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Vodafone-Chef: "Wir verstehen uns als Premiumanbieter"

Nicht billig, aber preiswert; nicht unbedingt die Nummer Eins, aber der Anbieter mit dem besten Service und Netz - das sind die Eckdaten von Vodafone nach dem Geschmack des neuen Chefs Jens Schulte-Bockum. Ergo: Für die Nutzer soll vieles besser werden.

22.10.2012, 14:13 Uhr
Vodafone© Vodafone GmbH

Seit Anfang Oktober ist der Führungswechsel an der Vodafone-Spitze vollzogen. Der neue Chef, Jens Schulte-Bockum, hat bereits im Vorfeld viel versprochen und muss sich nun an seinen Worten messen lassen. Vor allem beim Service soll sich der Konzern künftig von seinen Konkurrenten abheben. "Das Kundenerlebnis steht für mich an erster Stelle. Bei Netz und Service müssen wir kompromisslos anspruchsvoll sein", unterstrich der 45-Jährige erneut im Gespräch mit "RP Online".

Service, Service - und Service

Konkret soll es für Vodafone-Nutzer etwa eine Rückruf-Option geben, wenn diese bei Hotline-Anfragen eine Minute lang vergeblich in der Warteschleife hängen. Zudem will Schulte-Bockum einerseits eine zunehmende Anzahl von Service-Funktionen digitalisieren, Kunden andererseits aber auch verstärkt die Möglichkeit auf persönliche Vor-Ort-Beratung anbieten – unter anderem in den neuen Flagship-Stores, von denen gerade der erste in Köln eröffnet wurde. In einem früheren Interview hatte der Vodafone-Chef in diesem Zusammenhang vor allem auf Apple verwiesen und dessen Strategie im Umgang mit Kunden zum Vorbild erklärt.

Auch Vodafone will dabei die Bindung von Mitarbeitern und Kunden auf eine persönlichere Ebene heben – zum Beispiel über eigene Visitenkarten, die für jeden Berater individuelle Kontaktdetails ausweisen. Nächster geplanter Standort für einen solchen Flagship-Store ist Düsseldorf. Doch liegt der Fokus nicht nur auf den Direktvertretungen. "Selbstverständlich wird auch das Personal in anderen Shops geschult, um ein neues Serviceerlebnis vor Ort bieten zu können", so der Vodafone-CEO. Jobabbau sei hingegen vorerst kein Thema.

"Beim Datentransport trennt sich die Spreu vom Weizen"

Angst vor den Discount-Offerten der Konkurrenz hat Schulte-Bockum nach eigener Aussage nicht. Netzqualität und Service rechtfertigten bei Vodafone ein anderes Preisniveau: "Wir verstehen uns als Premiumanbieter. Mit unserer neuen Flatrate-Familie Vodafone Red bieten wir Einfachheit, Transparenz aber vor allem Premium-Komfort – und das zu einem guten Preis." Die Kunden wollten keinen Stau auf der Datenautobahn und seien bereit, dafür auch "ein Premium zu zahlen". Beim Thema Datentransport trenne sich am Markt die Spreu vom Weizen, so der Vodafone-Chef. Gleichwohl müssten die kleineren Wettbewerber E-Plus und Telefónica Germany (o2) auf Distanz gehalten werden. Ein wichtiges Ziel sei zudem, die Telekom nicht nur bei den Marktanteilen, sondern auch in der Paradedisziplin Netzqualität zu übertrumpfen. Noch gilt die Infrastruktur der Bonner bei Netztests in der Regel als Maßstab aller Dinge.

Der Spitzenmanager ist allerdings zuversichtlich, dass sich dies kurzfristig ändern wird. "Ich glaube, das korrigieren wir in ein oder zwei Jahren. Wir haben mehr als jeder Wettbewerber in die neue Mobilfunktechnik LTE investiert." 2015 soll Vodafones LTE-Netz flächendeckend verfügbar sein. Behindert sieht sich Schulte-Bockum allerdings durch die Bundesnetzagentur. Diese bremse durch langsame Genehmigungsverfahren für neue Richtfunkstrecken zur Anbindung von LTE-Funkstationen den LTE-Ausbau. "Der Vorgang ist inakzeptabel. Wir setzen jetzt darauf, dass die Genehmigungen mit Zusatzkräften unbürokratisch erteilt werden." Vodafone gehe davon aus, dass der mobile Datenverkehr bis 2015 in Deutschland um 2.000 Prozent zunehmen wird. Nicht nur im Privatkundensegment soll LTE dabei eine dominierende Rolle einnehmen. Der Highspeed-Standard werde den Markt verändern. "Klar ist aber auch: Für unsere Geschäftskunden werden wir auch in Zukunft weiter Festnetzlösungen anbieten."

(Christian Wolf)

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