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USA: Twitter wichtig für Kommunikation im Iran

Die US-Regierung bat den Kurznachrichtendienst um eine Verschiebung von Wartungsarbeiten, da Twitter bei den Protesten im Iran zur Kommunikation genutzt wird.

17.06.2009, 11:01 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Gina Sanders / Fotolia.com

Die US-Regierung hat einem Zeitungsbericht zufolge den Kurzmitteilungsdienst Twitter wegen seiner Rolle bei den Protesten im Iran gebeten, Wartungsarbeiten zu verschieben. "Wir haben ihnen klargemacht, dass sie eine wichtige Form der Kommunikation darstellen", sagte ein hoher Beamter des US-Außenministeriums nach Angaben der Online-Ausgabe der Zeitung "Washington Times" vom Dienstag.
Twitter als Sprachrohr
Durch Twitter könnten Botschaften die Runde machen. Als der Dienst für Montag die Wartungsarbeiten ankündigte, "haben wir sie gebeten, das nicht zu machen". Offiziell wollte das Außenministerium in Washington lediglich bestätigten, dass es "das ganze Wochenende" mit Twitter in Verbindung gestanden habe, aber nicht weshalb. "Es geht um das iranische Volk und darum, dass seine Stimme eine Chance hat, gehört zu werden", sagte Außenamtssprecher Ian Kelly. "Ein Weg dafür sind die neuen Medien."
Twitter veröffentlichte am Montag zunächst eine Mitteilung, dass der Dienst die Wartung bis Mittwoch verschiebe. "Twitter spielt derzeit eine wichtige Kommunikationsrolle im Iran", hieß es dort. Im offiziellen Twitter-Blog erklärte Twitter-Mitbegründer Biz Stone am Dienstag, dass die Wartungsarbeiten inzwischen durchgeführt worden seien. Twitter hätte sich aber nicht auf Druck der US-Regierung zu einer Verschiebung der Wartungsarbeiten entschlossen. Stone fühlte sich jedoch geschmeichelt, dass sein gerade zwei Jahre altes Unternehmen nach Ansicht der US-Administration eine solch große Rolle Bedeutung haben soll.
Twitter-Anwender wie "persiankiwi", die offenbar direkt aus dem Iran über die aktuellen Ereignisse berichten, haben inzwischen zehntausende "Follower" als Abonnenten. Damit können Internet-Anwender weltweit Augenzeugen einer Entwicklung werden, die das Regime in Teheran eigentlich der Weltöffentlichkeit lieber verbergen würde,­ auch wenn der Wahrheitsgehalt der Meldungen aus dem digitalen Untergrund nicht garantiert werden kann. Vor diesem Hintergrund fragen sich viele Experten, wie lange Twitter, Facebook, YouTube und ähnliche Dienste noch unzensiert im Iran genutzt werden können.
Internet-Blockade möglich
Jonathan Zittrain, Jura-Professor an der Harvard Law School, beschreibt in seinem Blog futureoftheinternet.org, dass der Iran eigentlich alle Voraussetzungen für eine technische Blockade des Internets habe. Nachdem das Regime zunächst eine Filtersoftware aus den USA verwendet habe, um die Zugriffe auf missliebige Internetseiten zu blockieren, sei der Iran nun in der Lage, mit einem selbst entwickelten System das Web zu zensieren.
Um ein soziales Netzwerk wie Twitter auszuschalten, reicht es aber längst nicht aus, den Zugriff auf die Homepage des Kurzmittelungsdienstes zu blockieren. Twitter ermöglicht nämlich der Netz-Gemeinde, über sogenannte Programmierschnittstellen (APIs) auf den Dienst zuzugreifen. Diese APIs öffnen Twitter für Programme und Netzdienste anderer Anbieter. Sie tragen aber auch nicht unbedingt zur technischen Stabilität von Twitter bei. Dieser Technik-Wildwuchs erfordert nicht nur vergleichsweise häufig Wartungsarbeiten bei Twitter, sondern ist vermutlich auch ein wichtiger Grund, warum eine wirksame Zensur des gesamten Twitter-Systems komplex und schwierig ist.

(Jörg Schamberg)

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