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US-Patent: Amazon liefert Pakete aus, bevor sie gekauft wurden

Der Versandhändler Amazon hat am 24. Dezember ein US-Patent erhalten, das beschreibt, wie mit der Auslieferung eines Pakets begonnen wird, bevor der Kunde überhaupt auf den Kaufen-Button geklickt hat. Das Patent mit der Nummer US8615473B2 trägt den Titel "anticipatory shipping".

20.01.2014, 18:28 Uhr
Amazon© Amazon

Der Versandhändler Amazon hat am 24. Dezember des vergangenen Jahres ein US-Patent erhalten, das beschreibt, wie mit der Auslieferung eines Pakets begonnen wird, bevor der Kunde überhaupt auf den Kaufen-Button geklickt hat. Das Patent mit der Nummer US8615473B2 trägt den Titel "anticipatory shipping". Dies berichtet das zum "Wall Street Journal" gehörende Tech-Blog "Digits".

Nationale Bestseller

Amazon will seine Kunden mittlerweile so gut kennen, um zu wissen, was wann gekauft wird. Nur in diesem Fall kann ein Paket schon auf den Weg gebracht werden, bevor es bestellt wurde. Wenn also die Wahrscheinlichkeit steigt, dass in naher Zukunft ein nationaler Bestseller, aber auch ein regionales Gut in erhöhter Stückzahl geordet wird, kann Amazon bereits mit der Paketierung beginnen und die Kartons in die regionalen Verteilzentren (Hubs) verschicken und dort vorrätig halten – laut Patentantrag sogar auf LKWs.

Das würde den Bestellprozess komplett umkehren, denn jetzt beginnt eine Auslieferung mit dem Drucken der Adresskarte, in Zukunft könnte die Anschrift zuletzt auf das Paket kommen. Dieser neue Ablauf würde nach Einschätzung von Amazon Zeit sparen und dadurch einen tatsächlichen Kauf wahrscheinlicher machen. Angaben zur Zeitersparnis machte der Versandhändler in seinem Patentantrag jedoch nicht.

Rabatte für Unentschlossene

Bei der Einschätzung, ob ein Kunde oder gehäuft Kunden in einer Region sich besonders für ein Produkt interessieren, könnnte berücksichtigt werden, um welche Waren es sich handelt, aber auch um eine Reihe von persönlichen Daten: was ein Kunde in der Vergangenheit geordert hat, nach welchen Produkten er gesucht hat, was bereits in seinem Warenkorb liegt, was er zurückgesendet hat und sogar über welchen Produkten der Mauszeiger lange verharrt (hover).

Falls sich Amazon verschätzt, könnte das Unternehmen die Kunden mit Preisnachlässen ködern – zumindest diejenigen, die durch eine Aktivität auf der Amazon-Website Interesse gezeigt haben.

Schnelligkeit ein Wettbewerbsfaktor

Die schnelle Auslieferung einer Ware ist ein wichtiger Faktor im Wettbewerb. Gegen Aufpreis kann in fast allen Onlineshops ein Expressversand gewählt werden. Amazon bietet dies mit Amazon Prime sogar zu einem jährlichen Pauschalpreis an. Kunden beschweren sich aber immer wieder, dass seitdem die Standardverschickung lansamer geworden sei. Mittlerweile hat Amazon Prime aber weitere Funktionen erhalten – vor allem in den USA –, worüber sich nun vermehrt digitale Dienste nutzen lassen. Die schnelle Verschickung über die Prime-Funktion tritt damit wieder in den Hintergrund.

Amazon sucht auch nach weiteren Möglichkeiten, die Ware schneller zum Kunden zu bringen. Das Unternehmen arbeitet daran, die Pakete per Flugdrohne auszuliefern. Diese haben jedoch nur eine Reichweite von 10-20 Kilometern und können keine allzu schweren Pakete befördern. Amazon könnte diese Technik nur in dichtbesiedelten Städten einsetzen und müsste dafür auch neue Verteilzentren bauen. Zudem ist eine Zulassung in vielen Ländern fraglich.

(Peter Giesecke)

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