TKG-Novelle rückt näher

VATM kritisiert geplantes Aus für Verträge mit 24 Monaten Laufzeit

In Deutschland sollen Telekommunikationsverträge bald nur noch mit maximal zwölf Monaten Laufzeit abgeschlossen werden können. Der Verband VATM übt Kritik an den entsprechenden Plänen des Bundesjustizministeriums.

Jörg Schamberg, 10.08.2020, 16:14 Uhr
MobilfunkvertragWird ein Handyvertrag künftig nur noch mit maximal zwölf Monaten Laufzeit erhältlich sein? Der VATM wehrt sich dagegen.© Dan Race / Fotolia.com

Deutliche Kritik an der geplanten Beschränkung der Vertragslaufzeit von Telekommunikationsverträgen auf maximal zwölf Monate übte am Montag erneut der TK-Verband VATM. Die verkürzten Laufzeiten sollen Bestandteil einer Änderung des Telekommunikationsgesetzes (TKG) werden. Die Veröffentlichung eines Entwurfs stehe kurz bevor.

VATM: Mehrheit der Kunden bevorzugt Tarife mit längeren Laufzeiten

Für die maximal zwölfmonatige Vertragslaufzeit macht sich das Bundesjustizministerium stark. Der VATM weist jedoch darauf hin, dass die europäische Vorgabe der EU bei 24 Monaten liege. Aus Gründen der Planungssicherheit erlaube Brüssel sogar Fünfjahresverträge für die reinen Anschlüsse ohne Dienst. Laut VATM würden die Mehrheit der Kunden Tarife mit längeren Vertragslaufzeiten wählen. Dies zeige auch eine vom VATM initiierte, repräsentative Umfrage zur Akzeptanz von Zweijahresverträgen im TK-Bereich. Demnach hätten sich zwei Drittel der Befragten ganz bewusst für einen Vertrag mit 24 Monaten Laufzeit entschieden. 89 Prozent der Umfrageteilnehmer bezeichnete die heute bestehenden Wahlmöglichkeiten als fair.

Laufzeitverkürzung wird für Kunden teurer

"Bei einer Laufzeitbegrenzung auf 12 Monate könnten die entsprechenden Vergünstigungen von Zweijahresverträgen nicht mehr genutzt werden, so z. B. im Mobilfunk-Bereich das technologisch beste Endgerät zu reduzierten Konditionen zu erhalten", betont VATM-Hauptgeschäftsführer Jürgen Grützner. "Den Vorschlag, nun sogar schon die erste Vertragslaufzeit auf höchstens ein Jahr zu begrenzen, halten wir auch gerade aus Verbrauchersicht im TK-Markt für absolut kontraproduktiv“, so Grützner weiter.

Eine Laufzeitverkürzung komme die Kunden doppelt teuer zu stehen. So könnten nicht nur die immer teurer werden Handys nicht mehr subventioniert werden, sondern müssten auch die Kosten für den zu Vertragsbeginn entstehenden Verwaltungsaufwand auf zwölf statt 24 Monate verteilt werden. Doch kürzere Vertragslaufzeiten hätten auch noch weitere Folgen: "Die Forderung des BMJV konterkariert nicht nur die Kundenwünsche im TK-Markt, sondern gefährdet auch massiv den Glasfaserausbau“, warnt Grützner.

Schon seit 2012 würden ohnehin alle TK-Unternehmen eine Vertragsoption mit einer einjährigen Laufzeit anbieten. Diese sind allerdings meist recht gut versteckt auf den Webseiten der Anbieter zu finden oder bieten keine sonderlich attraktiven Konditionen.

VATM: Staatliches Eingreifen ist nicht nötig

Da Kunden meist vorteilhaftere Zweijahresverträge oder alternativ Prepaid-Angebote mit täglicher Kündigungsfrist nutzen, sieht der VATM ein staatliches Eingreifen als unnötig an. Der neue europäische TK-Rechtsrahmen (EECC) halte eine maximale Vertragslaufzeit von erstmalig 24 Monaten für angemessen. "Zusätzliche und von Brüssel nicht geforderte Belastungen der Wirtschaft sind aus unserer Sicht völlig inakzeptabel und erschweren die Investitionen in den so dringend erforderlichen Ausbau neuer Technologien sowohl in Glasfaser als auch in 5G-Mobilfunk-Technologie", so VATM-Hauptgeschäftsführer Grützner. Ein Verbot von Zweijahresverträgen müsse aus Sicht des Kundenschutzes verhindert werden.

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