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Verbraucherzentrale NRW warnt vor Internet-Lotto

Der aktuelle Lotto-Jackpot steigt am Samstag auf 35 Millionen Euro an. Verbraucherschützer warnen vor der Tippabgabe per Internet. Der Gewinn sei nicht mehr staatlich garantiert.

30.01.2009, 00:01 Uhr
Internet© arquiplay77 / Fotolia.com

Millionen hatten am Mittwoch vor dem Fernseher mitgefiebert als die runden Kugeln im Ziehungsgerät des Deutschen Lottoblocks über die Vergabe von 28 Millionen Euro entscheiden sollten. Doch das Lottoglück hatte alle Tipper verlassen, der Jackpot wurde nicht geknackt und steigt daher bei der nächsten Ziehung am Samstag auf rund 35 Millionen Euro an.
Online-Abgabe über Umwege
Da das Lottospielen im Internet seit Anfang 2009 verboten ist, herrschte reger Andrang in den Lotto-Annahmestellen. Anbieter wie Tippbay, Millionenchance oder Faber mit Firmensitz in Deutschland halten sich an das Online-Lottoverbot und weisen auf ihren Internetseiten auch darauf hin. Dennoch bieten einige Lotto-Anbieter über den Umweg Großbritannien weiterhin das Internet-Lotto im Netz an.
Internet-Lotto mit Einschränkungen möglich
Zwar geben Unternehmen wie etwa Tipp24 den Hinweis, dass das Online-Tippen nur außerhalb Deutschlands juristisch möglich sei, doch eine Sperrung von Tippern mit deutschen IP-Adressen findet nicht statt. Der Spieler muss bei Abgabe des Spielscheins lediglich den Hinweis von Tipp24 bestätigen. Vor wenigen Tagen hatte Tipp24 in Deutschland einen juristischen Teilerfolg erzielt: Internet-Lotto ist teilweise wieder erlaubt. Die Lottogesellschaft Rheinland-Pfalz muss vorerst wieder Lottoscheine von Tipp24 annehmen, allerdings nur von Rheinland-Pfälzern, die ihre Spielteilnahme per Abonnement schon 2008 in Auftrag gegeben hatten. Die Lottogesellschaft hat bereits ihren Einspruch gegen das Urteil angemeldet. Die Verbraucherzentrale NRW warnt allerdings angesichts des grassierenden Lottofiebers vor dem Lottospiel im Internet. Die staatliche Garantie für die Auszahlung der Gewinne entfalle beim Tippen über einen ausländischen Anbieter.
Staatliche Garantie entfällt
Auf der Homepage von Jaxx werden Internetsurfer aufgefordert die Hotline zu kontaktieren, um auch weiterhin mitspielen zu können. Ein englischer Buchmacher nehme Wetten auf den Ausgang der deutschen Lotto-Ziehungen an. Die Gewinne würden "ganz normal" in voller Höhe entsprechend den Gewinnquoten des deutschen Lottoblocks ausgezahlt. Tipp24 verarbeitet die Spielscheine dagegen in England durch den Veranstalter MyLotto24. An der Hotline würde Tipp24 nach Angaben der Verbraucherzentrale Kunden die Auskunft geben, dass dieses Vorgehen "völlig legal" sei.
Iwona Gromek, Juristin der Verbraucherzentrale NRW, rät jedoch derzeit in Deutschland lebenden Personen davon ab, online Lotto zu spielen. Nur bei Spielscheinabgabe in einer der bundesweit rund 23.700 Lotto-Annahmestellen sei der Gewinn staatlich und nicht durch eine private britische Firma garantiert.
Tipp24-Chef: Gerichtsverfahren laufen in allen Bundesländern
In einem Beitrag des Blogs Basic Thinking nimmt Jens Schumann, Vorstandsvorsitzender von Tipp24, Stellung zu den Vorwürfen: "Der deutsche Staat wirbt massiv für ein Produkt, was im Internet nicht mehr vermittelt werden darf", so Schumann. Dies sei absurd. Tipp24 sei daran interessiert in Deutschland bald wieder Internet-Lotto anbieten zu können. Daher habe sein Unternehmen in allen 16 Bundesländern gerichtliche Schritte eingeleitet. Erste positive Entscheidungen habe es in Rheinland-Pfalz und Berlin gegeben. Überprüft werde der überarbeitete Glücksspiel-Staatsvertrag auch von der EU-Kommission. Fraglich sei, ob das Verbot des Online-Lotto mit der europäischen Dienstleistungsfreiheit vereinbar ist.

(Jörg Schamberg)

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