News

Urteil: Provider ist für Domains verantwortlich

28.07.2003, 14:30 Uhr
Welt© Julien Eichinger / Fotolia.com

Sex.com – klingt einfach, liest sich einfach und ist wohl einer der am meisten eingegebenen Begriffe im Netz. Und doch gab es einen großen Streitfall um die Domain, die von Gary Kremen 1994 registriert wurde – denn 1995 schnappte sie sich ein Trickbetrüger mit einem gefälschten Schreiben an den Registrar Network Solutions. Diese sind allein verantwortlich für den Schaden, urteilte jetzt das neunte Berufungsgericht von San Fransisco.
Der eigentliche Betrüger, Stephen Michael Cohen, hat sich nämlich längst abgesetzt und den eigentlichen Domaineigner mit 65 Millionen Dollar Schaden sitzen lassen – so zumindest behauptet Kremer. Über die Jahre hätte Cohen 40 Millionen Dollar aus der Domain gezogen. Zwar war er 2001 schon zur Herausgabe der Domain und Rückzahlung der Beträge verurteilt worden, konnte sich jedoch nach Mexiko absetzen und so den amerikanischen Behörden entziehen.
Wie ist die Situation bei deutschen Registraren?
Auf dem Schaden bleibt nun also Network Solution sitzen, die gleichzeitig Registry, ähnlich der DeNIC und Registrar, also Provider, sind. Dass in Deutschland ein solcher Fall passieren könnte, schließt Dr. Klaus Herzig, Pressesprecher bei der DeNIC jedoch aus. "Solche Fälle kommen im Grunde nicht vor, wenn dann nur in wirklichen Einzelfällen", erklärt Herzig.
"Jedes unserer Mitglieder, das einen Auftrag übermittelt, muss sich unbedingt vergewissern, dass der Auftrag von einer berechtigten Person kommt", so Herzig weiter. Diese Überprüfung fände von allen Mitgliedern statt. Dennoch stellt das Urteil zumindest für die USA einen Präzedenzfall dar – und könnte eine Prozesslawine gegen Registrare auslösen. Für Deutschland schließt Herzig eine solche Prozesslawine jedoch aus.

(Sven Wagenhöfer)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang