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Umweltbundesamt nimmt defekte Elektrogeräte unter die Lupe

Wie lange müssen Produkte funktionsfähig sein? Altern Elektrogeräte schneller als noch vor Jahrzehnten? Werden Produkte von den Herstellern bewusst mit kurzer Lebensdauer ausgestattet? Das Umweltbundesamt will diesen Fragen auf den Grund gehen und lässt nun den Verschleiß von Produkten in einer Studie wissenschaftlich untersuchen.

19.08.2013, 18:52 Uhr
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Nicht wenige Verbraucher fragen sich: Ist es Zufall, dass beispielsweise ein Mobiltelefon oder eine Digitalkamera genau dann einen Defekt erleiden, wenn die Garantiezeit gerade abgelaufen ist? Eine Reparatur ist häufig mit hohen Kosten verbunden, der Kauf eines neuen Gerätes sogar wirtschaftlicher. Gerade bei Elektro- und Elektronikgeräten wurde in der Vergangenheit auch immer über mögliche Sollbruchstellen diskutiert, also über von den Herstellern bewusst bereits bei der Produktion in Kauf genommene Schwachstellen der Geräte. Der Verschleiß von Produkten, sowohl auf natürliche oder auch auf künstlich beeinflusste Art und Weise, wird auch als Obsoleszenz bezeichnet. Das Umweltbundesamt hat zu diesem Phänomen jetzt eine wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben, die eine breitere und belastbare Datenbasis zum vorzeitigen Altern von Produkten liefern soll. Es sollen zudem neue Verfahren entwickelt werden, mit denen sich die Lebensdauer von Produkten besser überprüfen lassen.

Untersuchung der Lebensdauer von Geräten

Die Studie wird ab September vom Öko-Institut e.V. in Zusammenarbeit mit der Universität Bonn erstellt. Erste Ergebnisse werden im kommenden Jahr erwartet, im Frühjahr 2015 soll die wissenschaftliche Untersuchung abgeschlossen sein. Unter die Lupe nehmen wollen die Forscher vor allem Elektro- und Elektronik-Geräte, da sich hier Design und Produktpalette besonders schnell ändern und die Geräte häufig unter dem Verdacht stehen, vorzeitig einen Defekt zu erleiden.

Die Studie soll Aufschluss darüber geben, ob sich die durchschnittliche Lebensdauer und die Ausfallwahrscheinlichkeit von Geräten in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat. Welchen Einfluss haben Herstellerentscheidungen und das Nutzungsverhalten der Verbraucher? Wie lange muss ein Produkt überhaupt funktionsfähig bleiben? In Interviews werden unter anderem die Erfahrungen von Reparaturbetrieben und Testinstituten mit den Produkten ermittelt.

Vielfältige Gründe für frühzeitige Produktalterung

Die Gründe für das Ausfallen von Elektrogeräten können vielfältig sein. In Computern, Fernsehern oder anderen Geräte können beispielsweise unterdimensionierte Kondensatoren zum Einsatz kommen. In mechanisch stark beanspruchten Geräten wie Waschmaschinen oder Mixern können Materialien zu wenig belastbar sein. Bereits aufgrund der Produktionsweise anfällig erweisen sich zum Beispiel aber auch Smartphones und Tablets mit verklebten Bauteilen, die beispielsweise einen Austausch des Akkus verhindern. In Fallstudien für drei noch auszuwählende Produktgruppen soll die Untersuchung die Datenerhebung vertiefen.

Vorzeitiger Produktverschleiß wirkt sich negativ auf den Ressourcenverbrauch aus

Die Ergebnisse der Studie will das Umweltbundesamt für neue Produkt-Qualitätsstandards oder für Verbraucherinformationen verwenden. "Fakt ist: der vorzeitige Verschleiß von Produkten, egal wie er zustande kommt, wirkt sich negativ auf unseren Ressourcenverbrauch aus", betont Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes. "Die möglichst lange Lebens- und Nutzungsdauer von Produkten ist seit langem ein Kernanliegen des produktbezogenen Umweltschutzes. So sind die Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen eine standardmäßige Anforderung für die Vergabe des Umweltzeichens Blauer Engel", so Flasbarth weiter.

(Jörg Schamberg)

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