News

Verdi ruft wieder zu Streiks bei Amazon auf

Die Gewerkschaft Verdi plant erneute Streikmaßnahmen bei Amazon: Am Standort Bad Hersfeld soll bereits in der Nacht zum Freitag die Arbeit niedergelegt werden.

30.05.2014, 00:01 Uhr (Quelle: DPA)
Amazon© Amazon

Die Gewerkschaft Verdi ruft die Beschäftigten des Online-Versandhändlers Amazon erneut zu zweitägigen Streiks auf. Am Standort Bad Hersfeld sollte die Arbeit bereits in der Nacht zum Freitag niedergelegt werden, in Leipzig am frühen Morgen, wie Verdi am Donnerstag mitteilte. Am Freitagvormittag sind jeweils Kundgebungen geplant - in Leipzig wird dazu Verdi-Chef Frank Bsirske erwartet.

Die Streikwelle bei Amazon läuft bereits ein gutes Jahr. Die Gewerkschaft will für die Mitarbeiter die besseren Konditionen des Einzelhandelstarifs erreichen. Amazon sieht sich aber als Logistiker, der mit seinen Löhnen am oberen Ende des Branchenüblichen liege. Das Unternehmen lehnt deshalb Tarifverhandlungen strikt ab.

Update vom 30. Mai, 15 Uhr: Laut Amazon hat Streik keine Auswirkungen auf den Versand

Nach Angaben der Gewerkschaft beteiligten sich am Freitag an beiden Standorten jeweils um die 300 Beschäftigte. Amazon teilte dagegen mit, die Reaktion auf den Streikaufruf sei "verhalten" gewesen. "Insgesamt sind weniger als 350 Mitarbeiter an den Standorten Bad Hersfeld und Leipzig nicht zur Arbeit erschienen." Die große Mehrheit habe gearbeitet, Auswirkungen auf den Versand habe es nicht gegeben.

Verdi-Chef Bsirske sieht die Streiks bei Amazon als Kulturkampf. "Amazon ist die zentrale Auseinandersetzung um die Zukunft der Arbeitsbedingungen in unserem Land", sagte er. "Wollen wir eine Amerikanisierung der Arbeitsbedingungen zulassen oder setzen wir ein faires Miteinander durch?" Verdi werde versuchen, weitere Standorte des US-Versandriesen in den Arbeitskampf mit einzubeziehen.

Verdi fordert von Amazon die Aufnahme von Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft will für die Mitarbeiter in den Versandzentren eine Bezahlung nach dem Einzelhandelstarif durchsetzen. Amazon lehnt das strikt ab. Man orientiere sich an der Logistikbranche und liege bei der Bezahlung am oberen Ende des dort Üblichen. Amazon-Beschäftigte erhalten im ersten Jahr 9,55 Euro brutto in der Stunde, im zweiten Jahr sind es 10,47 Euro. Dazu kämen unter anderem Weihnachtsgeld, Bonuszahlungen und Aktienpakete.

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang