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VATM und BREKO begrüßen überarbeiteten Vectoring-Entwurf

Die Branchenverbände reagieren positiv auf den von der Bundesnetzagentur überarbeiteten Entscheidungsentwurf zur Vectoring-Einführung. Investoren könnten nun ihren "Fuß von der Bremse nehmen", der Breitbandausbau könne weitergehen.

10.07.2013, 16:31 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Nach monatelangen heftigen Debatten um die Einführung der Vectoring-Technologie in Deutschland hatte die Bundesnetzagentur am Dienstag einen überarbeiteten Vectoring-Entscheidungsvorschlag an die EU-Kommission zur Stellungnahme übermittelt. Die deutschen Branchenverbände VATM und BREKO, die in der Vergangenheit besonders heftige Kritik an den Vectoring-Plänen der Deutschen Telekom geübt hatten, zeigten sich in ersten Reaktionen am Mittwoch zufrieden mit den Korrekturen der Bonner Regulierungsbehörde an dem im April vorgelegten ersten Vectoring-Entscheidungsentwurf. Investoren könnten nun den "Fuß von der Bremse nehmen", hieß es etwa beim Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e. V. (VATM).

VATM: Chancengleichheit dank Vectoring-Liste

Der VATM zeigt sich über die Aufnahme von konkreten Verbesserungsvorschlägen in den Vectoring-Entwurf erleichtert. Das Ziel, den Breitbandausbau in den ländlichen Gebieten zu fördern, werde aus Sicht des VATM bis auf wenige noch bestehende Kritikpunkte insgesamt erfüllt. VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner bemängelt denn beispielsweise, dass der "Deutschen Telekom nach wie vor ein einseitiges Kündigungsprivileg an den Kabelverzweigern (KVz) eingeräumt" werde.

Dagegen begrüßte der Verband die Einführung einer sogenannten "Vectoring-Liste", die den Wettbewerbern Rechtssicherheit und Chancengleichheit bei der Reservierung von KVz-Erschließungen bringen soll. Als positiv stufte der VATM zudem die neuen Kündigungsschutzregeln für "Ersterschließer" ein, die für den Breitbandausbau staatliche Förderungen erhalten haben. "Das bedeutet Planungssicherheit für den Ausbau in schlecht versorgten Gebieten und genau dies war ein zentraler Verbesserungsvorschlag des VATM", betont Grützner. Zudem sei die Bundesnetzagentur auch hinsichtlich eines Bitstrom-Vorleistungsproduktes den "Marktrealitäten gefolgt". Beim Vectoring-Start werde es als Übergangslösung zunächst ein Layer-3-Vorprodukt der Telekom geben, später werde dann ein weiterentwickeltes Layer-2-Vorprodukt verfügbar sein.

"Mit dieser Entscheidung setzen wir endlich wieder Maßstäbe für Europa und einen klar wettbewerbsorientierten Binnenmarkt. Neue Technologien und die Märkte der Zukunft dürfen keinesfalls den Ex-Monopolisten überlassen werden, wie von diesen gerade kürzlich wieder in Brüssel gefordert wurde", so Grützner weiter. "Die Korrekturen der Bundesnetzagentur sind richtig und wichtig für einen funktionierenden Wettbewerb. Jetzt können wir uns in den nächsten Wochen voll auf den angekündigten Ausbau von 35 Städten im Nordwesten Deutschlands konzentrieren", erklärte VATM-Präsidumsmitglied Norbert Westfal, zugleich Geschäftsführer der EWE TEL. Auch die Berliner DNS:NET will den Breitbandausbau nun wieder vorantreiben. "Nachdem wir einige unserer Ausbaupläne auf Eis legen mussten, kann es nach dieser Entscheidung auch mit Berlin-Gatow losgehen", sagte DNS:NET-Geschäftsführer Alexander Lucke.

BREKO: Richtige Weichenstellung für Glasfaserinvestitionen

Positive Reaktionen auch beim Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO), der die von der Bundesnetzagentur vorgenommenen "deutlichen" und "erheblichen" Verbesserungen der Vectoring-Regularien begrüßte. Nun könnten sowohl die Telekom als auch die Wettbewerber die neue Vectoring-Technologie "weitgehend chancengleich einsetzen". Der BREKO sieht die Entscheidung als "richtige Weichenstellung für Glasfaserinvestitionen in Deutschland". Das geplante Vectoring-Register werde zwar von der Telekom geführt, doch die Bundesnetzagentur könne kontrollierend und korrigierend eingreifen. Im ersten Entwuf hatte der BREKO noch die intransparenten Vectoring-Planungen in den internen Systemen der Telekom kritisiert. "Ich freue mich, dass es im Dialog mit der Beschlusskammer gelungen ist, mit dem Vectoring-Register ein transparentes und faires System für die Planung und Koordinierung des Vectoring-Ausbaus zu entwickeln", betont BREKO-Präsident Ralf Kleint.

Erfreut zeigte sich der Verband auch über den erweiterten Schutz der Wettbewerber vor einer Kündigung des Zugangs am KVz. Der Breitbandausbau in Deutschland erhalte einen "wichtigen Impuls". Ähnlich positiv äußert sich auch BREKO-Geschäftsführer Stephan Albers, der die Entscheidung der Netzagentur als großen Schritt in die richtige Richtung bezeichnet. Doch der BREKO sieht an manchen Stellen durchaus noch Verbesserungsbedarf. Der Bestandsschutz für die KVz-Erschließung von Wettbewerben in Gebieten mit einer parallelen Festnetzinfrastruktur (Kabel) bleibe beispielsweise weiter eingeschränkt.

(Jörg Schamberg)

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