ANGA COM

Vodafone Deutschland-Chef: 8K stellt enorme Anforderungen an die Netze

Hannes Ametsreiter und Anke Schäferkordt, die Chefs von Vodafone Deutschland und der Mediengruppe RTL Deutschland, äußerten sich auf der ANGA COM zum veränderten TV-Nutzungsverhalten, zur gezielten Steuerung von Werbung sowie zu Video-Inhalten als Treiber für den Netzausbau.

Jörg Schamberg, 07.06.2016, 21:17 Uhr
ANGA COM RTL SchäferkordtAnke Schäferkordt und Hannes Ametsreiter (r.) nahmen erstmals an einer Podiumsdiskussion im Rahmen der ANGA COM teil.© i12 GmbH

Köln – Premiere für Anke Schäferkordt, Geschäftsführerin der Mediengruppe RTL Deutschland, und Hannes Ametsreiter, Chef von Vodafone Deutschland. Beide nahmen am Dienstag erstmals an einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Kabelmesse ANGA COM in Köln teil. Schäferkordt betonte, dass der Großteil der TV-Nutzung in Deutschland, rund 90 Prozent, noch linear sei. Dennoch gebe es eine Tendenz zu kürzeren Videos, die sich auf Online-Plattformen wie YouTube abrufen ließen. Jugendliche setzen immer stärker auf on-Demand-Nutzung von Inhalten. Bei ihnen erfolge der Medienkonsum bereits zu 30 Prozent über Mediatheken und ähnliche Plattformen. Nach Angaben der RTL-Managerin sei ihr Sender der größte europäische Inhalteanbieter auf YouTube.

Schäferkordt kritisiert regulatorische Unterschiede für linear und non-lineare Inhalte

Die Regulierung habe aber mit dem veränderten Nutzungsverhalten nicht Schritt gehalten. So werde bei der Regulierung nach dem Absender unterschieden. Stammen Inhalte von einem TV-Sender, so werden diese regulatorisch anders eingestuft als Inhalte von einem reinen Online-Unternehmen. Für die Zuschauer, die Inhalte etwa auf ihrem Smartphone empfangen, sei dies schwer nachvollziehbar. Der regulatorische Unterschied zwischen linear und non-linear gefalle ihr nicht. Die Nutzer seien hier weiter als die Regulierung. Dennoch sieht Schäferkordt Schritte, die in die richtige Richtung weisen würden. Die RTL-Chefin spricht sich aber generell gegen zu viel Regulierung aus.

Hinsichtlich der Vermarktung von Werbung sieht Schäferkordt noch Potential. RTL Deutschland würde sich mit der Automatisierung der Werbevermarktung beschäftigen. Bei einer Verbreitung von rund 50 Prozent der TV-Sender über Satellit sei eine individuelle Werbevermarktung, also die direkte Ansprache der Zuschauer, nicht möglich. Bei der Online-Nutzung ließen sich Inhalte dagegen auf die Bedürfnisse des einzelnen ausrichten. Das werde sicherlich die Zukunft sein, so Schäferkordt.

Ametsreiter: Video-Inhalte treiben den Netzausbau voran

Vodafone Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter erklärte, dass sich durch neue Geräte und Technologien auch die Nutzung verändere. So gebe es zunehmend eine parallele Nutzung, das Smartphone werde beispielsweise zusätzlich neben dem TV verwendet. In Breitbandnetzen machten Videoinhalte bereits rund 60 Prozent aus. Die Nutzung von Video treibe das Datenvolumen und somit auch den Netzausbau voran. Für Ametsreiter müssen Inhalte in der Zukunft über alle Geräte abrufbar sein, beispielsweise über eine App.

Während gerade erst Ultra HD (4K) zaghaft Fuß fasst und zum Begriff bei den Verbrauchern wird, kündigt sich schon der Nachfolger 8K an. Diese noch einmal höhere Bildauflösung stelle enorme Anforderungen an die Netze, so Ametsreiter. Bis zu 100 Mbit/s pro Signal seien erforderlich. Dafür sei eine hochleistungsfähige Infrastruktur notwendig. Zudem verdoppele sich alle 18 Monate das Datenvolumen. Der Chef von Vodafone Deutschland hält das Nebeneinander von linearem TV und Video on Demand für spannend. Letztlich entscheide der Kunde, was er zur Unterhaltung nutze. In dieser Medienvielfalt müsse ein Unternehmen aber seine Marke und seine Positionierung gut herausarbeiten. Der Vorteil der neuen Technologien: Werbung lasse sich treffgenauer auf bestimmte Kundengruppen ausspielen.

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