Maßstab für Bundesregierung

VATM: NRW und Schleswig-Holstein setzen klar auf Glasfaserausbau

Die neuen Landesregierungen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein räumen in ihren Koalitionsverträgen dem Glasfaserausbau Priorität ein. Der Branchenverband VATM sieht diesen Kurs als Maßstab für die zukünftige Bundesregierung.

Jörg Schamberg, 20.06.2017, 10:20 Uhr
Glasfaserkabel© zentilia / Fotolia.com

Köln – In Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein haben sich nach den dortigen Landtagswahlen neue Koalitionen gefunden. Im Landtag in Düsseldorf regieren künftig CDU und FDP, in Kiel CDU, FDP und Grüne zusammen. Die neuen Regierungspartner haben in beiden Bundesländern ihre Koalitionsverträge vorgestellt. Diese enthalten auch Vereinbarungen zum Glasfaserausbau. Der Branchenverband VATM hat dazu aktuell Stellung bezogen.

Vectoring darf echten Glasfaserausbau nicht behindern

"CDU und FDP haben ihr Wahlversprechen in Nordrhein-Westfalen umgesetzt. Besonders die FDP hatte sich klar gegen Übergangstechnologien wie Vectoring ausgesprochen, wenn diese den echten Glasfaserausbau behindern. Nicht der Technologieeinsatz selbst, sondern vielmehr das weitgehende Vectoring-Monopol im Nahbereich der Hauptverteiler für die Telekom stand als Bremsschuh in der Kritik", erläutert VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner.

Glasfaseranschlüsse haben in NRW künftig Priorität

Der Koalitionsvertrag in Nordrhein-Westfalen setze jetzt "klare Prioritäten auf Glasfaseranschlüsse und zudem auf den neuen Fernsehkabelstandard DOCSIS 3.1." Grützner fordert, dass sich die zukünftige Bundesregierung nach der Bundestagswahl im September NRW zum Vorbild nehmen sollte. Nur so könne Deutschland von den hinteren Plätzen beim Glasfaserausbau wegkommen.

Schleswig-Holstein: Flächendeckender Glasfaserausbau bis 2025

Schleswig-Holstein setze auch mit der neuen Regierung seinen klaren Glasfaserkurs fort. Das Ziel der neuen Regierung in Kiel sei es, den "flächendeckenden Glasfaserausbau vor dem Jahr 2025 weitgehend abzuschließen". Höhere Bandbreiten seien nur mit Glasfaser bis zum Gebäude statt mit Kupfer erreichbar.

VATM kritisiert Festhalten an "uralten Kupfernetzen"

Grützner kritisiert, dass in der politischen Diskussion das Kupferkabel immer noch nicht tot gesagt ist und weiter auch auf den Technologie-Mix inklusive Kupferdoppelader gesetzt werde.

"Zukunft geht anders: Wenn wir es nicht endlich schaffen, uns gemeinsam mit der Telekom auf den Abschied von der billigen, aber für unsere Zukunft so hinderlichen Kupferdoppelader zu verständigen, dann wird das nichts für Deutschland mit der internationalen Führung als Wirtschaftsstandort und Vorreiter der Digitalisierung. Technologieneutralität und Technologiemix mit Gigabitqualität können wir unterstützen – aber nicht länger als trojanisches Pferd für uralte Kupfernetze", betont Grützner.

BREKO begrüßt Unionspläne zum Glasfaserausbau

Auch der Glasfaserverband BREKO meldete sich am Dienstag zu Wort und begrüßte die Pläne der Unionsfraktion, bis zum Jahr 2025 bundesweit auf flächendeckend verfügbare Gigabit-Glasfaser-Netze zu setzen. Das Ziel solle vor allem durch private Investitionen, aber in dünn besiedelten Regionen auch durch "erhebliche ergänzende staatliche Unterstützung" realisiert werden.

"Die Union hat absolut richtig erkannt: Reine Glasfaseranschlüsse für alle Bürger und Unternehmen unseres Landes sind schon bald so wichtig wie ein Wasser- oder Stromanschluss. Sie bilden einen zentralen Grundstein für wirtschaftliches Wachstum und Wohlstand für die heutige Gesellschaft sowie kommende Generationen", erklärte BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers. Der BREKO sieht auch die Entwicklung in NRW und Schleswig-Holstein positiv. Der eigene "Aktionsplan Glasfaser", den der Verband im März dieses Jahres vorgestellt habe, zeige bereits deutlich Wirkung.

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