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VATM TK-Marktstudie 2014: Zahl der Breitbandanschlüsse steigt auf 29,4 Millionen

Der Breitbandmarkt wächst weiter, aber explodiert nicht, so Breitbandexperte Torsten J. Gerpott bei der Vorstellung der VATM TK-Marktstudie. Die Umsätze sinken, mobiles Internet legt weiter auf Kosten von SMS zu.

28.10.2014, 14:31 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Wie hat sich der Telekommunikationsmarkt in Deutschland in diesem Jahr entwickelt? Umfangreiche Antwort darauf gibt wie in den Vorjahren die aktuelle, detaillierte TK-Marktstudie (PDF) des Branchenverbandes VATM, die Breitbandexperte Torsten J. Gerpott von Dialog Consult zusammen mit dem neuen VATM-Präsidenten Martin Witt am Dienstag in Düsseldorf vorstellte. Unter die Lupe genommen wurden sowohl der Festnetzmarkt als auch der Mobilfunkmarkt. Einige der Ergebnisse: Die Umsätze im TK-Markt schrumpfen nach wie vor leicht, Breitband legt ein wenig zu. Mobiles Internet wächst auf Kosten von SMS.

Deutscher TK-Markt ist 58,3 Milliarden Euro schwer

Im deutschen TK-Markt werden 2014 voraussichtlich rund 58,3 Milliarden Euro umgesetzt, ein Minus von 0,7 Milliarden Euro bzw. 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 42,5 Prozent der Umsätze (24,8 Milliarden Euro) werden im Mobilfunkbereich generiert, auf das Festnetz entfallen 28,4 Milliarden Euro. Mit Blick auf die Umsätze erreichte die Deutsche Telekom mit ihrem Festnetz- und Mobilfunkangebot einen Marktanteil von 35,8 Prozent (20,9 Milliarden Euro), die Telekom-Wettbewerber kamen auf 55,4 Prozent Marktanteil (32,3 Milliarden Euro). Mit einem Umsatz von 5,7 Milliarden Euro sicherten sich die Kabelnetzbetreiber einen Marktanteil von 8,7 Prozent.

Im Festnetz-Markt gehen die Umsätze der Telekom 2014 aufgrund von Kundenabwanderungen und einem scharfen Preiswettbewerb voraussichtlich um 3 Prozent auf 13,4 Milliarden zurück, auch die alternativen Anbieter verzeichnen aus diesen Gründen mit 15 Milliarden Euro ein leichtes Minus von 0,2 Milliarden Euro. Bei den Investitionen in TK-Sachanlagen weist die Studie trotz der schrumpfenden Umsätze eine Zunahme um 7,8 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro aus. Auf die Wettbewerber entfallen dabei 52 Prozent der Investitionssumme.

29,4 Millionen Breitbandanschlüsse - nur 385.000 Haushalte nutzen Glasfaser

Die Zahl der Festnetz-Breitbandanschlüsse soll in diesem Jahr wie im Vorjahr um rund 700.000 auf 29,4 Millionen zulegen. "Der Breitbandmarkt wächst weiter, aber explodiert nicht", so Gerpott. Die Zahl der per Glasfaser erreichbaren Haushalte klettert um 250.000 auf rund 1,6 Millionen Haushalte. Wirkliche Nachfrage und aktive Nutzung besteht bislang allerdings erst bei rund 385.000 Haushalten. Ein Plus von 4,9 Prozent, jedoch werde ein Viertel der Anschlüsse nur für TV genutzt. Die hinterherhinkende Nachfrage stelle laut Gerpott in der Tat ein Problem für die Carrier dar. Es wäre daher ein ökonomischer Selbstmord für die Anbieter, wenn sie jetzt Glasfaser flächendeckend ausbauen würden. Die Kunden fragen sich: "Wofür brauche ich die hohen Bandbreiten?". Es fehlen noch die bandbreitenintensiven Anwendungen, die der Nachfrage einen Schub geben könnten.

Bei Betrachtung der Breitband-Kunden hat sich Vodafone durch die Übernahme von Kabel Deutschland zum stärksten Festnetz-Konkurrenten der Telekom aufgeschwungen, der Anbieter kommt nun auf rund 5,2 Millionen Breitbandkunden. Das ist Stand Ende Juni (29 Millionen Breitbandkunden) ein Marktanteil von 17,9 Prozent. Die Telekom nimmt mit 12,4 Millionen Breitbandkunden und einem Marktanteil von 42,8 Prozent aber immer noch den Löwenanteil an den Breitbandanschlüssen ein. 1&1 und der neu zum Konzern United Internet hinzukommende Anbieter Versatel erreichen zusammen 4,3 Millionen Breitbandkunden (14,8 Prozent). Die beiden dahinter folgenden Anbieter sind Unitymedia KabelBW mit 2,7 Millionen Breitbandkunden (9,3 Prozent) und Telefónica Deutschland mit 2,2 Millionen (7,6 Prozent).

Monatliches durchschnittliches Datenvolumen pro Festnetznutzer klettert auf 26,7 GB

Die Breitband-Anschlüsse müssen immer größere Datenmengen bewältigen. Der Breitband-Internetverkehr im Festnetz legt laut der Studie in diesem Jahr um 31 Prozent auf 9,3 Milliarden Gigabyte (GB) zu. Das durchschnittliche monatliche Datenvolumen eines Internetnutzers liegt damit bei 26,7 GB, im Vorjahr wurde erst ein Wert von 20,9 GB verzeichnet. Zum Vergleich: Im Mobilfunk erreicht das gesamte Datenvolumen in diesem Jahr 395 Millionen GB, ein Anstieg um 48 Prozent. Heruntergebrochen auf den einzelnen Nutzer sind das 283 MB monatlich pro Mobilfunkanschluss.

Die Umsätze mit SMS sind innerhalb von zwei Jahren um 1,5 Milliarden Euro auf 1,3 Milliarden Euro zurückgegangen. Im gleichen Zeitraum legten die Umsätze mit mobilen Datendiensten um 3 Milliarden Euro auf 8,2 Milliarden Euro zu. Die Zahl der pro Tag versandten SMS erreicht 2014 nur noch 73,8 Millionen. Der Rekordwert wurde 2012 mit 162,9 Millionen täglichen SMS verzeichnet. 2014 wird es auf dem deutschen Mobilfunkmarkt zudem etwa 2 Millionen mehr aktivierte SIM-Karten geben, die Gesamtzahl der aktivierten SIM-Karten erreicht in diesem Jahr 117,5 Millionen.

Nach Ansicht von Torsten J. Gerpott habe sich der Regulierungsrahmen in Deutschland bewährt, es müssten daher "keine regulatorischen Purzelbäume geschlagen werden". Dem stimmt auch VATM-Präsident Martin Witt zu. "Der deutsche TK-Markt bleibt ein Vorbild für Europa in Sachen funktionierender Wettbewerb", so Witt. Die Verbraucher würden von besserer Qualität zu stabilen Preisen profitieren. Dennoch beklagt er, dass die Telekom weiterhin eine dominierende Stellung habe. Würde dem Drängen der Telekom nachgegeben, gäbe es Nachteile für die Kunden: "Schaffen wir - wie von der Telekom gewünscht - die Regulierung hier ab, schaffen wir auch den Wettbewerb ab", betont Witt.

(Jörg Schamberg)

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