News

Urteil: Voreingestelltes WLAN-Passwort muss nicht zur Störerhaftung führen

Der Betreiber eines WLAN-Routers muss nicht, um der Störerhaftung zu entgehen, das werksseitig ausgelieferte WLAN-Passwort ändern, wenn dieses individuell erstellt wurde und ausreichend sicher ist. Dies entschied das Amtsgericht Hamburg.

23.01.2015, 10:46 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Der Betreiber eines WLAN-Routers muss nicht, um der Störerhaftung zu entgehen, das werkseitig ausgelieferte WLAN-Passwort ändern, wenn dieses individuell erstellt wurde und ausreichend sicher ist. Dies entschied das Amtsgericht Hamburg in einem konkreten Fall. (Urteil vom 09.01.2015, Az: 36a C 40/14)

Kein Widerspruch zum BGH-Urteil

Der Bundesgerichtshof hatte im Mai 2010 geurteilt, dass der Routerbesitzer Sorge zu tragen hat, dass sich der Router jederzeit auf dem aktuellen Sicherheitsstand befindet. Ansonsten kann er bei Rechtsverletzungen über diesen Anschluss in Störerhaftung genommen werden.

Konkret hieß dies, dass bei einem neuen Router der voreingestellte Netzwerkschlüssel durch einen nur einmal verwendeten und ausreichend sicheren Schlüssel zu ersetzen sei. Das AG Hamburg urteilte nun, dass diese Pflicht nicht besteht, wenn das werkseitige Passwort bereis diese Kriterien erfüllt. Dies berichet IT-Fachwanwalt Thomas Stadler.

Sicherheit ist das Kriterium

In dem verhandelten Fall kam das Gericht zu dem Schluss, dass das voreingestellte Passwort genauso sicher sei wie ein selbst erzeugtes. Oftmals sei das werkseitig erzeugte Passwort sogar sicherer als ein selbst erstelltes. Das AG Hamburg ist nicht das erste Gericht, das so entscheidet. Ob andere Gerichte dieser Linie in Zukunft folgen werden, bleibt jedoch abzuwarten.

Eine Besonderheit an diesem Fall ist, dass vor Gericht gar nicht geklärt wurde, ob der Router "Alice Modem WLAN 1421" werkseitig mit einem individuellen Authentifizierungsschlüssel ausgeliefert wurde. Diese Frage war zwischen den Parteien strittig. Das Gericht begnügte sich damit, dass es laut Bedienungsanleitung nicht notwendig war, den Schlüssel zu ändern.

Laut Stadler geht das Gericht auch davon aus, dass Router-Besitzer nicht für eine Sicherheitslücke haften, wenn diese erst nach der Rechtsverletzung öffentlich bekannt geworden ist. Ungeklärt blieb die Frage, wie dies bei Routern ist, die sich nicht entsprechend konfigurieren lassen.

(Peter Giesecke)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang