ANGA COM

Unitymedia-Chef: Mit deutschem Hulu gegen Amazon und Netflix

Welche Strategie haben Provider und TV-Anbieter in Deutschland gegen die US-Konkurrenz von Amazon Prime Video und Netflix? Auf der ANGA COM schlug Unitymedia-Chef Lutz Schüler eine lokale Plattform als quasi deutsches Hulu vor.

Unitymedia Lutz Schüler Vodafone Hannes AmetsreiterUnitymedia-Chef Lutz Schüler (li.) und Vodafone Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter bei der Podiumsdiskussion auf der ANGA COM.© i12 GmbH

Köln - Der Fernsehkonsum in Deutschland ändert sich. Die klassischen TV-Sender und auch Kabelnetzbetreiber konkurrieren zunehmend mit Anbietern wie Netflix und Amazon Prime Video. Auf der ANGA COM, einer Branchenmesse für Breitband und Medien, diskutierten hochrangige Vertreter von Providern, TV-Sendern und Pay-TV-Anbietern unter anderem die Folgen des digitalisierten Marktes.

RTL-Chefin fürchtet Amazon mehr als Netflix

Die Sender der RTL Mediengruppe sind nach Angaben von RTL Deutschland-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt klar auf den Mainstream ausgerichtet. Netflix und Amazon Prime Video würden dagegen eher kleinere Zielgruppen ansprechen. Dennoch würde ein zunehmend fragmentierter Markt auch zu sinkenden Marktanteilen führen. Das in Köln ansässige Unternehmen würde dennoch weiter Wachstum verzeichnen, da nicht nur auf viele Sender, sondern auch auf weitere Kanäle wie Online-Plattformen gesetzt werde. Nicht Netflix, sondern Amazon hält Schäferkordt wegen dessen Potentials langfristig für den größeren Wettbewerber. Die RTL-Chefin sieht Exklusivität als Treiber an. Nur Investments in Inhalte, die Exklusivität mitbringen, würden sich lohnen.

Vodafone will keine eigenen Inhalte produzieren

Vodafone Deutschland-Chef Hannes Ametsreiter betonte, dass der Mobilfunk- und Festnetzbetreiber kein Interesse an der Produktion eigener Inhalte habe. Diese sei aus strategischen Gründen nicht wertschaffend. "Wir investieren bereits in Content", so Ametsreiter. Allerdings beziehe sich das auf Inhalte von Partnern, dazu sind auch US-Anbieter wie Netflix über die IPTV-Plattformen von Vodafone (www.vodafone.de Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können. Sie können dieses Produkt natürlich auch woanders kaufen; der Link ist ein Vorschlag und stellt weitere Informationen zur Verfügung. Partnerprogramme haben keinerlei Einfluss auf unsere redaktionelle Berichterstattung, Preise oder Platzierungen in Tarifrechnern.) verfügbar. Ametsreiter machte klar, wie wichtig Bewegbildinhalte sind: 60 Prozent des Datentraffics seien bereits Videos. Die zunehmende Fragmentierung des Marktes ist für Ametsreiter unumstritten. Ein Produkt für alles sei Vergangenheit.

Telekom plant exklusive Serien und Filme

Telekom Deutschland-Geschäftsführer Niek Jan van Damme stuft exklusiven Content als lohnenswert ein. Das hätten bereits die Sportangebote der Telekom wie Fußball, Eishockey und Basketball gezeigt. Teils würden sich Kunden für EntertainTV nur wegen exklusiver Inhalte anmelden. Künftig plant der Bonner Konzern offenbar auch exklusive Serien und Filme. Gespräche dazu würden derzeit stattfinden. Für solche exklusiven Inhalte reserviere die Telekom (www.telekom.de Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können. Sie können dieses Produkt natürlich auch woanders kaufen; der Link ist ein Vorschlag und stellt weitere Informationen zur Verfügung. Partnerprogramme haben keinerlei Einfluss auf unsere redaktionelle Berichterstattung, Preise oder Platzierungen in Tarifrechnern.) einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Die Telekom wolle vorsichtig und vernünftig damit anfangen. "Jeder erhofft sich ein House of Cards", so van Damme.

