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VATM: Flächendeckender Glasfaserausbau mit 50 Mbit/s in drei Jahren möglich

Lassen sie die Wettbewerber endlich bauen, appelliert der Branchenverband VATM an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Eine zusätzliche Anschubfinanzierung von einer Milliarde Euro jährlich reiche aus, um in zwei bis drei Jahren Glasfaser bis in jedes Dorf zu bringen.

25.11.2013, 17:46 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Entscheidende Woche in Berlin: Kommt die große Koalition von CDU/CDU und SPD? Der Koalitionsvertrag soll am Mittwoch stehen. Bereits in der vergangenen Woche hatte der VATM vor Regulierungsabbau und weniger Wettbewerb gewarnt, am Montag meldete sich der Branchenverband, in dem Wettbewerber der Deutschen Telekom organisiert sind, erneut zu Wort. Diesmal richtete VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner einen direkten Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Wir brauchen genau den Investitionswettbewerb, den die Telekom verhindern will. Wir appellieren an die Bundeskanzlerin, die Wettbewerber endlich bauen zu lassen und die Investoren nicht ständig aufs Neue zu verunsichern."

Anschubfinanzierung: Eine Milliarde Euro jährlich

Der VATM verweist auf Länder wie Korea, Japan, USA, Schweden und Norwegen, wo der Breitbandausbau erheblich weiter fortgeschritten sei. Ohne staatliche Förderung sei dort ein flächendeckender Ausbau nicht möglich gewesen. "Nicht Regulierungsabbau hat dort den Breitbandausbau im Land angestoßen, sondern die klare staatliche Zielsetzung mit staatlicher Finanzierung", betont Grützner.

"Mit einer verstärkten und gezielten Förderung, so wie von der Arbeitsgruppe der Koalition vorgeschlagen, können wichtige Impulse in den Regionen gesetzt werden, in denen sich ein Ausbau alleine mit privaten Investitionsmitteln nicht realisieren lässt", so der VATM-Geschäftsführer weiter.

Nach Berechnung des VATM reiche eine zusätzliche Anschubfinanzierung von einer Milliarde jährlich, die auf Bund und Länder verteilt sei, um einen weitgehend flächendeckenden Ausbau mit 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) realistisch zu erreichen. " Mit einer Milliarde Euro Fördermittel können wir Gesamtinvestitionen in Höhe von vier Milliarden Euro bewirken und damit die benötigten mindestens acht bis zehn Milliarden Euro hebeln", rechnet Grützner vor. Und er zeigt sich optimistisch: "Wir könnten innerhalb von zwei bis drei Jahren bei der Breitbandversorgung in die Spitzengruppe der europäischen Flächenländer gelangen und die Glasfaser bis in jedes Dorf bringen".

VATM: Wettbewerber wollen endlich Vollgas geben

Der Haken an der Sache aus Sicht des Verbandes ist der führende deutsche DSL-Anbieter: "Nachdem die Telekom alle Versprechungen auch im praktisch nicht zugangsregulierten Glasfaserausbau gebrochen hat, gelingt es ihr wieder, dass die Kanzlerin auf die falsche Karte setzt", kritisiert Grützner mit gewohnt drastischen Worten. Die Wettbewerber wollten "endlich Vollgas geben", würden von der Telekom aber immer wieder strategisch ausgebremst. Das sei in der Vergangenheit bereits beim DSL- und VDSL-Ausbau und zuletzt bei VDSL mit Vectoring der Fall gewesen.

"Die Telekom ist eher das Problem des Breitbandausbaus auf dem Lande und nicht dessen Lösung", stichelt Grützner in Richtung des Bonner Konzerns. Könnten die Wettbewerber ausbauen wie sie wollten, dann "bekommen wir die beste Versorgung, Wettbewerb, Qualität und das bei günstigen Preisen für Verbraucher und Geschäftskunden", verspricht Grützner. Für den VATM ist klar: "Mit Regulierungsabbau und Telekom-Monopol bekommen wir keinesfalls die benötigten zehn Milliarden Euro für eine flächendeckende Breitbanderschließung."

(Jörg Schamberg)

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