Debatte um Vectoring-Ausbau

VATM: Aufruf zur Versachlichung der Vectoring-Diskussion - weiter Kritik an Telekom

Der Branchenverband VATM ruft zu einer sachlicheren Diskussion um den geplanten Vectoring-Ausbau der Telekom auf. Zugleich kritisiert VATM-Hauptgeschäftsführer Jürgen Grützner den Bonner Konzern aber munter weiter. Der Vectoring-Ausbau könne einem Faktencheck nicht standhalten, gerade in ländlichen Gebieten würde nur eine Abdeckung von 75 Prozent erreicht.

Jörg Schamberg, 04.05.2016, 14:59 Uhr
VATM© VATM

Köln/Berlin – Die Diskussion um den richtigen Weg für einen schnellen Breitbandausbau wird in Deutschland heftig und kontrovers geführt. Telekom-Deutschlandchef Niek Jan van Damme hatte zu Wochenbeginn gar von einer vergifteten Debatte gesprochen. Am Dienstag meldete sich der Branchenverband VATM zu Wort. VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner forderte dringend dazu auf, die Vectoring-Diskussion zu versachlichen. Allerdings ist es gerade er, der in der Vergangenheit die Telekom immer wieder mit scharfen Worten kritisiert hat.

VATM-Geschäftsführer Grützner kritisiert weiterhin geplanten Vectoring-Ausbau der Telekom

Auch in dem aktuellen VATM-Statement hält sich Grützner nicht zurück. Derzeit werde laut Grützner immer wieder versucht, eine saubere Faktenanalyse zu verhindern. Der Ausbau mit Vectoring könne aber einem Faktencheck nicht standhalten. Durch einen Monopol-Vectoringausbau könne weder ein flächendeckender Ausbau realisiert noch die Vorgabe der Bundesnetzagentur von mindestens 90 Prozent erreicht werden. Gerade im ländlichen Bereich komme die Telekom mit ihrem Ausbauangebot nur auf eine Abdeckung von 75 Prozent. "In einigen Teilen Deutschlands wird der Versorgungsgrad noch schlechter sein“, warnt Grützner. Als Beispiel führt der VATM-Geschäftsführer Mecklenburg-Vorpommern an. Um in dem an die Ostsee angrenzenden Bundesland flächendeckend eine Versorgung mit 50 Mbit/s bieten zu können, sei der Aufbau von zusätzlichen 20.476 Kabelverzweigern erforderlich – viele davon würden auch im künftig von der Telekom mit Vectoring zu erschließendem Nahbereich benötigt.

Nicht nur die Politik in Deutschland würde zunehmend beunruhigt sein, auch in Brüssel sei man durch das Monopolangebot der Telekom aufgeschreckt. Die EU-Kommission muss sich in Kürze zu dem von der Bundesnetzagentur vorgelegten Vectoring-Entscheidungsentwurf äußern.

Grützner: Telekom weist VDSL/Vectoring-Anschlüsse als Glasfaseranschlüsse aus

Grützner kritisiert, dass die Telekom in aktuellen Geschäftsbericht VDSL-Anschlüsse als Glasfaseranschlüsse ausweist. In der Tat fasst der Bonner Konzern Anschlüsse per VDSL/Vectoring und FTTH zusammen. Laut den am Mittwoch für das erste Quartal vorgelegten Zahlen kommt die Telekom so inklusive Wholesale-Geschäft auf rund fünf Millionen Glasfaseranschlüsse, davon 3,29 Millionen eigene Anschlüsse auf Glasfaserbasis.

Der Haken aus Sicht des VATM: Der Anschluss beim Kunden erfolge beim VDSL-Ausbau weiterhin per Kupferleitung, da die Glasfaserleitung am Kabelverzweiger ende. Telekom-Chef Timotheus Höttges hatte am Mittwoch aber noch einmal betont, dass die Telekom bei steigender Nachfrage nach Highspeed-Anschlüssen auch das letzte Stück Kupferleitung durch Glasfaser ersetzen werde. Andererseits sieht sich die Telekom auch für die kommende Jahre hinsichtlich der Breitbandnachfrage gerüstet. Laut Höttges könnten die Vectoring-Anschlüsse bei Bedarf per Vectoring-Nachfolger Super-Vectoring auf bis zu 250 Mbit/s beschleunigt werden.

VATM fordert mehr Zeit und Mix aus Wettbewerb und Förderung

Skepsis herrscht dagegen beim VATM vor. "Wir brauchen jetzt Zeit, um die enormen Risiken eines Monopols in den Herzstücken unserer Kommunikationsnetze neu zu bewerten", betont Grützner. Der Branchenverband plädiert für eine Kombination von Infrastruktur- und Investitionswettbewerb mit einer sinnvollen Förderung.

Grützner: Verschleierungsversuchen eine Absage erteilen

"Allen Verschleierungsversuchen muss dabei eine klare politische Absage erteilt werden. Sonst bekommt unser Land im sogenannten Nahbereich weniger Breitband als mit Hilfe von Fördermitteln möglich wäre. Gleichzeitig würde sich der Fördermittelbedarf außerhalb der Nahbereiche erhöhen, Steuergelder würden trotz schlechterer Versorgung geradezu zum Fenster hinausgeworfen und Deutschland würde international beim Glasfaserausbau immer weiter zurückfallen", warnt der VATM-Geschäftsführer.

Eventuell wird es bis zur endgültigen Verabschiedung der Vectoring-Entscheidung noch etwas dauern. Die Wettbewerber hoffen, dass Brüssel allen Beteiligten Zeit gibt, mindestens drei Monate gemeinsam nach einer besseren Lösung zu suchen. Auch die Telekom solle dabei an Bord sein.

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