Inhouse-Verkabelung

VATM: FTTH-Anschlüsse nicht von Netzagentur-Entscheidung betroffen

Hat die Telekom mit VDSL-Vectoring bei der Nutzung der bestehenden Hausverkabelung Vorrang vor FTTB-Glasfaseranschlüssen der Wettbewerber? Der Branchenverband VATM nimmt Stellung zur Entscheidung der Bundesnetzagentur.

Jörg Schamberg, 21.01.2019, 15:42 Uhr
VATM© VATM

Köln/Borken – Die Bundesnetzagentur hatte in der vergangenen Woche mit einer ersten Teilentscheidung (BK3e-15-011) zur Teilnehmeranschlussleitung, die speziell die Inhouse-Verkabelung betrifft, für viel Wirbel gesorgt. Die Branchenverbände BREKO und BUGLAS hatten kritisiert, dass die Bonner Regulierungsbehörde mit dieser Entscheidung VDSL-Anschlüssen der Telekom den Vorrang gebe vor Glasfaseranschlüssen von Wettbewerbern. Dies sei möglich, wenn beide gleichzeitig die bestehende, kupferbasierte Verkabelung in Gebäuden nutzen und die Signale sich gegenseitig stören. Am Montag meldete sich nun mit dem VATM ein weiterer Verband der Branche mit einigen Klarstellungen. Und der Glasfaserspezialist Deutsche Glasfaser, der vor allem FTTH-Glasfaseranschlüsse in ländlichen Regionen realisiert, betonte, dass seine Kunden nicht betroffen wären von der Problematik. Der Anbieter nutze weder G.fast noch VDSL-Vectoring und setze nicht auf die bestehende kupferbasierte Hausinfrastruktur.

Netzagentur regelt Vorgehen bei parallelem Betrieb von Telekom-Vectoring und FTTB von Wettbewerbern

VATM-Hauptgeschäftsführer Jürgen Grützner weist auf die Komplexheit der 570 Seiten umfassenden Entscheidung der Netzagentur hin und erklärt in einer Stellungnahme: "Unternehmen, die FTTH ausbauen, also Glasfaser nicht nur bis ins Haus (FTTB), sondern bis in die Wohnung (Fiber to the Home = FTTH), sind nicht betroffen. Sie nutzen die alte Kupferleitung nicht. Der Fall tritt nur ein, wenn in dem jeweiligen Gebäude ein Endkunde ein Vectoring-Produkt über die Telekom-Leitung bezieht, bevor dort ein anderer Anbieter sein FTTB-Angebot platziert, für das die gleiche Inhaus-Verkabelung genutzt werden soll."

In dem speziellen Streitfall, den die Netzagentur mit ihrer Entscheidung zu klären hatte, sei es auch darauf angekommen, wer zuerst die Inhouse-Verkabelung genutzt habe: Die Telekom oder der Wettbewerber. Biete ein Konkurrent der Telekom bereits ein FTTB-Angebot in dem Gebäude an und nutze dafür die vorhandene Verkabelung im Haus, so könne die Telekom selbst nicht mit Vectoring nachziehen und die Glasfasernutzung des Wettbewerbers drosseln. Mit der Entscheidung der Bundesnetzagentur würden dagegen Vectoring-Bestandskunden der Telekom geschützt. Wolle ein Wettbewerber parallel die Hausverkabelung nutzen, so sei die Telekom berechtigt, technische Regelungen vorzunehmen, um Störungen durch das Signal des Wettbewerbs zu verhindern. Auf einen Teil der Frequenznutzung müsste verzichtet werden. Das könne im schlechtesten Fall zu einer Verringerung der Bandbreite auf 125 bis 150 Mbit/s bei Vectoring-Produkten sowie auf 400 bis 600 Mbit/s bei FTTB-Anbietern führen.

VATM: Es geht nicht um Glasfaser versus Vectoring

Der VATM erklärt, dass es nicht "grundsätzlich um Glasfaser versus Vectoring" gehe. "In vielen Fällen nutzen die Glasfaser ausbauenden Unternehmen nicht den Verteilerpunkt im Keller (APL) und die alte Kupferleitung im Haus, sondern bauen Glas bis zum Endkunden oder nutzen da, wo es möglich ist, die erheblich schnellere Koaxialleitung", so der Branchenverband.

Außerdem könne der Hauseigentümer durch einen sogenannten Gestattungsvertrag entscheiden, wer die Verkabelung nutzen darf. Auch die Telekom könne nur auf Basis eines solchen Gestattungsvertrages agieren, der vom Hauseigentümer meist recht kurzfristig gekündigt werden könne. "FTTB ausbauende Unternehmen werden zukünftig ohnehin entsprechende Verträge mit dem Hauseigentümer abschließen, um Planungssicherheit für die Investitionen zu schaffen", erklärt der VATM-Hauptgeschäftsführer.

VATM fordert Politik zur Anpassung des Telekommunikationsgesetzes auf

Der Verband sieht aber vor allem Handlungsbedarf in Berlin: "Die Politik muss letztlich den gesetzlichen Rahmen schaffen, damit in Zukunft auch in besonderen Situationen immer Glasfaser-Qualität vor Vectoring-Qualität geht. Wir brauchen mittelfristig neue rechtliche Lösungen wie in Österreich – mit Vorrang für Glasfaserausbau und, wo es nötig ist, mit Abfindungsregeln für eine schlechtere Technik." Die Bundesnetzagentur wolle den aktuellen Beschluss aber ohnehin überprüfen, wenn ein gestiegener Bandbreitenbedarf der Endkunden erkennbar sei. Der VATM schlägt eine Voucher-Lösung, also Gutscheine für Glasfaseranschlüsse, vor, um den Umstieg auf FTTB/H anzukurbeln. Die Bundesregierung müsse zudem das Telekommunikationsgesetz dringend anpassen und darin Gigabit-Anschlüssen klar den Vorzug geben.

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