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Video on Demand: Videostreaming erobert Deutschland - lineares TV vor dem Aus?

Der Zuschauer wird dank Video on Demand (VoD) zum eigenen Programmdirektor. Verbraucher können Filme, Serien & Co inzwischen über zahlreiche Streaming-Dienste jederzeit abrufen. Im Rahmen einer VoD-Themenwoche stellt onlinekosten.de Anbieter und Inhalte vor.

09.02.2015, 18:16 Uhr
Internet© rajareddy / Fotolia.com

Jahrzehntelang läutete die "Tagesschau" um 20 Uhr in deutschen Haushalten den Fernsehabend ein, die Primetime startete um 20.15 Uhr. Doch die Fesseln des linearen TVs haben sich in den vergangenen Jahren gelöst, mehr und mehr Zuschauer befreien sich aus dem Zeitkorsett der Fernsehsender, die TV-Inhalte zu starren Sendezeiten präsentieren. Das Internet hat bereits etliche Branchen revolutioniert und macht auch vor dem Fernsehen nicht halt. Die deutschen Verbraucher werden selbst zum Programmdirektor und entdecken zunehmend die Vorteile von Video on Demand (VoD) für sich: Per Internet-Stream kommen Inhalte wie Filme, Serien, Sport, Dokumentationen & Co. bequem auf das heimische Smart-TV oder den Rechner. Auch auf Notebook, Tablet, Smartphones oder Spielekonsolen halten Videos auf Abruf verstärkt Einzug. Die Auswahl entsprechender Dienste steigt, im Herbst des vergangenen Jahres ging auch der US-Anbieter Netflix in Deutschland an den Start. Im Rahmen einer "Video on Demand"-Themenwoche wird unsere Redaktion einige kostenpflichtige Streamingdienste wie maxdome, Watchever, Amazon Prime Video, Netflix und Sky Snap in separaten Artikeln näher vorstellen. Einen Blick werden wir auch auf kostenlose Angebote wie beispielsweise Mediatheken werfen. Was bieten die jeweiligen Dienste den Kunden? Wer kann überzeugen, wo besteht vielleicht noch Verbesserungsbedarf?

Rund drei Viertel der deutschen Internetsurfer nutzen Videostreaming

Das Video on Demand in Deutschland boomt, zeigt auch eine Mitteilung, die der Hightech-Verband BITKOM am Montag verbreitete. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz mit Werbung im direkten Umfeld von Videostreaming auf rund 241 Millionen Euro. Neben Diensten auf Abonnement-Basis buhlen auch etliche werbefinanzierte Streaming-Portale wie YouTube, Web.de, T-Online oder Yahoo! um die Aufmerksamkeit der Internetnutzer. "Videostreaming entwickelt sich zu einem lukrativen Markt mit hochwertigen Inhalten, innovativen Erlösmodellen und eigenen Werbeformaten", so BITKOM-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

Inzwischen nutzen 73 Prozent der Internetnutzer in Deutschland Videostreaming. Einer der Wegbereiter für das Streamen von Videoinhalten ist das zum Google-Konzern gehörende Video-Portal YouTube. Am 14. Februar 2005 erfolgte der Start von YouTube, in dieser Woche feiert das Online-Portal seinen zehnten Geburtstag. Waren in den ersten Jahren vor allem viel Trash und Amateurfilme auf YouTube zu finden, wartet die Plattform inzwischen mit eigenen Kanälen, eigenen Formaten und eigenen YouTube-Stars auf, die teilweise Millionen Fans rund um den Globus haben.

Inhalte auf Abruf zur Miete, zum Kauf oder per Abo-Flatrate

Die Nutzung von Inhalten per Video on Demand ist ohne großen technischen Aufwand möglich. Filme, Serien & Co. lassen sich beispielsweise auf PC & Mac sowie auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets direkt im Browser abrufen. Die diversen Anbieter nutzen zum Abspielen der Inhalte entweder eigene Video-Player-Software oder greifen auf entsprechende Plugins zurück, die im Browser integriert werden. Bekannt ist hier beispielsweise das kostenlose Silverlight-Plugin von Microsoft. Für den Einsatz auf Smart-TVs oder Spielekonsolen sowie mobilen Endgeräten stehen meist Apps der jeweiligen VoD-Dienste zur Verfügung. Neue Streaming-Boxen wie Fire TV von Amazon machen Video on Demand noch populärer, die Bedienung per komfortabler Oberfläche oder Sprachsteuerung ist intuitiv. Bei der Vielzahl an Streamingdiensten kann jedoch schnell der Überblick verloren gehen, welcher der Anbieter denn nun die Lieblingsserie zeigt. Denn nicht alle Dienste bieten beispielsweise alle Staffeln einer Serie an. Hilfe finden Streaming-Fans auf der Webseite www.werstreamt.es. In der vergangenen Woche ist zudem mit JustWatch eine neue Streaming-Suchmaschine gestartet.

