Breitbandausbau

Verbände fordern Gigabit-Strategie von nächster Bundesregierung

Die kommende Bundesregierung ist noch nicht gewählt, doch die Telekommunikationsverbände ANGA, BREKO, BUGLAS und VATM sowie das FTTH Council Europe stellen bereits jetzt Anforderungen an die künftige Breitbandpolitik der neuen Regierung.

Jörg Schamberg, 06.09.2017, 11:17 Uhr
Glasfaserkabel© zentilia / Fotolia.com

Berlin – In knapp drei Wochen steht die Bundestagswahl an. Schon jetzt richteten die führenden deutschen Telekommunikationsverbände ANGA, BREKO, BUGLAS und VATM sowie das FTTH Council Europe in einer gemeinsamen Pressemitteilung eine Forderung an die nächste Bundesregierung. Die Verbände drängen Berlin zu einer klaren Gigabit-Strategie. Gigabit-Anschlüsse sollten sowohl für Bürger als auch für Unternehmen flächendeckend verfügbar sein.

Flächendeckende Gigabit-Netze in Deutschland erforderlich

Damit dies erreicht werden könne, müsse die neue Bundesregierung "die richtigen Anreize" für den Ausbau von Gigabit-Anschlussnetzen setzen. Als Grundlage dafür werde eine Gigabit-Strategie benötigt. Auf dem am Dienstag in Berlin stattfindenden dritten Symposium "Der Weg in die Gigabit-Gesellschaft" stellen die Telekommunikationsverbände vier aus ihrer Sicht zentrale Anforderungen an die Breitbandpolitik der künftigen Bundesregierung vor. Einig sind sich alle Verbandsvertreter: "Deutschland, die stärkste Volkswirtschaft Europas, braucht flächendeckend Gigabit-Netze als zentrale Zukunftsinfrastruktur."

Die nächste Bundesregierung solle klar auf echte Gigabit-Infrastrukturen setzen. Das seien etwa Glasfaseranschlüsse bis in alle Gebäude (FTTB) oder bis direkt in die Wohnung (FTTH). Auch hybride Glasfaser-Koax-Netze (HFC), die die Kabelnetzbetreiber verwenden, gelten als zukunftsfähig.

Übergangstechnologien wie Vectoring nicht zukunftsfähig

Auf Basis der alten Kupferdoppelader genutzte Übergangstechnologien, zu denen auch Vectoring gehört, könnten künftige Qualitätsanforderungen wie symmetrische Bandbreiten, Verfügbarkeit, Latenz und Zuverlässigkeit dagegen nach Ansicht der Verbände nicht erfüllen. Internetanschlüsse würde künftig immer schneller und qualitativ besser werden müssen. Bis 2025 würden 12,2 Millionen Haushalte sowie ca. 300.000 Unternehmen Breitbandanschlüsse mit Geschwindigkeiten von 1 Gbit/s und mehr im Download sowie von 600 Mbit/s und mehr im Upload nachfragen. Dies wäre fast ein Drittel aller Haushalte und Unternehmen. Rund 18,4 Millionen Haushalte würden bis dahin nach 500 Mbit/s bis 1 Gbit/s schnellen Internetanschlüssen nachfragen.

Die alternativen Netzbetreiber hätten in den vergangenen zehn Jahren mehr als 53 Prozent der Investitionen in den Breitbandausbau übernommen. Dies sei eine Investitionssumme von mehr als 40 Milliarden Euro. Bei den heute verfügbaren Glasfasernetzen per FTTB/FTTH läge der von den Wettbewerbern errichteten Anschlüssen bei über 80 Prozent. Die HFC-Netzbetreiber hätten zudem mit der Aufrüstung auf den Gigabit-Standard DOCSIS 3.1 begonnen.

Wettbewerber treiben Telekom zu Investitionen in den Netzausbau

Dank der Ausbauaktivitäten der Wettbewerber würde auch die Deutsche Telekom zu Investitionen in den Breitbandausbau angetrieben. Nach Ansicht der Verbände würde die Konkurrenz durch die Wettbewerber die Telekom selbst zu Investitionen in echte Glasfaser motivieren. Die marktbeherrschende Stellung der Telekom bestehe auch 2017 noch. So verweisen die Verbände auf einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent im Anschlussbereich.

Regulierung der Telekom soll weiter gelten

Eine pauschale Entlassung aus der Regulierung dürfe es daher nicht geben. Die Branchenverbände sprechen sich klar gegen eine Ausweitung der Regulierung auf alle Marktteilnehmer aus. Bei einem solchen Schritt wären geplante Investitionen der alternativen Netzbetreiber gefährdet. Die neue Bundesregierung müsse sich "für einen langfristig berechenbaren und stabilen Regulierungsrahmen einsetzen" – auch auf EU-Ebene.

Förderung speziell von Gigabit-Anschlussnetzen

Bei der Vergabe von Fördermittel sollte außerdem künftig die Errichtung von Gigabit-Anschlussnetzen vorrangig im Fokus stehen. Ein Überbau von bereits bestehenden Gigabit-Infrastrukturen müsse verhindert werden. Ein Gigabit-Ziel bis zum Jahr 2025 solle definiert werden.

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