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Verbraucherzentrale warnt vor Erlebnisauktionen

Die sogenannten Live- und Cent-Auktionen im Internet werben mit Lifestyleartikeln und Trend-Elektronik zum Schnäppchenpreis. Die Verbraucherschützer sehen hier eher eine Art Glücksspiel mit hohem Verlustrisiko.

08.02.2010, 14:06 Uhr
Datenverkehr© Julien Eichinger / Fotolia.com

Ein neuer Trend im E-Commerce sind sogenannte Live- und Cent-Auktionen, bei denen sich laut Werbung Elektronik- und Lifestyle-Artikel mit bis zu 96 Prozent Preisnachlass ersteigern lassen. Doch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt vor den neuartigen Onlineauktionen und bezeichnet sie als eine Art Glücksspiel mit hohem Verlustrisiko.
Gebote gegen Entgelt
Der entscheidende Unterschied zwischen den neuen Portalen mit Namen wie Dealstreet, Swoopo, Idasworld, Snipster oder Vipauktion und klassischen Einkaufs- und Versteigerungsportalen wie eBay sind die Kosten für Gebote. Während das Bieten bei den Internet-Klassikern kostenlos ist, werden bei den Neulingen für jedes Gebot mal 10 Cent, meist jedoch 50 Cent fällig.
Dafür werden Schnäppchen wie ein Apple iPhone für 50 Euro, ein Full-HD-TV im Großformat für 80 Euro oder eine Xbox für 17 Euro als Endpreis angepriesen. Vor allem zwei Arten des Bietens sind dabei beliebt. Da ist zum einen das Erraten des niedrigsten Preises, bei dem während eines festgelegten Zeitraums von meist wenigen Tagen Kaufgebote auf den Cent genau für einen Artikel abgegeben werden können. Gewinner ist dann der niedrigste Alleinbieter. Sobald also auf eine Zahl, etwa "1 Cent", ein zweites Gebot eingeht, ist diese Gewinnchance vertan. Eine solches Euro-Roulette betreiben unter anderem Hammerdeal und Vipauktion.
Zockerei um Schnäppchen
Die andere, häufiger anzutreffende Versteigerungs-Variante: Mit jedem kostenpflichtigem Gebot steigen die Preise um einen oder zwei, um fünf oder zehn Cent. Der Meistbietende erhält den Zuschlag und zahlt den zumeist recht niedrigen Höchstpreis sowie für jedes abgegebene Einzelgebot. Die Verbraucherzentrale hat vier dieser Portale genauer unter die Lupe genommen: Dealstreet und Idasworld sowie Snipster und Swoopo.
Das zeitliche Ende einer Auktion wird bei allen angekündigt, jedes Gebot jedoch verlängert den Schluss um bis zu 20 Sekunden. Obwohl Schnäppchenjägern bei Swoopo die Einblendung "Ende in wenigen Sekunden" entgegenflimmerte, konnte die Versteigerung noch über Stunden weiterlaufen. Käufer würden laut den Verbraucherschützern so verführt, auf das angepeilte Produkt nicht nur einmal, sondern zehn-, oder auch fünfhundertmal zu steigern. Sie könnten dafür umgerechnet fünf oder 250 Euro investieren und dennoch leer ausgehen. Automatische Biethilfen unterstützten dabei die risikoreiche Zockerei.
Direktkauf meist keine Preisknüller
Bei Swoopo habe sich sich selbst so mancher Gewinner als Verlierer entpuppt. Für einen "Black Glass Toaster", der für 76,95 Euro direkt zu erwerben war, investierte ein Kunde letztlich 106,30 Euro. Für ein Navigationsgerät im Wert von 213,95 Euro wurden 290,40 Euro bei einer Auktion gezaht. Die Geschäftsidee rechne sich derweil für die Betreiber, denn die kassierten dank der Gebote-Flut oft deutlich mehr als den üblichen Produktpreis. Idasworld, Swoopo und Snipster etwa, rechneten die Düsseldorfer Verbraucherschützer aus, brachten es in der Spitze auf mehr als das Dreifache der gängigen Preise. Dealstreet schaffte als Einnahme bei einem Handy gar das Fünffache gegenüber dem eigenen Vergleichspreis.
Zusätzlich bieten die Portalbetreiber leer ausgegangenen Mitspielern an, die verpassten Produkte direkt zu kaufen und dabei (Ausnahme Snipster) die verspielten Gebote-Euros anzurechnen. Doch Preisrecherchen per Suchmaschine hätten die Angebote keineswegs als Schnäppchen entlarvt. Alle 40 von der Verbraucherzentrale verglichenen Direktkauf-Artikel jedenfalls seien teurer als bei der Online-Konkurrenz gewesen - und das oftmals deutlich.

(Michael Posdziech)

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