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Usenet-Abzocke: Abbuchungen trotz Kündigung

Viele ehemalige Kunden des Usenet-Anbieters Easyload reiben sich in diesen Tagen verwundert die Augen. Trotz bestätigter Kündigung wird ihnen eine neue Jahresgebühr in Höhe von 77 Euro vom Konto abgebucht. Was steckt dahinter?

27.09.2007, 00:01 Uhr
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Aus dem Internet Nachrichten und generelle Informationen abzurufen, machen sich immer mehr Personen zu Nutze. Im Zuge schneller Breitband-Anschlüsse werden aber auch zunehmend große Dateien über das World Wide Web ausgetauscht. Eine Alternative zu bekannten Peer-2-Peer-Tauschbörsen ist das so genannte Usenet. Das ursprünglich als "Unix User Network" gestartete Newsgroup-Netzwerk wird durch neue Entwicklungen immer häufiger abweichend von seinem ursprünglichen Verwendungszweck als Tauschbörse genutzt.
Usenet als P2P-Alternative
Der Vorteil des Usenet liegt im Detail. Während bei klassischen Tauschbörsen zwei Computer über einen Server miteinander verbunden sind und die Übertragungsraten vergleichsweise gering ausfallen, werden im Usenet deutlich höhere Download-Raten erzielt. Hier kann eine direkte Verbindung zu einem Server aufgebaut werden und jeder Inhalt, der auf dem Server freigegeben ist, entsprechend schnell heruntergeladen werden. Da ist es kaum verwunderlich, dass im Usenet auch urheberrechtlich geschütztes Material wie aktuelle Kinofilme oder Musikstücke ausgetauscht werden - wenn auch in einem auf die Größe der insgesamt gespeicherten neutralen Inhalte bezogen geringen Umfang.
Zugang zum Usenet erhalten Internetsurfer über diverse Provider, die meist vorab eine Gebühr für eine zwölfmonatige Nutzungszeit kassieren. Wer sich auf das Geschäft einlässt, um Dateien über das Netzwerk zu tauschen, begibt sich nicht nur rechtlich, sondern vielmehr auch finanziell auf dünnes Eis. Eine Jahresgebühr im Voraus zu entrichten, ist mit dem Risiko verbunden, das bereits gezahlte Angebot bei einer möglichen Pleite des Zugangsanbieters nicht innerhalb des im Voraus gezahlten Zeitraums auch nutzen zu können.
Easyload verschwindet, aEton Usenet kommt
Dass Schicksal, ihren Anbieter nicht mehr nutzen zu können, trifft auch auf Kunden der Firma Easyload zu. Der bisherige Zugang des Usenetanbieters ist seit Wochen offline und somit eine Nutzung des Dienstes seit geraumer Zeit nicht mehr möglich. Ende Juli trat überraschend ein Unternehmen namens aEton Usenet per E-Mail an die Easyload-Kunden heran. In der E-Mail wurde bekannt gegeben, dass aEton den Datenbestand der Easyload AG übernommen habe und in die Vertragspflichten gegenüber den Nutzern eingetreten sei. Weshalb der neue Vertragspartner allerdings in der Folgezeit bei zahlreichen Kunden 77 Euro für einen Jahreszugang zum Usenet abgebucht hat, obwohl diese Kunden ihren Vertrag bereits wirksam gekündigt hatten, ist bislang unklar. Ebenso die Frage, inwieweit selbst bei einem ungekündigten Vertragsverhältnis eine ursprünglich allein der Firma Easyload vertraglich eingeräumte Ermächtigung zum Forderungseinzug ohne vorherige Zustimmung des jeweiligen Kunden wirksam auf die Firma aEton Usenet übergegangen sein soll.
Viele verärgerte Kunden
Viele Kunden sind verständlicherweise über das Vorgehen von aEton Usenet mehr als verärgert. Sie erhielten von Easyload Kündigungsbestätigungen, die auch unserer Redaktion vorliegen, und müssen sich nun über eine Konto-Abbuchung ärgern, die aufgrund ihrer fristgerechten Kündigung jeder rechtlichen Grundlage entbehrt.
In wütenden E-Mails fordern sie aEton auf, das Geld umgehend zurückzubuchen und drohen mit einer juristischen Auseinandersetzung, sollte das Unternehmen mit Sitz in den USA dieser Forderung nicht nachkommen. Nur die Wenigsten, der nach Insider-Informationen etwa 60.000 Betroffenen, scheinen zu wissen, dass sie die zu Unrecht abgebuchten 77 Euro bis zu sechs Wochen nach erfolgter Abbuchung über ihre Bank zurückbuchen lassen können. Dies kann aufgrund der Einziehung über ein deutsches Kreditinstitut durch eine einfache Erklärung gegenüber der eigenen Bank erfolgen. aEton selber ist sich unterdessen keiner Schuld bewusst. Geschäftsführer Martins Ligotnis äußerte sich schriftlich gegenüber unserer Redaktion zu den aktuellen Entwicklungen. Dass Beträge für bereits gekündigte Accounts eingezogen werden, "sollte eigentlich nicht passieren", sagte Ligotnis.
aEton will zu Unrecht abgebuchte Beträge zurückerstatten
"Auch wenn wir überraschenderweise einen schier katastrophalen Datenbestand von der Easyload AG übernommen haben, so haben wir in wochenlanger 'Strafarbeit' alle uns als gekündigt übermittelten Accounts seitens Easyload aus den Datenbanken ausgetragen. Eine Abbuchung bei einem bereits gekündigten Account sollte demnach nicht vorkommen."
Für betroffene Kunden, die sich in diesen Tagen über eine nicht gerechtfertigte Abbuchung auf ihrem Konto wundern, sichert der aEton-Chef eine Kooperation des Unternehmens zu. "Sollten wir bei einem Kunden, der seinen Account nachweislich bereits bei Easyload gekündigt hatte, trotzdem eine Abbuchung vorgenommen haben, so bitten wir um eine Mitteilung über diesen Umstand." Sowohl per E-Mail, als auch über das Support-Center sei eine Kontaktaufnahme möglich. "Natürlich werden wir den Abbuchungsbetrag umgehend erstatten, wenn wir falsch gehandelt haben", so Ligotnis.
Dass der aEton-Geschäftsführer einräumt, dass auch in seinem Unternehmen Menschen arbeiten, denen Fehler passieren könnten, klingt fast schon ein wenig reumütig. Jeder Kunde der Recht habe, solle auch Recht bekommen. "Wir stehen zu unseren Erfolgen, aber auch zu unseren Fehlern", sagte Ligotnis.

(Hayo Lücke)

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