Kabel vs. Glasfaser

Unitymedia und Deutsche Glasfaser auf Gigabit-Kurs

Zwei Zugangswege, ein Ziel: Unitymedia bietet seit Mai einen Gigabit-Tarif in seinem Kabelnetz in Bochum an, Deutsche Glasfaser hält Gigabit-Speed per FTTH-Anschlüssen bereit. Doch die Realisierung der Gigabit-Gesellschaft wird noch dauern.

ANGA COM 2018 Unitymedia PanelAm Unitymedia-Messestand diskutierten Moderator Dr. Jörn Krieger, Prof. Dr. Torsten J. Gerpott, Dr. Wolf Osthaus, Christof Sommerberg und Thorsten Neuhetzki über Glasfaser und Kabel (v.l.).© i12 GmbH

Köln - Highspeed-Internet mit Gigabit-Geschwindigkeiten lässt sich sowohl per glasfaserbasierten Coax-Kabelnetz als auch per reinen Glasfaserleitungen realisieren. Auf der Fachmesse ANGA COM diskutierten am Mittwoch am Unitymedia-Messestand der Breitbandexperte Prof. Torsten J. Gerpott, der für Regulierung zuständige Unitymedia-Manager Dr. Wolf Osthaus, Christof Sommerberg, Manager von Deutsche Glasfaser, und der Fachjournalist Thorsten Neuhetzki miteinander zum Thema "Glasfaser vs. Kabel".

Highspeed-Internet auf dem Land weiterhin ein Problem

Laut Professor Gerpott können laut aktuellen Zahlen 81 Prozent der Haushalte in Deutschland Internet Download-Bandbreiten von 50 Mbit/s und mehr nutzen. Im ländlichen Raum liege der Prozentsatz aber nur bei mageren 44 Prozent. Damit stehe dort mehr als der Hälfte der Haushalte weniger als 50 Mbit/s zur Verfügung.

Unitymedia: Ausbau in der Fläche und bei der Bandbreite

Dr. Wolf Osthaus, Mitglied der Unitymedia-Geschäftsführung, betonte denn auch, dass die Strategie von Unitymedia auf zwei Pfeilern basiere. Zum einen gehe es um den Ausbau in der Fläche. Hier habe der Kabelnetzbetreiber in den vergangenen drei Jahren rund 500.000 Haushalte erstmals mit Highspeed-Internet versorgt.

Zum anderen setze Unitymedia auf den Ausbau in der Spitze. Damit ist die Realisierung von Gigabit-Geschwindigkeiten im Kabelnetz gemeint. Anfang Mai hatte Unitymedia in Bochum die erste Gigabit-City an den Start gebracht. Nahezu flächendeckend können Haushalte dort mit bis zu 1 Gbit/s im Internet surfen. Allerdings sei der seitdem angebotene Gigabit-Tarif noch kein Massenprodukt, das stark nachgefragt werde. Im Rahmen der Einführungsphase berechnet Unitymedia Kunden in Bochum bei Buchung bis zum 31. Juli 2018 in den ersten 24 Monaten 49,99 Euro pro Monat, danach wird der reguläre Preis in Höhe von 109,99 Euro monatlich fällig. Weitere Städte sollen als Gigabit-Citys folgen, ab Oktober dieses Jahres beispielsweise Frankfurt. Bundesweit könnten 70 Prozent der Haushalte Gigabit-Speed per Kabelnetz erhalten. Vodafone will bis 2022 Gigabit-Anschlüsse für 25 Millionen Haushalte schaffen, darin inbegriffen sind nach einer erfolgreichen Fusion auch die Anschlüsse von Unitymedia.

Glasfaserleitungen mit hoher Kapazität

Gigabit-Geschwindigkeit gibt es laut Christof Sommerberg von Deutsche Glasfaser selbstverständlich auch über Glasfaserleitungen. Das Unternehmen errichtet schwerpunktmäßig FTTH-Glasfaseranschlüsse im ländlichen Raum und hat sich nach eigenen Angaben inzwischen hier als führender Anbieter etabliert. Dabei setze Deutsche Glasfaser auf den eigenwirtschaftlichen Ausbau, da man dabei schneller ausbauen könne. Dem Modell von Deutsche Glasfaser bescheinigte durchaus auch Unitymedia-Manager Osthaus Erfolg. Der Journalist und Breitbandexperte Thorsten Neuhetzki plädierte dafür, Glasfaser so nah wie möglich an die Kunden zu bringen. FTTH, Glasfaser bis in die Wohnung, sei für Kunden die beste Lösung.

Nur wenig Nachfrage nach höheren Upload-Bandbreiten?

Zur Sprache kam auch die im Vergleich zum Download erheblich geringere Upload-Bandbreite bei dem Kabelnetzbetreiber. Osthaus erläuterte, das Kunden das seltener benötigten. Sprich: Die breite Nachfrage nach höherem Upload ist aus Sicht von Unitymedia offenbar nicht vorhanden. Technisch seien bei dem künftigen Übertragungsstandard DOCSIS 3.1 symmetrische Bandbreiten für Down- und Upload wie etwa 500 / 500 Mbit/s zwar durchaus machbar. Dies würde aber eine schlechtere Ausnutzung der Kapazität bedeuten. Hier hakte Neuhetzki ein. Es sei durchaus mehr Upload von den Kunden gefragt. Sommerberg konnte hier punkten: Bei Deutsche Glasfaser biete bereits der kleinste Tarif eine Upload-Geschwindigkeit von 100 Mbit/s.

Gigabit-Projekte haben Signalfunktion

Wofür werden in der Praxis aber überhaupt Download-Bandbreiten von 1 Gbit/s benötigt? Professor Gerpott sieht Gigabit-Speed derzeit nur für Heavy User von Interesse. Es werde aber mehr Anwendungen geben, die höhere Bandbreiten benötigen. Glasfaser sei ein Potentialmedium, eine Investition in die Zukunft.

Für Unitymedia seien Projekte wie die Gigabit-City in Bochum vor allem wichtig, um zu zeigen, dass es geht. "Der Start in das Gigabit-Zeitalter ist jetzt", so Osthaus. Hier schloss sich auch Sommerberg an: "Die Signalfunktion ist das Wichtige". Ohne Aufwand könne man die Bandbreite der Kunden bei Bedarf hochdrehen.

DSL noch dominierend bei Breitbandanschlüssen in Deutschland

Der Ist-Zustand ist aber noch weit weg von der Gigabit-Gesellschaft. 75 Prozent der Breitbandanschlüsse in Deutschland basieren noch auf DSL. Dies habe auch mit der historischen Entwicklung zu tun, erklärte Professor Gerpott. Das Kupferkabel existiere überall flächendeckend. Erst nach circa 2010 hätten die Kabelnetzbetreiber massiv mit dem Netzausbau begonnen. Ab 2021 will auch die Telekom stärker in Glasfaser investieren. Die Lebenszeit von DSL sei endlich. Der Abschied vom Kupferkabel könne aber auch sehr schnell gehen, das zeige etwa das Beispiel Spanien. Dort werde die Kupferkabel-Infrastruktur 2023 abgeschaltet.

Experte Gerpott sieht durch die geplante Übernahme von Unitymedia durch Vodafone nach eigener Einschätzung nur wenig Effekte für den Breitbandmarkt. Unitymedia-Manager Osthaus hält das Zusammengehen der beiden Kabelnetzbetreiber jedoch für eine große Chance. Vodafone könne als nationaler Anbieter der Telekom damit auf Augenhöhe begegnen.

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Jörg Schamberg

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