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VATM-Glasfasertag: "FTTH ist kein Selbstläufer" - Wer bezahlt den Glasfaserausbau?

Wie stemmt man den Glasfaserausbau und wie finanziert man ihn? Diese Fragen diskutierten Branchenexperten am Donnerstag auf dem VATM-Glasfasertag in Köln.

15.09.2013, 09:06 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Auf der Suche nach den geeigneten Strategien für den Glasfaserausbau trafen sich am Donnerstag Branchenvertreter zum VATM-Glasfasertag in Köln. Wie stemmt man den Ausbau und wie klappt die Finanzierung waren zwei der in den Podiumsveranstaltungen diskutierten zentralen Fragen. Wie im vergangenen Jahr hatte der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten e. V. (VATM), in dem zahlreiche Wettbewerber der Telekom organisiert sind, wieder in eines der Kranhäuser am Kölner Rheinauhafen geladen.

Markt für Glasfaser ist noch nicht da

Einigkeit herrschte bei den Branchenvertretern, das Glasfaser per FTTH und FTTB das präferierte Ziel des Breitbandausbaus sein muss. Martin Dörmann, Bundestagsabgeordneter und medienpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, betonte die Wichtigkeit eines Technologie-Mixes. Auf dem Weg zur Glasfaser "brauchen wir Zwischenlösungen", so Dörmann. Dringend erforderlich sei der Abbau des Gefälles zwischen Stadt und Land. "Egal wo Anwender wohnen, sollen sie die gewünschten Anwendungen nutzen können", forderte der SPD-Abgeordnete.

Auch Martin Witt, VATM-Präsidiumsmitglied und Vorstand Access bei 1&1, setzt auf den Technologie-Mix: "Wir müssen einen Markt, eine Nachfrage generieren". Denn die Dienste und Anwendungen für Glasfaser fehlen noch. Dies bestätigte Telekom-Manager Marcus Isermann, Leiter der politischen Interessenvertretung, Regulierung und Bundesländer des Bonner Konzerns. "Kunden müssen überzeugt werden, die hohen Bandbreiten abzunehmen". Derzeit könnten bei der Telekom technisch theoretisch 800.000 bis 900.000 Kunden Glasfaser nutzen.

Allerdings: "FTTH ist kein Selbstläufer". Am Ende müssten auch die hohen Investitionskosten in den Ausbau der Netze wieder eingespielt werden. Daher wiederholte Isermann in Köln noch einmal die Strategie der Telekom: "Wer höhere Bandbreiten nutzt, soll dafür auch mehr bezahlen". Iris Henseler-Unger, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur, ergänzte: "Wir haben uns die Tarife der Telekom angeschaut, hatten lange Diskussionen mit der Telekom. Wir glauben auch, wenn der Kunde weiß, wie hoch sein Volumen ist, wenn er nachbuchen kann, dann ist das ein sehr statthaftes Modell", so Henseler-Unger mit Verweis auf die ab 2016 geltenden Telekom-Tarife mit Bandbreitendrosselung.

Vectoring keine Lösung für ländliche Gebiete?

Hier stichelt Wolf Osthaus, Senior Vice President Regulatory & Public Policy bei Unitymedia, und legte den Finger in die Wunde der DSL-Anbieter. "Das Kabel ist noch nicht ausgereizt", bereits jetzt könnten Unitymedia und Kabel BW Internet-Bandbreiten von bis zu 150 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) anbieten. Mit der Bemerkung "Vectoring ist keine Technologie für den ländlichen Raum" erntete Osthaus eine empörte Reaktion des Telekom-Mannes Isermann: "Das stimmt nicht, das können sie da auch einsetzen". Der Bonner Konzern wolle das Vectoring-Standardangebot zudem möglichst schnell überarbeiten, dazu drängt auch die Bundesnetzagentur. Norbert Westfal, EWE TEL-Geschäftsführer und VATM-Vizepräsident, bestätigte, dass Vectoring den Nutzern in der Nähe von KVZs mehr Bandbreite bringen wird. Aber: "Wir haben da ein bisschen Probleme auf dem Land. Wegen der Länge des Kabels kann man Vectoring nicht nutzen". Er sei aber sicher, dass Hersteller bereits an der nächsten Technologie entwickeln, die hier Abhilfe schaffen kann. EWE TEL könne rund eine Million Haushalte mit Vectoring erschließen. Aktuell biete das Unternehmen Glasfaser für 60.000 Haushalte.

Weiter auf Seite 2: Wie den Glasfaserausbau finanzieren? - Banken scheuen das Risiko

Hinsichtlich der finanziellen Aspekte des Glasfaserausbaus haben einige der in Köln an der Paneldiskussion teilnehmenden Branchenvertreter unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Die Fördermittel des Bundes für den Breitbandausbau werden jedoch von vielen als zu gering angesehen. Es gebe zwar zusätzlich auch Fördertöpfe von EU und von den Bundesländern, generell sei die Beantragung von Fördermitteln kompliziert, aufwändig und schrecke die Unternehmen eher ab. Auch die Finanzierung des Glasfaserausbaus durch Banken erweise sich als nicht einfach: Kleinere Banken seien häufig überfordert damit, einzuschätzen, was die in der Erde vergrabenen Infrastrukturen wert sind. Und große Banken schauen sich Ausbauprojekte oft gar nicht erst an, wenn diese nicht eine bestimmte Größe erreichen. Ministerialrat Frank Krüger vom Bundeswirtschaftsministerium sieht es vor allem als erforderlich an, bei kleinen Banken Verständnis für den Markt zu schaffen. Den Banken soll ein Analysetool an die Hand gegeben werden.

Glasfaser: Ein nationaler Ausbauplan fehlt

David Zimmer, VATM-Präsidiumsmitglied und Gesellschafter des Telekommunikationsanbieters inexio, erklärte, dass sein Unternehmen inzwischen bei Investitionen nur noch auf Fremdkapital setze. Es sei allerdings ein langer Weg erforderlich gewesen, bei den Banken entsprechendes Vertrauen zu erhalten. Hier reicht Gustav Egger, Mitglied der Geschäftsleitung der Deutsche Beteiligungs AG, ausbaubereiten Unternehmen wie inexio die Hand, stellt Eigenkapital bereit und macht das "Projekt hoffähiger als es schon ist". Zudem würden Projekte gebündelt, um eine bestimmte Größe zu erreichen.

Jens Lindner von der NBC Bank vermisst einen Netzausbauplan für Glasfaser. Einen solchen wünscht er sich von der Bundesregierung, damit der Glasfaserausbau im Großen angegangen werden kann. Nach Einschätzung der Podiumsteilnehmer ist bei der Investition in den Glasfaserausbau bei den Kaptialgebern generell ein langer Atem erforderlich, ein schnelles Wiedereinspielen des Investments werde es nicht geben.

Das Schlusswort in Köln hatte VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner: "Ich glaube, dass Glasfaser am Ende in jedem Haushalt liegen wird, nur weiß ich nicht wann das sein wird". Der Ausbau hänge zudem stark davon ab, was sich in Brüssel tue.

(Jörg Schamberg)

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