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Vectoring: Telekom soll alleinige Kontrolle über Kabelverzweiger erhalten

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) will der Deutschen Telekom den Ausbau ihres Breitbandnetzes mit VDSL-Vectoring genehmigen – allerdings nur unter Bedingungen.

09.04.2013, 11:49 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) will der Deutschen Telekom den Ausbau ihres Breitbandnetzes mit VDSL-Vectoring genehmigen – allerdings nur unter Bedingungen. Dies hat ein Entscheidungsentwurf zum Inhalt, den die BNetzA am Dienstag veröffentlicht hat. Der Einsatz der Vectoring-Technik soll Downloads mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) und Uploads mit bis zu 40 Mbit/s ermöglichen. Allerdings verlieren die Wettbewerber unter Umständen ihren Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung (TAL).

Vectoring nur möglich, wenn es eine Alternative über TV-Kabel oder Glasfaser gibt

Um Vectoring einsetzen zu können, hatte die Telekom die Entlassung aus der Entbündelungsverpflichtung am Kabelverzweiger (KVz) beantragt. Der Ex-Monopolist beanspruchte also wieder die alleinige Kontrolle über die Teilnehmeranschlussleitung (TAL) vom Schaltverteiler bis in die Wohnung des Kunden. Dies will die BNetzA nur in Gebieten erlauben, wo Dreiviertel der Gebäude über einen alternativen physischen Breitbandzugang verfügen, also über Fernsehkabel oder Glasfaser. Der Kunde müsste mit dem Anbieter also auch die Technik wechseln.

Eine weitere Bedingung ist, dass die Telekom in dem betroffenen Ortsnetz mehr VDSL-Zugänge unterhält als die Wettbewerber und ihnen die Mitbenutzung in Form eines angemessenen Bitstromprodukts anbietet. Wo dies nicht gegeben ist, kann die Telekom nicht den Zugang zur KVz-TAL verweigern. Wettbewerber, die zuerst den Kabelverzweiger für Breitband-Internet erschlossen haben, müssen dort aber ab 2017 ihrerseits Vectoring einsetzen und einen Bitstromzugang anbieten. Wo dies nicht der Fall ist, könnte die Telekom den Konkurrenten verdrängen.

Telekom will bis 2020 sechs Milliarden Euro investieren

Durch Einsatz der Vectoring-Technik in den Kabelverzweigern werden elektromagnetische Störungen zwischen den Kupferdoppeladern ausgeglichen. Dazu werden die Störsignale gemessen und mittels eines phaseninvertierten Signals kompensiert. Dazu müssen allerdings alle Leitungen von einem Anbieter kontrolliert werden. Die Schaltkästen selbst werden per Glasfaser angeschlossen.

"Fibre to the Curb" soll aber bloß ein Zwischenschritt für "Fibre to the Home" sein, also dem Glasfaseranschluss der einzelnen Haushalte. Die Telekom will bis 2020 sechs Milliarden Euro in den Netzausbau mit Vectoring investieren. 24 Millionen Haushalte sollen die neuen Bandbreiten dann nutzen können.

Bundesnetzagentur: "Rahmenbedingungen für alle verlässlich und berechenbar"

"Mit unserem Entwurf tragen wir insbesondere dem für das Erreichen der Breitbandziele der Bundesregierung wichtigen Regulierungsziel eines beschleunigten Ausbaus von hochleistungsfähigen Telekommunikationsnetzen der nächsten Generation Rechnung. Darüber hinaus gewährleistet unser Vorschlag, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen für alle verlässlich und berechenbar bleiben", so Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

Und weiter: "Bereits getätigte Investitionen werden nicht entwertet und Investitionsanreize in moderne Infrastruktur werden gestärkt. Gemeinsam mit dem vor Kurzem veröffentlichten Entscheidungsentwurf zu den TAL Entgelten sorgen wir so dafür, dass es attraktiv ist, den Kabelverzweiger zu erschließen und damit den Breitbandausbau in Deutschland weiter voranzutreiben."

Bis zum 10. Mai 2013 kann zu dem Entwurf schriftlich Stellung genommen werden, am 24. April findet eine öffentliche mündliche Anhörung statt. Anschließend können noch EU-Kommission und die Regulierungsbehörden der übrigen EU-Mitgliedstaaten innerhalb eines Monats Stellungnahmen abgeben. Sofern es keine ernsthaften Bedenken gibt, kann die Entscheidung anschließend in Kraft treten.

(Peter Giesecke)

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