Datenskandal

Virenschutzanbieter Avast verkauft Browser-Nutzerdaten weiter

Umfangreiche Nutzerdaten zu Google-Suchen, aufgerufenen YouTube-Videos und selbst zur Nutzung von Sexseiten hat laut einem Medienbericht Jumpshot, eine Tochter des Antiviren-Herstellers Avast, gesammelt und an Dritte weiterverkauft.

Jörg Schamberg, 29.01.2020, 11:47 Uhr
Computer Sicherheit© Jürgen Fälchle / Fotolia.com

Ein neuer Datenskandal erschüttert derzeit das Netz. Jumpshot, eine Tochterfirma des Virenschutzanbieters Avast, verkauft offenbar laut einem Bericht des Online-Magazins "Vice", dem geleakte Informationen vorliegen, umfangreiche Nutzerdaten an Dritte. Avast selbst hat nach eigenen Angaben 435 Millionen aktive Nutzer, Jumpshot verfüge über Daten zu 100 Millionen Geräten.

Selbst Daten zu Besuchen auf Pornoseiten wurden gesammelt

Die von Jumpshot gesammelten und weiterverkauften Daten sollen Google-Suchen, Standortangaben bei Google Maps, LinkedIn-Besuche, aufgerufene YouTube-Videos und auch die Besuche auf Pornoseiten umfassen. Mit den Daten soll es möglich sein, Datum und Zeit der Aufrufe anonymer Nutzer der Pornoseiten YouPorn und PornHub zu rekonstruieren. In einigen Fällen sollen auch die dort eingegebenen Suchbegriffe und die angeschauten Videos erfasst worden sein. Die Daten sollen zwar keine persönlichen Informationen wie Nutzernamen enthalten. Laut Experten soll es aber dennoch möglich sein, bestimmte Nutzer anhand der Browser-Daten und der Geräte-ID zu identifizieren.

Millionengeschäft mit dem Weiterkauf von Nutzerdaten

Für Jumpshot gehört der Verkauf von Kundendaten zum Geschäftsmodell. Zum Kundenkreis sollen unter anderem Unternehmen wie Google, Yelp, Microsoft, McKinsey und Pepsi gehören. Die Daten sammele die Avast-Tochter unter anderem über das Browser-Plugin des Virenschutzes. Der Sammlung von Daten müssen Kunden per Opt-in zustimmen, doch viele Nutzer waren sich laut Bericht von "Vice" offenbar nicht bewusst, dass ihre Browsernutzungsdaten verkauft werden.

Avast-Nutzer sollten umgehend die entsprechende Zustimmung zur Datensammlung in den Einstellungen deaktivieren.

Update vom 30. Januar 2020: Avast schließt Tochtergesellschaft Jumpshot

Überraschende Mitteilung von Avast-Chef Ondrej Vlcek. Er gab am Mittwoch nach der massiven Kritik an dem Vorgehen des Unternehmens bekannt, dass die Datenerfassung von Jumpshot beendet und der Betrieb von Jumpshot mit sofortiger Wirkung eingestellt werde. Der Beschluss sei zusammen mit dem Verwaltungsrat erfolgt.

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