Versteckte Kosten

Verivox: Smartphone-Bundles führen zu Schulden bei vielen Verbrauchern

Um sich das teure Top-Smartphone leisten zu können, schließen vor allem jüngere Verbraucher Bundle-Angebote mit Mobilfunkvertrag ab. Abgezahlt werde das Gerät durch höhere Monatsgrundgebühren. Laut den Tarifexperten von Verivox ist das nicht der günstigste Weg.

Jörg Schamberg, 04.12.2020, 12:04 Uhr
Mobilfunkvertrag© Dan Race / Fotolia.com

Wer mit einem aktuellen, gut ausgestatteten Smartphone liebäugelt, muss dafür tief in die Tasche greifen. Immer häufiger überspringen die Verkaufspreise der Flaggschiff-Smartphones die Grenze von 1.000 Euro. Viele Verbraucher entscheiden sich daher für ein Bundleangebot aus Handy und Mobilfunkvertrag mit in der Regel 24-monatiger Laufzeit. Die Finanzierung eines Smartphones sorgt somit oft für Schulden der Kunden, die Kosten des Gerätes werden über eine höhere monatliche Grundgebühr abgezahlt. Laut einer Analyse der Tarifexperten von Verivox haben junge Menschen im Alter von 20 bis 35 Jahren die höchsten Schulden bei Telekommunikationsunternehmen.

Teure Smartphone-Topmodelle bei jungen Verbrauchern beliebt

"Etwas mehr als ein Drittel der jungen Menschen, die zu uns kommen, haben Handyschulden. Unsere Erfahrung zeigt: Der Erwerb eines Smartphones stellt oft einen so dringenden Wunsch dar, dass die Finanzierung völlig ausgeblendet wird. Der Tarif ist lediglich ein Vehikel, dessen Konditionen kaum eine Rolle spielen", erklärt Inge Mette, seit 2006 Caritas-Beraterin im Jugendfinanzcoaching.

"In dieser Altersgruppe beobachten wir eine besonders hohe Affinität zu Smartphone-Topmodellen, die im Schnitt deutlich über 900 Euro kosten", sagt Jens-Uwe Theumer, Vice President Telecommunications bei Verivox. "Um den Einmalpreis eines Geräts so niedrig wie möglich zu halten, binden sich viele Kunden an hochpreisige Laufzeittarife."

2015 lagen die durchschnittlichen Verbraucherschulden laut Statistischem Bundesamt bei 811 Euro, 2019 betrugen sie bereits 1.144 Euro. Der durchschnittliche Preis eines in Deutschland verkauften Smartphones sei in diesem Zeitraum laut Bitkom Research von 395 Euro auf 519 Euro gestiegen.

Kosten für das Smartphone in höherer monatlicher Grundgebühr versteckt

Das neue Smartphone erhalten die Mobilfunkkunden zwar direkt zu Vertragsbeginn, doch die Abzahlung des neuen Handys erfolgt meist versteckt in den monatlichen Kosten für den gewählten Mobilfunktarif. Für das Gerät selbst fällt oft nur eine geringe einmalige Zuzahlung an, die tatsächlich monatlich zu zahlenden Kosten für das Smartphone werden oft nicht auf der Mobilfunkrechnung ausgewiesen. Das geplante "Gesetz für faire Verbraucherverträge" könnte Bündelverträge aus subventioniertem Gerät und Tarif in der bisherigen Form künftig verhindern.

Verivox spricht sich für mehr Transparenz bei der Kostendarstellung aus: "Wir als Vergleichsportal würden unseren Kunden gerne aufschlüsseln können, wie hoch der monatliche Anteil für das Smartphone tatsächlich ausfällt", sagt Jens-Uwe Theumer. "Bislang geht der Wert des finanzierten Geräts in der monatlichen Gebühr auf und bleibt damit für Verbraucher intransparent."

Verivox: Separate Finanzierung des Smartphones oft preisgünstiger

Die Bundesregierung plant eine Begrenzung der Mindestlaufzeit von Mobilfunkverträgen auf zwölf Monate. Würden Smartphones weiter mit einem Vertrag gekoppelt, so müssten die monatlichen Raten rund doppelt so hoch ausfallen. Daher müsste das Gerät wohl separat finanziert werden. Laut Verivox sei dies nicht nur der transparentere Weg, sondern oft auch der preisgünstigere.

Nach 24 Monaten würden Kunden bei Bundles aus Smartphone und Tarif draufzahlen. Dies gelte wenn der Vertrag unverändert weiterlaufe. Die monatliche Grundgebühr werde nach 24 Monaten nicht reduziert, obwohl das Gerät dann abbezahlt sei. "Die Mobilfunkprovider sehen die Zusatzkosten nicht als Abzahlung des Smartphones, sondern als Vertragsbestandteil", sagt Verivox-Experte Theumer. "Kunden sollten vor Ablauf der zwei Jahre kündigen – sonst zahlen sie bis zu 20 Euro im Monat zusätzlich, ohne eine Gegenleistung dafür zu erhalten."

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