Spiele

Verbraucherschützer warnen: Gratis-Handyspiele oft teurer als Konsolenspiele

Die Verbraucherzentrale NRW hat beliebte Gratis-Handyspiele getestet. Viele Spiele sind zwar grundsätzlich kostenlos zu spielen, es werden aber zahlreiche Zusatzleistungen angeboten, deren Kosten sich schnell aufsummieren können. Die Methoden, um dies zu erreichen, sind perfide.

20.06.2014, 11:28 Uhr
Handy Telefonat© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Die Verbraucherzentrale NRW hat beliebte Gratis-Handyspiele getestet. "Candy Crush Saga", "Hill Climb Racing" und "Pou" sind zwar grundsätzlich kostenlos zu spielen, es werden aber zahlreiche Zusatzleistungen angeboten, deren Kosten sich schnell aufsummieren können. Die Methoden, um dies zu erreichen, sind perfide. Mancher gibt am Handy mehr Geld aus, als ein Spiel mit aufwändiger Grafik für Konsole und HD-Fernseher kostet.

Ständige Frustration führt zum Impulskauf

Die Spiele-Entwickler setzen dabei auf Zeit. Wer "Candy Crush Saga" zu häufig verliert, muss 30 Minuten pausieren. Das Sammeln von Goldmünzen in "Hill Climb Racing" kann Stunden dauern. Bei "Clash of Clans" dauert der Bau eines Gebäudes durchaus mehr als eine Woche. Wen das Warten frustiert, kann gegen Geld auch den Turbo anschalten und den Spielverlauf beschleunigen.

"Um alle Level zu öffnen und alle Fahrzeuge zu kaufen, sind zehn bis fünfzehn Stunden intensiven Spiels erforderlich. Wenn man viele Münzen kauft, schafft man es dagegen in Sekunden", so Jarkko Paalanen von "Fingersoft”, der Entwicklerfirma von "Hill Climb Racing".

Kleine Beträge summieren sich auf

"Candy Crush Saga" nimmt für fünf neue Leben 0,89 Euro. Im ähnlich aufgebauten "Jelly Splash" war ein Mindesteinsatz von 1,79 Euro fällig. Einen "Rallywagen" für Hill Climb Racing gab es für 4,49 Euro - ohne ihn aufgemotzt zu haben. Da es auch absehbar ist, dass eine einzige kostenpflichtige Zusatzleistung nicht ausreicht, werden oft sogar ganze Pakete angeboten. Beim Autorennspiel "GT Racing 2" werden zwischen 0,89 Euro und 26,99 Euro dafür fällig.

Der Spieler hat kaum im Blick, wie sehr sich die vielen kleinen Käufe zu einer großen Summe addieren. Eine vom Hersteller gesetzte Obergrenze, wie viel die Spieler ausgeben können, suchten die Verbraucherschützer vergeblich.

Mehr Umsatz mit Freemium-Apps als mit kostenpflichtigen

Für die "Candy Crush Saga" öffnen laut Verbraucherzentrale zwei von fünf Zockern die Geldbörse. Susannah Clarks von der Firma King hat andere Zahlen zur Hand: "60 Prozent geben keinen Cent aus." Es sei auch nahezu unmöglich, mehr als 20 Dollar pro Level auszugeben. Allerdings wird mit "über 400 Leveln" geworben.

Um echte Gratis-Angebote handelt es sich selbstverständlich nicht, wenn zwar die Installation kostenlos ist, aber sogenannte App-In-Käufe vorgenommen werden können. In den App-Stores wird mittlerweile mehr Umsatz mit diesen Freemium-Apps gemacht als mit kostenpflichtigen.

Verbraucherschützer raten zum Selbstschutz

Bei den umsatzstärksten Spielen für das iPhone handelte es sich bereits im vergangenen Jahr überwiegend um Gratis-Spiele. In-App-Käufe machen drei Viertel des Umsatzes des Apple App Stores aus, so die Marktforscher von Distimo.

Die Verbraucherschützer haben nur einen einzigen Rat parat: Selbstschutz. Sie empfehlen schlichtweg, das Smartphone oder Tablet für In-App-Käufe zu sperren.

(Peter Giesecke)

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