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Unseriöse Angebote: Geldwäsche statt Superjob

Arbeitsangebote aus E-Mails oder Online-Jobbörsen müssen nicht immer seriös sein. Vorsicht ist geboten, wenn bei dem Job Geld tranferiert werden soll.

06.05.2005, 18:25 Uhr
Internet© Daniel Fleck / Fotolia.com

Ein tolles Stellenangebot, dass da per E-Mail reinkommt: Eine Moskauer Firma sucht Vertreter in Deutschland. Für nur drei bis vier Stunden wöchentlich werden Verdienstmöglichkeiten von bis zu 1500 Euro versprochen. Das hört sich doch interessant an.
Achtung, Betrug
Von wegen. Die verlockenden Angebote, die zur Zeit wieder verstärkt in den Postfächern landen, sind nicht koscher. Das Aufgabenfeld wird nicht genau beschrieben, "Dienstleistungen in Bezug auf Überweisungen" sollen erbracht werden - klar, hier stimmt etwas nicht. Vorsicht ist also geboten, denn Überweisungsbetrüger nutzen unschuldige Jobsuchende aus, um illegal beschaffte Gelder ins Ausland zu überweisen.
Oft geht es in diesen Stellenangeboten, die nicht nur per E-Mail, sondern auch in Online-Jobbörsen auftauchen können, um Geldtransfers mit Western Union. Der Dienstleister ermöglicht, Überweisungen ins Ausland innerhalb weniger Minuten abzuwickeln. Das ist hilfreich, wenn Bekannte im Urlaub mal in finanzielle Nöte geraten.
Missbrauchsanfällig
In Deutschland wird dieser Service unter anderem von der Postbank angeboten. Man zahlt das Geld direkt in bar ein und gibt den Namen des Empfängers sowie das Land, in dem er sich aufhält, an. Der Betrag wird überwiesen und man erhält eine Referenznummer, die dem Empfänger mitgeteilt werden muss. Mit dieser Nummer kann dann der Empfänger im Ausland nach kurzer Zeit das Geld bei einer örtlichen Bank abholen, er muss sich lediglich ausweisen können.
Dieses System kann jedoch auch von Betrügern ausgenutzt werden, da es sehr schwer -und in manchen Fällen sogar unmöglich- ist, den Empfänger des Geldes zu identifizieren. Jürgen May, Kriminalhauptkommissar vom Polizeipräsidium in Mainz, kennt solche Fälle. Studenten wurden über eine Online-Jobbörse und per E-Mail geködert, um einem pensionierten Reisemanager, der angeblich in Süd-Frankreich ein Reisebüro leitete, bei der Vermitttlung von Flugtickets an wohlhabende Kunden zu helfen. Den Studenten wurde Geld für die Tickets von den angeblichen Kunden auf ihre privaten Konten überwiesen, das sie dann abzüglich ihrer Provision per Western Union auf die Philippinen transferieren sollten.
Studenten geködert
Wie sich herausstellte, waren jedoch die vermeintlichen Kunden samt Reisebüro frei erfunden. Ein Betrüger hatte über das Internet Bankverbindungen von Firmen ausfindig gemacht und von diesen Konten das Geld an die Studenten überwiesen. Die Überweisungsformulare hatte er dabei mit fiktiven Unterschriften signiert, die offenbar von den Banken nicht genau überprüft wurden. Erst im Nachhinein stellten die Firmen fest, dass von ihren Konten Beträge abgebucht worden waren, die sie nie überwiesen hatten. Der Täter, ein deutscher Staatsangehöriger, wurde unterdessen auf den Philippinen gefasst und an Deutschland ausgeliefert.
Über das generelle Ausmaß solcher Betrugsfälle gibt es keine genauen Zahlen. „Ich gehe davon aus, unser Täter hat etwa 500 Studenten gemacht“, schätzt May. In diesem Fall hatten die Studenten jedoch Glück: für den entstandenen Schaden müssen sie nicht haften. Der Bundesgerichtshof habe in einem Urteil entschieden, dass im Falle einer gefälschten Unterschrift auf einem Überweisungsformular, die Bank den Schaden ersetzen muss, erklärt May.
Skepsis schützt
Um sich vor solchen Betrügern zu schützen, sollte man seinen gesunden Menschenverstand einsetzen und skeptisch gegenüber E-Mails oder anderen Jobangeboten sein, die hohe Bezahlung für wenige Stunden Arbeit versprechen. May rät, bei Stellenangeboten auf nachvollziehbare Telefonnummern zu achten und auch wirklich zu überprüfen, ob es diese Nummern bzw. Firmen gibt. Auch die Banken raten mittlerweile, von Zahlungen mit Western Union abzusehen, wenn der Empfänger unbekannt ist. Beachtet man diese Grundregeln, kann man unseriöse Geschäftemacher schnell entlarven und erspart sich so eine Menge Ärger. Zudem empfiehlt es sich, nur bei seriösen Online-Jobbörsen auf Suche zu gehen, die ihre Angebote überprüfen.

(Christopher Bach)

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