhaben - mit TV-Angeboten aus dem eigenen Glasfasernetz. Doch der Wiedereinstieg in das Kabelgeschäft ist zäh für die Bonner.

(Jörg Schamberg)

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