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Ver.di macht Druck auf Amazon: Drei Tage Streik in Bad Hersfeld und Leipzig

Die beiden ältesten Amazon.de-Standorte in Leipzig und Bad Hersfeld sollen ab Donnerstag drei Tage lang bestreikt werden. Die Gewerkschaft will einen Tarifvertrag für die Beschäftigten des Online-Versandhändlers durchsetzen.

19.09.2013, 11:01 Uhr
Amazon© Amazon

Wer aktuell Bücher, CDs oder andere Artikel aus dem riesigen Warensortiment von Amazon.de bestellt, muss eventuell mit längeren Lieferzeiten rechnen. Die Gewerkschaft Ver.di hat am Mittwoch erneut Streiks angekündigt. Und dieses Mal dauern sie nicht nur einen Tag.

Drei Tage Arbeitskampf

Bereits seit Monaten gibt es immer wieder Streiks an den Amazon-Standorten in Deutschland. Ab Donnerstag, 19. September, sollen nun die beiden ältesten Logistik-Standorte des Online-Versandhändlers in Leipzig und Bad Hersfeld bestreikt werden. Diesmal sollen die dortigen Amazon-Mitarbeiter ihre Arbeit laut Ver.di gleich für drei Tage niederlegen.

Die Gewerkschaft verstärkt den Druck auf den US-Konzern, um einen Tarifvertrag für die Beschäftigen in Deutschland durchzusetzen. Nach Angaben von Ver.di werden die Mitarbeiter nicht nach Tarif, sondern nach einem firmeneigenen Vergütungssystem bezahlt. Die Bezahlung liege "deutlich unter den Tarifen des Einzel- und Versandhandels".

Nach Angaben der Gewerkschaft sei der Einstiegslohn in Bad Hersfeld bei 9,83 Euro pro Stunde angesiedelt, müsste aber bei 12,18 Euro liegen. In Leipzig erhielten die Mitarbeiter nach dem Stand von Juni dieses Jahres 9,30 Euro statt üblicherweise 10,66. Euro. In Bad Hersfeld waren im Sommer rund 3.300 und in Leipzig rund 2.000 Beschäftigte angestellt. Knapp die Hälfte der Mitarbeiter verfügt nur über befristete Arbeitsverhältnisse.

Bernhard Schiederig Streik- und Verhandlungsleiter für Ver.di in Bad Hersfeld betont: "Es kann nicht hingenommen werden, dass Amazon keine Tarifverträge anwendet und sich zu Lasten der Beschäftigten Konkurrenzvorteile verschafft".

Ver.di droht mit Streiks im Weihnachtsgeschäft

Für Amazon.de könnten weitere streikbedingte Auszeiten gerade in den kommenden Monaten besonders schmerzhaft werden: "Amazon muss mit weiteren Streiks rechnen und das wird besonders im Weihnachtsgeschäft weh tun", erklärt Jörg Lauenroth-Mago, zuständig für das Leipziger Versandzentrum. "Wir werden nicht zulassen, dass die Nr. 1 unter den Versandhändlern sich an üblichen Tarifstandards vorbeimogelt", so Lauenroth-Mago. In den vergangenen Monaten waren aufgrund der Streiks bei Amazon unzählige Pakete liegengeblieben.

Am Freitag ist ab 10:30 Uhr ein gemeinsamer Demonstrationszug der Streikenden der beiden Amazon-Standorte durch Leipzig geplant. Anschließend soll um 12:30 Uhr eine Kundgebung auf dem Augustusplatz stattfinden.

(Jörg Schamberg)

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