Internetnutzer können Inhalte per Video on Demand auf verschiedene Art und Weise beziehen. Zum einen lassen sich Video-Inhalte herunterladen (Download) und auf dem eigenen Gerät starten. Der Vorteil: Die Videos lassen sich auch offline anschauen. Alternativ werden die Inhalte in Echtzeit auf den eigenen Rechner gestreamt, in diesem Fall ist aber eine ständige Internetverbindung erforderlich. Filme und Serien stehen entweder für eine bestimmte Zeit (häufig 48 Stunden) auf Mietbasis, direkt zum Kauf per Download oder aber im Rahmen eines Abonnements zum beliebigen Abruf zur Verfügung. Abo-Pakete sind sich schon zu einem monatlichen Preis von beispielsweise 3,99 Euro (Sky Snap) bzw. 7,99 Euro (maxdome, Netflix) erhältlich.

Datentraffic wächst durch Videostreaming rasant an

Der Internetzugang sollte mindestens über eine Download-Bandbreite von 6 Mbit/s verfügen, damit der Film nicht ruckelt bzw. ständig zum Nachladen unterbrochen wird. Wer Inhalte in HD abrufen möchte sollte mindestens über einen 10 Mbit/s schnellen Internetanschluss, besser aber einen Zugang mit 16 Mbit/s verfügen. Greifen in einem Haushalt mehrere Familienmitglieder gleichzeitig auf Internet-Streams zu, kann die Bandbreite für den Einzelnen schnell absacken und das VoD-Erlebnis stören.

Beachtet werden sollte zudem, dass bei Abruf der Inhalte erhebliche Datenmengen übertragen werden. Beim Anschauen einer Serienfolge in HD-Qualität fällt beispielsweise ein Datenvolumen von rund 1 GB an. Bei intensiver Nutzung von Video on Demand können es Internetnutzer in einem Monat schnell auf einen Datentraffic von mehreren hundert Gigabytes bringen. Je nach genutztem Provider kann dann eine Drosselung in Kraft treten. Insbesondere bei Abruf über das mobile Internet per Smartphone oder Tablet ist das enthaltene Highspeed-Datenvolumen schnell aufgebraucht. Hier empfiehlt sich falls möglich der Zugriff auf einen WLAN-Hotspot.

Video on Demand: Anbieter im Überblick

Die Auswahl an Quellen für VoD-Inhalte im Internet ist groß. Wir geben hier einen kurzen Überblick (Anbieter in Auswahl):
1. Kostenlose Videoportale:

2. Kostenpflichtige VoD-Dienste (Abonnement oder Einzelabruf):
  • Amazon Prime Video Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können. Sie können dieses Produkt natürlich auch woanders kaufen; der Link ist ein Vorschlag und stellt weitere Informationen zur Verfügung. Partnerprogramme haben keinerlei Einfluss auf unsere redaktionelle Berichterstattung, Preise oder Platzierungen in Tarifrechnern.
  • iTunes (Apple)
  • Play Movies (Google)
  • maxdome
  • Netflix
  • Sky Snap
  • Video Unlimited (Sony)
  • Watchever
  • Xbox Video (Microsoft)
3. Mediatheken von TV-Sendern:
4. VoD-Angebote von Providern:

Beachten Sie auch die weiteren Teile unserer Video-on-Demand-Serie:
Teil 1: Videostreaming erobert Deutschland - lineares TV vor dem Aus?
Teil 2: Maxdome im Test - "Monatspaket" für 7,99 Euro
Teil 3: Sendung verpasst? Die Mediatheken der TV-Sender im Vergleich
Teil 4: Watchever im Test: Ersatz für die Videothek, nicht fürs Fernsehen

(Jörg Schamberg)

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