Gigabit-Strategie

Verbände fordern von Bundesregierung Vorfahrt für Gigabit-Anschlüsse

Flächendeckend 50 Mbit/s bis 2018 reicht den fünf Telekommunikationsverbänden ANGA, BREKO, BUGLAS, VATM und FTTH Council Europe nicht aus. Die Bundesregierung müsse schnell eine zukunftsfähige Gigabit-Strategie vorlegen.

Jörg Schamberg, 07.09.2016, 15:56 Uhr
Glasfaser AnschlussGlasfaser und 5G: Nur mit diesen Technologien lassen sich laut den Verbänden zukunftsfähige Gigabit-Netze errichten.© Silvano Rebai / Fotolia.com

Berlin – Die derzeitige Breitbandstrategie der Bundesregierung sieht bis 2018 die flächendeckende Bereitstellung von Internetanschlüssen mit Surfgeschwindigkeiten von mindestens 50 Mbit/s vor. Doch die Telekommunikationsverbände ANGA, BREKO, BUGLAS und VATM sowie der FTTH Council Europe drängen auf Ziele, die über das Jahr 2018 hinausgehen. Anlässlich ihres derzeit in Berlin stattfindenden Breitbandsymposiums forderten sie am Mittwoch in einem gemeinsamen Thesenpapier von der Bundesregierung eine Gesamtstrategie für die Gigabit-Gesellschaft. Bis spätestens 2025 sollten sowohl per Festnetz als auch per Mobilfunk Gigabit-Bandbreiten für die privaten Haushalte und Unternehmen verfügbar sein.

Gigabit-Speed nur per Glasfaser und 5G erreichbar

Eine digitale Spaltung dürfe es bei den Gigabit-Netzen nicht mehr geben. Der Turbo-Speed müsse nicht nur in städtischen Gebieten, sondern auch in ländlichen Regionen nutzbar sein. Solche gigabitfähigen Netze ließen sich im Festnetz durch Glasfaserleitungen erreichen, die entweder bis in die Gebäude (FTTB oder G.Fast) bzw. bis in die Wohnung (FTTH) verlegt werden. Im Mobilfunk biete der Einsatz von 5G entsprechende Bandbreiten.

"Wir erleben gerade eine digitale Revolution. Bald werden nicht mehr nur unsere Smartphones und Tablets, sondern im Grunde alles, was wir nutzen – von Autos, Ampeln bis hin zu Kühlschränken – von der Verfügbarkeit extrem hochleistungsfähiger Internetverbindungen abhängen", betonte Erzsebet Fitori, Director General des FTTH Council Europe. "Glasfaserbasierte Netzanbindungen sind die Grundlage für das Digitale Zeitalter. Deshalb sollte der Ausbau im Wettbewerb ganz oben auf der politischen Agenda stehen", so Fitori weiter.

Ausbau der Gigabit-Netze muss erheblich beschleunigt werden

VDSL und Vectoring könne den Bandbreitenbedarf bestimmter Nutzergruppen laut VATM-Präsident Martin Witt bereits heute schon nicht mehr ausreichend befriedigen. "Wenn wir den Bandbreiten-Bedarf und die Nachfrage nach anderen Qualitätsparametern auch künftig abdecken wollen, müssen wir den Ausbau der Gigabit-Netze erheblich beschleunigen, und zwar im Wettbewerb", fordert Witt. Er verwies darauf, dass die alternativen Netzbetreiber in Deutschland rund dreimal so viel an Gigabit-fähigen Infrastrukturen ausbauten wie die Deutsche Telekom (www.telekom.de/dsl Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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).

Damit private Investitionen weiterhin in den Netzausbau fließen können, sei aus Sicht von ANGA-Vorstandsmitglied Dr. Wolf Osthaus ein entsprechender investitionsfreundlicher Ordnungsrahmen erforderlich. "Die alternativen TK-Anbieter investieren jährlich rund 4,2 Milliarden Euro in ihre Netze. Die Politik sollte daher auch zukünftig auf Wettbewerb und eigenwirtschaftlichen Ausbau von Gigabit-Netzen setzen", so Osthaus.

Glasfaser als zentrale Basis-Infrastruktur

Ehrgeizige, in die Zukunft gerichtete Infrastrukturziele müssten schnell her, betonte BUGLAS-Vorstandsmitglied Patrick Helmes. "Dabei kommt der Glasfaser als Basis-Infrastruktur die zentrale Rolle zu. Sie muss unabhängig von der jeweiligen Anschlusstechnologie so flächendeckend wie möglich ausgerollt werden", unterstrich Helmes.

Das marktbeherrschende Unternehmen müsse auch weiter reguliert werden. BREKO-Vorstandsmitglied Karsten Schmidt sprach sich für einen langfristig angelegten und stabilen Regulierungsrahmen aus. Schmidt kritisierte die aktuelle Entscheidung der Bundesnetzagentur zum Ausbau von Vectoring im Nahbereich, die zugunsten der Telekom ausgefallen sei. "Damit wird der Infrastrukturausbau im Wettbewerb in keiner Weise gefördert. Der Wegfall des physischen Zugangs zur letzten Meile ist nach heutigem Stand nicht zu kompensieren.“

Wahljahr 2017: Verbände machen Druck auf die Politik

Bei der Förderung von Breitbandausbau-Projekten fordern die Verbände eine Fokussierung auf gigabitfähige Technologien. Eine Überbauung vorhandener NGA-Netze mit Hilfe von Fördermitteln müsse verhindert werden. Angesichts der im kommenden Jahr anstehenden Bundestagswahlen wollen die Verbände mit ihrem nun vorgelegten Thesenpapier mit breitbandpolitischen Forderungen die Politik zur Entwicklung einer Gigabit-Strategie bewegen.

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