Sky-Chef hofft auf Erfolg von Eigenproduktion "Babylon Berlin"

Der Pay-TV-Anbieter Sky Deutschland (www.sky.de Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können. Sie können dieses Produkt natürlich auch woanders kaufen; der Link ist ein Vorschlag und stellt weitere Informationen zur Verfügung. Partnerprogramme haben keinerlei Einfluss auf unsere redaktionelle Berichterstattung, Preise oder Platzierungen in Tarifrechnern.) will laut Geschäftsführer Carsten Schmidt künftig neben Sportinhalten verstärkt auch auf eigene Entertainment-Inhalte setzen. Eine "erste Duftmarke in Deutschland" sei die mit einem Budget von 40 Millionen Euro ausgestattete Serie "Babylon Berlin", die ab Oktober zunächst bei Sky gezeigt wird. Erst ein Jahr später läuft die Serie bei der ebenfalls als Koproduzenten beteiligten öffentlich-rechtlichen ARD. Sky Deutschland-Chef Schmidt verspricht weitere Sky Originals. Der Erfolg einer Eigenproduktion wie "Bayblon Berlin" macht der Sky-Manager allerdings nicht nur an Einschaltquoten fest. Vielmehr müsse Sky in aller Munde sein, so wie heute über Fußball gesprochen werde.

Unitymedia-Chef spricht sich für ein deutsches Hulu aus

Unitymedia-Geschäftsführer Lutz Schüler hat nach eigenen Worten durchaus Respekt vor Amazon & Co. Der Kabelnetzbetreiber wachse aber gut. Zugleich bescheinigte er den deutschen Kunden eine gewisse Trägheit. Davon würden die deutschen Provider leben. Im Ausland seien die Kunden agiler und würden häufiger wechseln. Doch was können deutsche Anbieter machen, um sich gegen Amazon & Co. zu wehren? Schüler schlägt die Bündelung lokaler Inhalte auf einer Plattform vor. Ihm schwebt ein deutsches Hulu vor. Dies würde man in Deutschland aber nicht hinbekommen. "Da haben wir eine Herausforderung", so Schüler. Die Netzbetreiber seien nur noch die "Pipe" zur Weiterleitung der Inhalte. RTL-Geschäftsführerin Schäferkordt wies darauf hin, dass es in Deutschland bereits vor Jahren den Versuch der Errichtung einer zentralen, für alle Anbieter offenen Plattform gegeben habe, die jedoch an den Kartellbehörden gescheitert sei. Schäferkordt wünscht sich eine rechtliche Verbesserung, um Kooperationen zu erleichtern.

Fusion von Vodafone und Unitymedia weiter aktuell?

Von den Formel 1-Rechten, die sich das Unternehmen Liberty Media gesichert hatte, das wie die Unitymedia-Mutter Liberty Global dem Milliardär John Malone gehört, könne Unitymedia (www.unitymedia.de Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können. Sie können dieses Produkt natürlich auch woanders kaufen; der Link ist ein Vorschlag und stellt weitere Informationen zur Verfügung. Partnerprogramme haben keinerlei Einfluss auf unsere redaktionelle Berichterstattung, Preise oder Platzierungen in Tarifrechnern.) nicht profitieren. Es gebe keinen "Familienbonus" für den Kabelnetzbetreiber. Gefragt, ob eine mögliche Fusion von Unitymedia und Vodafone noch immer ein Thema sei, verwies er auf seinen früheren Spitzenjob bei O2. Drei Jahre nachdem er dort weg sei, wäre die Fusion von O2 und E-Plus gekommen. Ähnlich könnte es auch bei Unitymedia und Vodafone laufen. Vodafone Deutschland-Chef Ametsreiter wollte die Spekulation über ein Zusammengehen der beiden größten deutschen Kabelnetzbetreiber dagegen nicht kommentieren.

Freenet sieht sich als Händler und nicht als Produzent

Freenet-Geschäftsführer Christoph Vilanek lenkte den Blick auf die für die Kunden relevanten Inhalte. So habe es der Print-Bereich vorgemacht: Regionale Inhalte seien immer noch wichtig. Freenet selbst sieht sich als Händler und nicht als Produzent. "Wir versuchen immer das beste Produkt zu verkaufen", so Vilanek.

Tele Columbus will Kunden günstiges Entertainment bieten

Ronny Verhelst, Chef der Tele Columbus Gruppe (www.telecolumbus.de Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können. Sie können dieses Produkt natürlich auch woanders kaufen; der Link ist ein Vorschlag und stellt weitere Informationen zur Verfügung. Partnerprogramme haben keinerlei Einfluss auf unsere redaktionelle Berichterstattung, Preise oder Platzierungen in Tarifrechnern.), betrachtet sein Unternehmen als "Entertainment-Company". Tele Columbus liefere Entertainment zu einem niedrigen Preis. Dabei setzt er nicht bevorzugt auf exklusiven Content. Das klassische TV sei zudem noch nicht tot. Immerhin würden täglich 70 Prozent der Bundesbürger täglich fernsehen, auch 40 Prozent der Jüngeren nutzen noch das Fernsehen. Video on Demand verzeichne aber ein jährliches Wachstum von 30 Prozent. Damit Inhalte über das Internet gut empfangen werden können, würden Millionen in das Kabelnetz investiert.

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Jörg Schamberg

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