Nischenmarkt

Verivox: eSIM vier Jahre nach dem Start nur wenig verbreitet

Das Aus für die Plastik-SIM-Karte ist noch lange nicht gekommen. Die 2016 gestartete digitale eSIM wird weiterhin nur von wenigen Smartphones unterstützt. Es lassen sich auch nicht alle Tarife nutzen. Das zeigt eine Untersuchung von Verivox.

Jörg Schamberg, 15.06.2020, 13:05 Uhr
Vodafone eSIM VoucherDas eSIM-Profil lässt sich unter anderem online per QR-Code aktivieren.© Vodafone GmbH

Bereits vor vier Jahren war der Startschuss für die eSIM-Karte gefallen. Doch die Verbreitung der sogenannten "embedded SIM" (eSIM), die im Gegensatz zu den herkömmlichen Plastik-SIM-Karten als Chip fest im Gerät verbaut ist, zeigt sich in Deutschland bislang noch sehr verhalten. Nach Angaben der Tarifexperten von Verivox sollen eSIMs hierzulande erst bei vier Prozent der Smartphones der letzten Jahre nutzbar sein. Außerdem lassen sich mit einem solchen elektronischen Profil nur bestimmte Tarife verwenden. Wo hakt es noch?

Nur 21 Smartphones unterstützen eSIMs

Eigentlich bietet eine eSIM Vorteile: Der Chip lasse sich jederzeit umprogrammieren. Mobilfunkkunden könnten auch ohne physischen Kartentausch verschiedene Tarife auf einem Gerät parallel nutzen. Doch in Deutschland werden laut Verivox bislang nur 21 eSIM-taugliche Smartphone-Modelle angeboten. Das seien lediglich 4 Prozent aller 524 Smarpthones, die seit 2017 auf dem Markt erschienen sind. Eine eSIM finde sich zudem vorwiegend in teuren Premium-Geräten wie den iPhones von Apple oder in den Samsung Galaxy Modellen. Nur in wenigen Mittelklasse-Geräten wie dem Google Pixel ist eine eSIM verbaut.

Die Hersteller setzen in der Regel auf Hybridlösungen. So würden Apple, Samsung, Google oder Huawei zwar ausgewählte Geräte mit einer eSIM ausstatten, aber dies erfolgt zusätzlich zu klassischen SIM-Karte. Komplett ohne Plastikkarte kommt dagegen das Motorola Razr aus dem Jahr 2019 aus.

Nicht alle Tarife mit eSIM nutzbar

Welche Tarife stehen für die eSIM-Nutzung zur Verfügung. Nach Angaben von Verivox ist eine eSIM bei Vodafone und Telefónica Deutschland nur von Vertragskunden nutzbar. Das würde somit für 64 bzw. 69 Prozent der Tarife dieser Mobilfunknetzbetreiber gelten. Bei Prepaid-Tarifen lässt sich eine eSIM bei diesen Anbietern nicht verwenden. Anders sehe es bei der Telekom aus. Alle Tarifmodelle unterstützen eine eSIM. Das eSIM-Profil werde direkt digital freigeschaltet. Eine eSIM könne unter anderem auch bei 1&1, congstar, Klarmobil, Blau sowie bei allen Marken von Drillisch Online eingesetzt werden.

So erhält man das eSIM-Profil

Dafür gibt es zwei Varianten. So kann das Proil direkt auf das Endgerät des Kunden geschickt werden. Alternativ lasse sich das eSIM-Profil über einen QR-Code online aktivieren. Lange Zeit waren die elektronischen Codes zuvor per Post an die Kunden verschickt worden. Aber Vorsicht sei bei der Aktivierung eines digitalen Profils auch heute noch angebracht. Vodafone und Telefónica Deutschland schicken Neukunden etwa zunächst eine herkömmliche Plastik-SIM per Post. Später werde diese gegen eine eSIM eingetauscht.

eSIM bislang nur ein Nischenmarkt

Schaut man auf die Zahl der aktuellen eSIM-Profile, so ist diese weiterhin recht niedrig. Die Telekom schalte monatlich mehrere 10.000 e-SIM-Profile frei. Bei Vodafone seien Ende 2019 rund 100.000 eSIMs aktiviert gewesen. Damit nutzen jedoch nur 0,5 Prozent der Vertragskunden das neue Format. Telefónica und 1&1 Drillisch hatten Verivox auf Anfrage keine Zahlen mitgeteilt. Alle Netzbetreiber würden aber eine steigende Nachfrage nach eSIMs sehen.

Die eSIM hat das Potential den Mobilfunkmarkt ordentlich aufzumischen, da ein Tarifwechsel technisch einfacher wird. In Deutschland ist noch eine lange Kundenbindung mit 24 Monatsverträgen und subventionierter Hardware üblich. Die Umstellung auf eSIM-Profile bedeutet für die Anbieter zunächst hohe Kosten.

Druck auf die Provider wächst

"Wenn die Wechselbereitschaft der Kunden steigt, wird sich der Preisdruck auf die Provider erhöhen", sagt Jens-Uwe Theumer, Vice President Telecommunications bei Verivox. "Der jüngste Netzbetreiber 1&1 Drillisch hat sich im Gegensatz zu den Wettbewerbern bereits mit 1-Monats-Verträgen positioniert. Doch auch Hardware-Hersteller könnten ihre gestiegene Marktmacht nutzen: Würde zum Beispiel Apple selbst als Provider auftreten und eigene Tarife zu seinen iPhones anbieten, bräuchten die Kunden den Apple-Kosmos gar nicht mehr zu verlassen."

Doch eSIMs finden nicht nur in Smartphones Verwendung, sondern lassen sich in immer mehr vernetzten Geräten wie beispielsweise Smartwatches im Internet der Dinge einsetzen. "Wenn große Hersteller wie Apple oder Samsung bei ihren Smartphones auf Hybridlösungen verzichten und reine eSIM-Modelle anbieten, wird der Siegeszug der elektronischen SIM nicht mehr aufzuhalten sein", sagt Theumer.

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