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VDSL: BREKO wirft der Telekom Täuschung vor

Ein Gutachten hat ergeben, dass das VDSL-Netz der Telekom an keinen "völlig neuen Markt" adressiert sei. Eine Befreiung von der staatlichen Regulierung sei daher unzulässig.

07.05.2006, 11:00 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Wird das neue VDSL-Netz der Telekom tatsächlich an einen völlig neuen Markt adressiert? Der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) hat daran nach einem Bericht der "Welt am Sonntag" erhebliche Zweifel. Ein vom BREKO in Auftrag gegebenes Gutachten, das auch der Redaktion von onlinekosten.de vorliegt, soll belegen, dass die Telekom keinen bislang noch nicht vorhandenen Markt erschließe. Es werde vielmehr deutlich, dass der ehemalige Monopolist nur technische Hindernisse in seinem bestehenden DSL-Netz ausgleichen wolle. Damit wolle die Telekom, die für das neue Netz eine Befreiung von staatlicher Regulierung fordert, den Wettbewerbern "das Wasser abgraben", wie BREKO-Präsident Peer Knauer der Zeitung sagte.
Problem: Zu lange TAL
Aus dem Gutachten lässt sich ablesen, dass mehr als jeder dritte Telefonanschluss in Deutschland nicht in der Lage ist, im Downstream die Übertragungsgeschwindigkeit von 16 Megabit pro Sekunde zu überschreiten. Als Grund wird die Länge der Teilneheranschlussleitungen (TAL) genannt. In den Top-10-Städten, in denen die Telekom ab Juni mit der Vermarktung von VDSL-Anschlüssen beginnen will, können gemäß dem Gutachten an 34 Prozent der vorhandenen ADSL2(+)-Anschlüsse nicht mehr als 16 Mbit/s im Downstream realisiert werden. An 93 Prozent der Anschlüsse sei es nicht möglich mit über 20 Mbit/s zu surfen. Der Verband wirft der Telekom vor, mit ihrem angekündigten Hochgeschwindigkeitsnetz nur die technischen Macken des bestehenden ADSL2(+)-Netzes überwinden zu wollen.
Dies sei ein Indiz dafür, dass die Telekom vor allem die Vermarktung von Diensten anstrebe, die grundsätzlich auch über ADSL2(+) realisierbar wären, aber auf Grund der Entfernungen zwischen Anschluss und Hauptverteiler nicht auch nur annähernd flächendeckend angeboten werden könnten, heißt es weiter. Somit adressiere die Telekom mit ihrem neuen VDSL-Netz "keinen völlig neuen Markt". "Das Ergebnis unserer Untersuchung zeigt, dass die Telekom ihre Konkurrenten mit unlauteren Mitteln bekämpft", so Knauer.
Telekom weist Vorwürfe zurück
Die Telekom sieht die Vorwürfe als unbegründet an. Der Bonner Konzern sehe das Gutachten als Bestätigung der eigenen Argumentation. Denn für viele sei das neue VDSL-Netz erst die Voraussetzung dafür, künftige Anwendungen wie Fernsehen über das DSL-Kabel nutzen zu können.
Trotzdem bleibt weiter umstritten, ob der Telekom der Wunsch gewährt werden sollte, bei ihrem Netz von der Regulierung durch die Bundesnetzagentur ausgenommen zu werden. Die Telekom hatte angedroht, nur unter diesen Umständen drei Milliarden Euro in den Ausbau des VDSL-Netzes zu investieren. Das Bundeswirtschaftsministerium hat bereits durchblicken lassen, die Telekom unterstützen zu wollen. Das wiederum rief den Widerstand der Europäischen Kommission auf den Plan. Sie würde eine Regulierungsausnahme nur dann zulassen, wenn es sich bei dem VDSL-Netz um einen neuen Markt handelt.

(Hayo Lücke)

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