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US-Ärzte warnen: Google Glass kann süchtig machen

Nach exzessiver Nutzung einer Google Glass Datenbrille musste ein 31-Jähriger sich wegen starker Entzugserscheinungen in ärztliche Behandlung begeben. Der Mann, der in der Vergangenheit bereits Alkoholprobleme hatte, beschrieb den Entzug als schlimmer als bei seiner Alkoholabhängigkeit. Ärzte warnen nun vor exzessiver Nutzung neuer Technologien.

16.10.2014, 13:01 Uhr
Google© Google

Wie die österreichische Zeitung "Der Standard" berichtet, sehen US-Ärzte in der Datenbrille Google Glass eine Suchtgefahr. Im Fachmagazin "Addictive Behaviors" wird von einem 31-Jährigen Mann berichtet, der die Brille täglich bis zu 18 Stunden trug. Wegen deutlicher Entzugserscheinungen ohne die Brille befindet er sich nun in ärztlicher Behandlung.

Erster Abhängiger seiner Art

Der Patient sei der erste Mensch, bei dem eine "Internetabhängigkeit in Zusammenhang mit problematischer Nutzung von Google Glass" diagnostiziert wurde. Der Angehörige der US-Marine hatte allerdings schon vorher mit Alkoholproblemen, Depressionen und Beziehungsproblemen zu kämpfen und wurde 2013 nach einem Rückfall in ein Suchtprogramm der US-Marine aufgenommen.

Weniger Selbstbewusstsein und Kommunikation

Vor seiner Behandlung setzte der Mann seine Google Brille ausschließlich zum Duschen und Schlafen ab. Auch in seinen Träumen hatte er immer das Gefühl, durch die Brille zu blicken. Auch das Tragen der Brille bei seiner Arbeit wurde ihm gestattet, weil es ihm die Arbeit erleichterte.

Ohne Google Glass fühlte er sich weniger selbstbewusst und kam schlechter ins Gespräch mit anderen Menschen. Zudem hatte er immer ein heftiges Verlangen nach dem Gerät, wie Drogenabhängige nach ihren Suchtmitteln.

Schlimmer als Alkoholentzug

Sogar das Kurzzeitgedächtnis hatte sich zurückgebildet, der Mann war gedankenverloren und vermied Blickkontakt zu anderen Menschen. Auch ohne Brille tippte er immer wieder auf seine Schläfe, wo sich normalerweise an der Brille die Internetverbindung aktivieren lässt. Obwohl sich die Symptome nach einer 35-tägigen Behandlung besserten, war der Entzug nach Angaben des Patienten schlimmer als ein Alkoholentzug.

Abschließend warnen die Ärzte, dass eine exzessive Nutzung technische Neuerungen physiologische und emotionale Störungen hervorrufen könne, auch wenn die Neuerungen den Menschen ansonsten viele Vorteile bescheren würden.

(Falko Kuplent)

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