Branchenverband

VATM: Regierungswechsel in NRW als Chance für den Glasfaserausbau

Deutschland hat beim Glasfaserausbau erheblichen Nachholbedarf. Der Branchenverband VATM verspricht sich von der neuen Landesregierung in NRW mehr Schwung beim Glasfaserausbau. Wettbewerb statt weniger Regulierung sei erforderlich.

Jörg Schamberg, 17.05.2017, 11:14 Uhr
HighspeedDer VATM kritisiert die Qualität der Datenautobahnen in Deutschland.© Dominic Ziegler / Fotolia.com

Köln – Am vergangenen Sonntag wurde die bisherige rot-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen abgewählt. Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e. V. (VATM), in dem Wettbewerber der Deutschen Telekom zusammengeschlossen sind, sieht in dem Regierungswechsel eine Chance, den Glasfaserausbau per FTTB/H im größten deutschen Bundesland schneller voranzutreiben. Aber nicht nur in NRW, sondern auch in anderen Bundesländern bestehe laut VATM "erheblicher Aufholbedarf". VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner warnt: "Nicht nur unsere Autobahnen, sondern auch unsere Datenautobahnen werden im Vergleich mit den Wirtschaftsstandorten im Ausland immer schlechter."

Wirtschaftsrat der CDU fordert flächendeckendes Gigabit-Ziel

Eine kürzlich von der Bertelsmann Stiftung veröffentlichte Studie hatte Deutschland bei der Versorgung mit Glasfaseranschlüssen im Vergleich mit anderen europäischen Ländern ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Es würden zukunftsgerichtete Ziele fehlen, die über das bis 2018 angedachte Breitbandziel der Bundesregierung (50 Mbit/s flächendeckend) hinausgehen.

Der Wirtschaftsrat der CDU habe bereits an die Bundesregierung appelliert, ein flächendeckendes Gigabit-Infrastrukturziel zu setzen. Unter anderem sollen Open-Access-Netze gefördert werden. Auch der Zugang zu der bereits vorhandenen passiven Infrastruktur des marktbeherrschenden Unternehmens müsse erleichtert werden.

Zugang zu Leerrohren und Kooperationen als Erfolgsrezept?

In Spanien gebe es einen "knallharten Ausbauwettbewerb". Dort hätten Regulierung sowie Zugang zur Glasfaserinfrastruktur, zu Leerrohren und Verteilerkästen sowie Kooperationsvereinbarungen zu einer Glasfaserversorgung von über 50 Prozent geführt. In Deutschland fordere die Telekom dagegen weniger Regulierung. Durch die zweite Vectoring-Entscheidung der Bundesnetzagentur habe sich die Telekom laut VATM jedoch bereits ein "weitreichendes Monopol im Nahbereich der Hauptverteiler " verschafft. VATM-Geschäftsführer Grützner fordert ein Ende der Unsicherheit für Investoren und ausbauwillige Unternehmen. Hierzulande liege die Glasfaserversorgung erst bei 6,6 Prozent. "Auch wenn in Spanien mehr Leerrohr vorhanden ist, macht es zwingend Sinn, auch hier das Leerrohr der Telekom für den am effizientesten möglichen Glasfaserausbau zu nutzen", betont Grützner.

VATM: Wettbewerb soll es beim Glasfaserausbau richten

Eine flächendeckende Versorgung solle es laut dem Wirtschaftsrat der CDU auch beim Mobilfunk (5G) geben. Werden keine privatwirtschaftlichen Lösungen gefunden, so sollte die Anbindung von Mobilfunkbasisstationen mit Glasfaser mit Fördermitteln gefördert werden.

VATM-Präsident Martin fordert von Bundesregierung und Regulierern denn auch das konsequente Setzen auf den Wettbewerb in Deutschland. "Wettbewerb ist das beste Gegenkonzept zu einem neuen Monopol bei neuen Glasfasernetzen", so Witt.

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