Vectoring-Entscheidung

VATM kritisiert: Bundesnetzagentur vollständig abhängig vom Angebot der Telekom

Nachdem Bundesnetzagentur-Präsident Jochen Homann die Wettbewerber im "Handelsblatt" kritisiert und eine Re-Monopolisierung durch die Vectoring-Entscheidung ausgeschlossen hatte, reagierte der Branchenverband VATM mit einer kritischen Stellungnahme.

Jörg Schamberg, 19.04.2016, 16:35 Uhr
VATM© VATM

Köln – Die Reaktion ließ erwartungsgemäß nicht lange auf sich warten. Am Dienstagmittag hat der Branchenverband VATM Stellung genommen zu Äußerungen von Bundesnetzagentur-Präsident Jochen Homann, die dieser gegenüber dem "Handelsblatt" gemacht hatte. Homann hatte der Deutschen Telekom (www.telekom.de/dsl Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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) Rückendeckung im Hinblick auf Vectoring gegeben. Die Gefahr einer Re-Monopolisierung durch die Vectoring-Entscheidung der Bonner Behörde sei nicht gegeben. Der VATM sieht dies jedoch anders.

VATM: Bundesnetzagentur ignoriert Rahmenbedingungen für weiteren Glasfaserausbau

"Aus unserer Sicht ignoriert die Entscheidung der Bundesnetzagentur die wesentlichsten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für einen weiteren erfolgreichen Ausbau von FTTB und FTTH, Glasfaser bis zum Haus und zum Endkunden, und die zukünftige Migration zu den Gigabit-Netzen, die wir für die Gigabit-Gesellschaft brauchen. Alle Marktteilnehmer gehen davon aus, dass ein paralleler Ausbau von FTTB/H und Vectoring die Netzauslastung und Wirtschaftlichkeit minimiert und Investoren abhält", erklärt VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner.

Der VATM betont, dass der Ausbau auch ohne die Vectoring-Entscheidung "im Wettbewerb genauso schnell beziehungsweise bis 2018" erfolgen würde. Sichergestellt sei dies für ganz Deutschland durch Ausschreibungsverfahren und Fördermittelanträge. Der Nahbereich um die Hauptverteiler sei davon nicht ausgeklammert.

VATM zweifelt an schnellem FTTB/FTTH-Ausbau der Telekom

"Die Aussage, die Nachfrage wird kommen und die Telekom wird weiter mit FTTB und FTTH ausbauen, ist aus unserer Sicht nicht realistisch: Die Telekom wird deutlich länger die Kupferleitungen für null Euro nutzen als die Wettbewerber, die für jeden Anschluss 7 Euro pro Monat für die Miete zu zahlen und damit einen erheblichen Migrationsdruck auf FTTB/FTTH haben", kritisiert Grützner.

Der VATM-Geschäftsführer macht deutlich: "Die Bundesnetzagentur hat sich vollständig abhängig gemacht vom Angebot der Telekom, da sie sich außerstande sieht und dies an mehreren Stellen in ihrer Entscheidung so darstellt, dass sie nicht akzeptieren will, dass die Telekom von ihrem Angebot abrückt bzw. genau dies befürchtet."

Telekom kann laut VATM keinen flächendeckenden Ausbau anbieten

Dabei biete die Telekom aber weder einen hundertprozentigen Ausbau in der Fläche sowie auch keinen Ausbau zu 90 Prozent an. Im ländlichen Bereich würden die Telekom-Pläne nicht einmal drei Viertel abdecken. "Damit bleiben gerade die am schwierigsten versorgbaren Gebiete nachweislich unversorgt und erhalten nicht einmal FTTC, Glasfaser bis zum Kabelverzweiger – dem grauen Kasten am Gehwegrand –, mit Vectoring, was sie bei einem geförderten Ausbau zweifellos erhalten hätten", erläutert Grützner.

Wettbewerber werden "vom Ausbau ferngehalten"

Der von der Telekom zugesagte FTTC-Ausbau sei schlechter als gefordert und enthalte erhebliche Ausnahmen. Der Bonner Konzern habe laut VATM "keinerlei Interesse an einer schnelle Substitution ihres Kupfernetzes". Die Wettbewerber würden aber aufgrund des weitgehenden Vectoring-Monopols der Telekom "vom Ausbau ferngehalten". Als Folge würde der Übergang zum Glasfaserausbau per FTTB/FTTH langsamer erfolgen.

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