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Vodafone bietet 10,7 Milliarden Euro für Übernahme von Kabel Deutschland

Ist der Bieterwettkampf um Kabel Deutschland entschieden? Vodafone will den größten deutschen Kabelnetzbetreiber für fast 11 Milliarden Euro übernehmen, offen ist noch die Reaktion vom ebenfalls interessierten Kabelkonzern Liberty Global.

24.06.2013, 09:46 Uhr (Quelle: DPA)
Kabel Deutschland© Kabel Deutschland

Der britische Mobilfunker Vodafone hat im Rennen um die Übernahme von Kabel Deutschland möglicherweise den entscheidenden Etappensieg erzielt.

Vodafone-Festnetz unter Regie von KDG

Die Briten bieten den Kabel-Deutschland-Aktionären 87 Euro je Anteil. Damit werde das Unternehmen inklusive der Schulden mit 10,7 Milliarden Euro bewertet, teilten die beiden Unternehmen am Montag mit. Das Eigenkapital des Kabelnetzbetreibers selbst liege demnach bei 7,7 Milliarden Euro. Das Angebot liegt damit um 37 Prozent über dem Aktienkurs vor den ersten Spekulationen um eine offizielle Offerte. Bedingung für den Erfolg ist, dass Vodafone 75 Prozent der Aktien des Unternehmens erhält. Die befinden sich im Streubesitz, was eine Übernahme erschwert. Größter Aktionär ist der Finanzinvestor Blackrock mit rund zehn Prozent.

Das von Vodafone angekündigte Angebot wird ergänzt durch eine Grundsatzvereinbarung. Der Angebotspreis von 84,50 Euro wird um 2,50 Euro auf 87,00 Euro je Aktie erhöht, falls die Transaktion vor der Hauptversammlung von Kabel Deutschland am 10. Oktober 2013 abgeschlossen wird. Die Führungsspitze des Unternehmens begrüßte das Angebot von Vodafone und empfiehlt den Aktionären, dieses Gebot anzunehmen. Damit könnten die rund 8,5 Millionen Kunden der Münchner künftig zu Vodafone-Kunden werden - zuvor muss aber das Kartellamt dem Milliarden-Deal seinen Segen geben.

Beide Seiten hätten in Gesprächen vereinbart, dass die Marktpositionen beider Unternehmen durch die sich ergänzenden Produktportfolien gestärkt werden sollen. Innerhalb der Vodafone Gruppe soll Kabel Deutschland als separate Gesellschaft mit ihrer Unternehmenszentrale in Unterföhring erhalten bleiben. Das Management von Kabel Deutschland solle zudem künftig das gesamte Privatkunden-Festnetzgeschäft beider Unternehmen in Deutschland verantworten, inklusive der Entwicklung und Vermarktung von Produkten in diesem Bereich. Die Kunden der Wohnungswirtschaft sollen demnach auch in Zukunft von Kabel Deutschland betreut werden. "Kabel Deutschland und Vodafone ergänzen sich ideal. Gemeinsam haben wir die Chance, der führende Telekommunikations- und TV-Anbieter in Deutschland zu werden und eine auf dem deutschen Markt einzigartige, schlagkräftige Kombination aus Festnetz und Mobilfunk zu schaffen", kommentierte Kabel Deutschland-Chef Adrian von Hammerstein.

Kabel Deutschland legt Geschäftszahlen früher vor: Gewinn von 247 Millionen Euro

Vodafone ist hierzulande bereits zweitgrößter Mobilfunker, stößt aber beim Ausbau des schnellen Internets an seine Grenzen. Noch-Chef Vittorio Colao hatte das Ziel ausgerufen, Kunden vermehrt Komplettpakete aus Telefon, Internet und Fernsehen anzubieten. Vodafone ist daher bereit, sich den Zukauf viel kosten zu lassen und geht dabei offenbar an die finanzielle Schmerzgrenze. Analysten hatten bereits die zuletzt als Übernahmepreis gehandelten sieben Milliarden Euro als hoch eingestuft.

Kabel Deutschland zog mit der Bekanntgabe des Übernahmeangebots auch seine eigentlich für diesen Donnerstag angekündigten Geschäftszahlen vor. Im Ende März abgeschlossenen Geschäftsjahr steigerte der Kabelkonzern den Umsatz um knapp acht Prozent auf 1,83 Milliarden Euro. Zum zweiten Mal nacheinander konnten die Unterföhringer auch einen Gewinn verbuchen - diesmal mit rund 247 Millionen Euro gut 55 Prozent mehr als vor einem Jahr. Auch beim bereinigten operativen Ergebnis (EBITDA) stand ein Plus von gut acht Prozent auf 862 Millionen Euro zu Buche.

Reaktion von Liberty Global noch offen

Offen ist, wie der US-Kabelnetzbetreiber Liberty Global, die Muttergesellschaft von Unitymedia und Kabel BW reagiert. Dieser hatte zuletzt ebenfalls Interesse bekundet - dabei war von einem Preis von 85 Euro je Aktie zu hören. Die "WirtschaftWoche" hatte zudem am Wochenende berichtet, dass der in mehreren europäischen Ländern aktive Kabelnetzbetreiber auf eine Genehmigung aus Brüssel setzt. Das Bundeskartellamt in Bonn wird dagegen vermutlich sein Veto gegen den Zusammenschluss zu einem einzigen großen Kabelanbieter einlegen. Liberty Global verstärke daher seine Lobby-Arbeit in Brüssel, um die EU-Kommission zu überzeugen.

(Jörg Schamberg)

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