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Versatel: Privatkunden wandern ab, Umsätze sinken

Versatel verzeichnet im Privatkundengeschäft weiterhin deutliche Kundenverluste. Die Umsätze im Massen- und Wholesale-Markt gingen zurück. Lichtblick ist der neue B2B-Schwerpunkt. Den Schuldenberg konnte Versatel um rund 33 Millionen Euro reduzieren.

13.05.2011, 13:19 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Beim Aufruf der Versatel-Homepage fällt der Blick zunächst auf Geschäftskunden-Produkte. Der Bereich für Privatkunden findet sich erst einen Mausklick weiter. Das macht die Fokussierung des Düsseldorfer Telekommunikationsanbieters auf den Businesskunden-Bereich recht anschaulich. Auch in der am Freitag vorgelegten Bilanz für das erste Quartal dieses Jahres spiegelt sich wider, dass der Betreiber eines über 45.000 Kilometer langen, eigenen Glasfasernetzes mitten im Restrukturierungsprozess steckt. Die aktuellen Zahlen bieten nur wenig Erfreuliches. Das Anfang dieses Jahres neu geschaffene Geschäftsfeld Massenmarkt, das neben Privatkunden auch rund 16.000 kleinere Geschäftskunden umfasst, ist weiter stark rückläufig.

Verlust von 72.500 Breitbandkunden

Ende 2009 hatte Versatel bekanntgegeben, sich aus dem Kampf um Privatkunden zurückzuziehen, und den Schwerpunkt der Aktivitäten auf Geschäftskunden zu verlagern. Private Bestandskunden können weiterhin mit Versatel surfen und telefonieren, Neukunden werden jedoch nicht offensiv geworben. Der Düsseldorfer Provider musste einen Verlust von rund 72.500 Verträgen in seinem Massenmarktgeschäft verkraften. Die Zahl der Breitbandkunden-Verträge sank innerhalb von zwölf Monaten um 10,4 Prozent von 695.000 im ersten Quartal des vergangenen Jahres auf 622.400 Ende März 2011. Auch der durchschnittliche Umsatz je Kunde ging zurück. Entsprechend schrumpfte der im ersten Quartal mit Privatkunden und kleineren Geschäftskunden erzielte Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 14,8 Millionen Euro auf 63,4 Millionen Euro. Das entspricht einem Rückgang um 18,9 Prozent. Zur Mitte des vergangenen Jahres hatte Versatel allerdings sein Kabelgeschäft verkauft, das Anfang 2010 noch einen Umsatz in Höhe von rund 4 Millionen Euro beigesteuert hatte.

Wholesale-Geschäft spürt Auswirkungen der Absenkung der Mobilfunk-Terminierungsentgelte

Ähnlich negativ verlief die Umsatzentwicklung im Wholesale-Segment. Hier kämpfte Versatel mit den Auswirkungen der Senkung der Mobilfunk-Terminierungsentgelte durch die Bundesnetzagentur. Der Wholesale-Umsatz sackte innerhalb eines Jahres um 19,4 Prozent deutlich von 57,9 Millionen Euro auf 46,7 Millionen Euro ab. Lediglich im Geschäftskundenbereich bewahrten steigende Umsätze mit VPN-Produkten vor ähnlich schlechten Zahlen. Die Umsatzerlöse im B2B-Segment gingen lediglich um 2,2 Prozent von 50,7 Millionen Euro auf 49,6 Millionen Euro zurück. "Der Anteil der Geschäftskunden am Gesamtumsatz von Versatel hat wiederholt zugelegt. Wir werden uns weiter verstärkt auf unsere technische und vertriebliche Schlagkraft konzentrieren, um unseren Marktanteil im B2B-Geschäft konsequent auszubauen", erläutert Versatel-Vorstandsvorsitzender Alain D. Bandle. Der Gesamtumsatz der Versatel AG lag in den ersten drei Monaten dieses Jahres bei 159,7 Millionen Euro, ein Minus von 14,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das EBITDA, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, nahm im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent auf rund 36,5 Millionen Euro ab.

Konzernergebnis weiter in roten Zahlen - Schuldenabbau um 32,7 Millionen Euro

Das Konzernergebnis präsentierte sich auch im ersten Quartal 2011 mit Minus 9 Millionen Euro nahezu auf Vorjahresniveau und weiter in roten Zahlen. Dennoch sei das Restrukturierungsprogramm transform, das die Effektivität und Effizienz steigern soll, auch zum Jahresanfang "erfolgreich vorangetrieben" worden. Verhandelt wurde bereits der Abbau von 370 Stellen, daneben wurden auch Verbesserungen bei Fixkosten und Outsourcing-Maßnahmen in Angriff genommen. Ericsson ist beispielsweise neuer Partner für den Betrieb des technischen Außendienstes für das Versatel-Übertragungsnetz. Das Unternehmen verfügt dennoch über mehr Liquidität. Vor allem aufgrund einer Verlängerung eines Finanzierungsleasing-Vertrages erzielte Versatel im ersten Quartal einen positiven Free Cashflow von 34,7 Millionen Euro. Das ist ein Plus von 107,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aufgrund dieser Entwicklung konnte das Unternehmen die Verschuldung deutlich reduzieren. Die Nettoverbindlichkeiten in Höhe von insgesamt 316,8 Millionen Euro senkte Versatel um 32,7 Millionen Euro.

Für das laufende Geschäftsjahr 2011 rechnen die Düsseldorfer mit einem positiven Free Cashflow in Höhe von etwa 40 Millionen Euro. Das EBITDA soll bei rund 145 Millionen Euro liegen, der Umsatz soll laut Versatel einen Betrag von etwa 650 Millionen Euro erreichen.

(Jörg Schamberg)

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