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Uschi Glas verliert Porno-Rechtsstreit

Glas hatte 20.000 Euro gefordert, weil sich ein Beamter bei einer Ermittlung gegen Porno-Anbieter im Internet mit ihren persönlichen Daten testweise auf Sexseiten eingeloggt haben soll.

27.07.2005, 00:00 Uhr
Welt© Julien Eichinger / Fotolia.com

Die Schauspielerin Uschi Glas hat wenig Glück vor Gericht: Im Rechtsstreit mit der Berliner Polizei um den Missbrauch ihres Namens auf Internet-Sexseiten erlitt sie eine Niederlage. Das Landgericht Berlin wies eine Schmerzensgeldklage der 61-Jährigen gegen das Land Berlin ab.
Username: Uschi
Glas hatte 20.000 Euro gefordert, weil sich ein Beamter bei einer Ermittlung gegen Porno-Anbieter im Internet mit ihren persönlichen Daten testweise auf Sexseiten eingeloggt haben soll. Die Kammer sah keine schwere Persönlichkeitsverletzung der Schauspielerin gegeben. Glas-Anwalt Markus Roscher sagte, seine Mandantin sei enttäuscht über die Entscheidung.
Ein eindeutiges Bild
Nach Überzeugung der Kammer geht aus Berichten über den Vorfall eindeutig hervor, dass Uschi Glas nichts mit Internet-Pornographie zu tun habe, sondern dass die Daten ausschließlich im Rahmen von Ermittlungen gegen Straftäter benutzt worden seien. Aus diesem Grunde sei durch die Berichterstattung kein abträgliches Bild der Schauspielerin entstanden. Die Polizei hatte einem Porno-Anbieter nachweisen wollen, dass sich Jugendliche mit der Ausweisnummer eines beliebigen Erwachsenen Zugang zu den Sexseiten verschaffen konnten. Nach Darstellung von Uschi Glas soll ein Beamter ihren in einer Schweizer Zeitschrift abgedruckten Ausweis entdeckt haben und die Passnummer genutzt haben, um sich testweise Zugang zu den entsprechenden Seiten zu verschaffen. Hingegen bestritt die Polizei die Online-Verwendung der Daten.
Keine Rufschädigung
Der Fall war öffentlich geworden, als die Ermittler in einem Berliner Strafverfahren den Namen von Uschi Glas im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Internetpornografie erwähnten. Glas hatte dadurch ihren Ruf geschädigt gesehen und wegen Verletzung ihres Persönlichkeitsrechts und Datenmissbrauchs geklagt. Persönlich erschien die Schauspielerin nicht vor Gericht.
Uschi Freiwild?
Anwalt Roscher sagte, er erwäge eine Berufung gegen das Urteil. Seine Mandantin fühle sich wie "Freiwild" und sehe nicht ein, warum ausgerechnet ihre Daten benutzt worden seien. "Mit diesem Urteil wird das Datenschutzgesetz zum zahnlosen Tiger", sagte Roscher. Der Anwalt bemängelte, dass sich die Berliner Polizei nicht offiziell bei seiner Mandantin entschuldigt habe.
Erst vor kurzem hatte Glas vor dem Berliner Landgericht eine Niederlage erlitten. Die Richter erlaubten Stiftung Warentest, eine von ihr vermarktete Creme mit "mangelhaft" zu bewerten.

(Hayo Lücke)

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